Darum gehts
- Wiener Friedhöfe integrieren Fitnessgeräte, darunter der Meidlinger Friedhof seit Juni 2026
- Kritik an 35'000-Euro-Projekt für Trainingsgeräte und Spazierwege zwischen Gräbern
- 140 neue Bäume, 11'110 Euro für drei Gleichgewichtstrainingsgeräte investiert
Dass die Österreicher einen besonderen Umgang mit dem Tod pflegen, ist weithin bekannt. Mit Liedern wie «Es lebe der Zentralfriedhof» oder «I lieg am Ruckn» betrachteten Wolfgang Ambros (74) und Ludwig Hirsch (65) das unausweichliche Ende allen irdischen Lebens auf eine zugleich eigentümliche und liebenswerte Weise. Der Tod gehört zum Leben eines jeden Österreichers wie die Preiselbeeren zum Wiener Schnitzel, insbesondere die Wiener pflegen eine innige Beziehung zum Jenseits.
Der Friedhof als Ort der Erinnerung und Fitness
In Wien sind Friedhöfe seit jeher mehr als reine Begräbnisstätten. Sie verfügen auch über eigene Souvenirshops, in denen man T-Shirts mit Aufschriften wie «Kleingrundstücksbesitzer*in» oder Kugelschreiber mit dem Schriftzug «Letzte Worte» in Schönschrift kaufen kann. Diese kosten rund 4 Euro.
Doch der Meidlinger Friedhof geht noch einen Schritt weiter: Wer künftig seine verstorbenen Grosseltern besuchen möchte, kann offenbar gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen – ein stilles Gedenken und ein kleines Bizeps-Training. Zwischen Grabsteinen und Gedenktafeln stehen plötzlich Fitnessgeräte.
Mit grossem Medienrummel eröffnete die Stadt Wien im Juni die neue Fitnessanlage und erntete dafür auch heftige Kritik. Für viele Wienerinnen und Wiener geht das einen Schritt zu weit. Sie können sich Krafttraining zwischen Grabstätten nur schwer vorstellen. Die Chefin der Friedhöfe Wien, Renate Niklas, sieht darin hingegen eine «Innovation», wie sie gegenüber der «Kronen Zeitung» sagte.
35'000 Euro für Fitness zwischen Grabstätten
Für zusätzlichen Ärger sorgen die Kosten. Mehr als 35'000 Euro wurden in Fitnessgeräte, Plauderbänke, einen Spazierweg und weitere Massnahmen investiert. Allein drei Mobilitäts- und Gleichgewichtstrainingsgeräte kosteten 11'110 Euro. Die drei Plauderbänke schlugen mit rund 2000 Euro zu Buche, der Rundweg mit 500 Euro.
Auch neue Friedhofswäldchen mit 140 Bäumen, Sträuchern und Pflanzen sowie zusätzliche Urnengräber verursachten weitere Ausgaben. In Zeiten knapper Kassen sorgt das Projekt deshalb für gespaltene Meinungen. Kritik äusserte der ÖVP-Gemeinderat Lorenz Mayr. «Die SPÖ-Neos-Stadtregierung hat erneut die Aufstellung von Fitnessgeräten auf Wiener Friedhöfen verteidigt. Für uns bleibt klar: Friedhöfe sind Orte des Gedenkens, der Trauer und der Ruhe.» Und weiter: «Sie dürfen nicht Schritt für Schritt zu Freizeitflächen umfunktioniert werden.»