«Ihr habt unsere Kinder getötet!»
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Angehörige stellen Morettis:«Ihr habt unsere Kinder getötet!»

Pschychiaterin Nuria Bonvin-Mullor stand den Eltern der Crans-Montana-Opfer bei
«Ich musste auch weinen»

Die Brandnacht von Crans-Montana veränderte das Leben vieler Menschen innert Sekunden. Die Psychiaterin Nuria Bonvin-Mullor war zu der Zeit im Spital von Sitten im Dienst. Sie schildert ihre Eindrücke vom Neujahrsmorgen.
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Die Trauer nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana ist gross.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Psychiaterin Bonvin-Mullor betreute Brandopfer der Neujahrsnacht 2026 in Sitten
  • Überlebende leiden unter Albträumen und Erinnerungen an verbranntes Fleisch
  • Erste Opfer wurden am 1. Januar um 2 Uhr eingeliefert
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Janine EnderliRedaktorin News

Für die Opfer und Angehörigen war es wohl die schlimmste Nacht ihres Lebens. Junge Menschen mussten mitansehen, wie ihre Freunde verbrannten. Eltern wussten nicht, wo ihre Kinder sind. Eine enorme Belastung. Psychiaterin Nuria Bonvin-Mullor betreute die Brandopfer von Crans-Montana in der Neujahrsnacht und hat nun in einem Interview mit der «Zeit» ihre Eindrücke aus der Horror-Nacht geschildert. Was steht bei der Aufarbeitung im Zentrum und wie erging es den Betroffenen in der Brandnacht? Die wichtigsten Aussagen im Überblick. 

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Geschehnisse in der Silvesternacht

Bonvin-Mullor war im Spital Sitten im Einsatz, als die ersten Brandopfer eingeliefert wurden. Gegenüber der «Zeit» schildert sie: «Ich traf am 1. Januar um 5.30 Uhr im Spital ein. Die Verletzten wurden da schon seit dreieinhalb Stunden medizinisch versorgt. Ich fragte meine Kollegen: Was kann ich tun? Man sagte mir, dass ich mich um die Familien kümmern soll, die nach Sitten gereist waren. Sie haben nach ihren Kindern gesucht.»

Die Familien hätten sich in einem Raum befunden. Die Psychiaterin notierte sich alle Namen. «Es lagen junge Menschen auf der Intensivstation, von denen wir die Namen nicht kannten.» 

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Der Schock

Die Psychiaterin beschreibt, wie sie für die wartenden Eltern da war. «Wenn eine Mutter oder ein Vater allein war, fragte ich, ob wir jemanden anrufen sollten, damit er ins Spital kommt. Manche weinten, und ich bot ihnen ein Taschentuch an oder legte meine Hand auf die Schulter. Sie standen alle unter Schock.» Bonvin-Mullor schildert, dass die Situation schwierig gewesen sei. «Ich musste auch weinen», sagt die Psychiaterin. 

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Albträume

Die Überlebenden von Crans-Montana leiden laut Bonvin-Mullor unter Albträumen. «Wenn sie im Spital einschliefen, hörten sie immer noch die Schreie der anderen Opfer. Sie rochen immer noch den fürchterlichen Geruch von verbranntem Fleisch. Das wird wohl noch eine Weile so bleiben.» Das präge sich besonders ein.

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Traumaverarbeitung

Die Traumata aus der Brandnacht verarbeite jeder Mensch anders, erklärt Bonvin-Mullor. «Es kommt darauf an, wie es diesen Menschen vor der Katastrophe ging. Waren sie davor psychisch fragil oder hatten Erkrankungen, mit denen sie kämpften, kann es sein, dass ihre Ressourcen erschöpft sind. Menschen in einem stabilen Umfeld haben bessere Chancen, ein Trauma zu verarbeiten», sagt die Ärztin. «Die Jugend ist auch eine Kraft, die mobilisiert werden kann», so Bonvin-Mullor. «In den Gesprächen mit den jungen Patienten habe ich immer wieder gedacht: Wie stark die sind!»

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