Darum gehts
- Wladimir Putin besucht umstrittene Kurilen-Insel Iturup
- Japan protestiert, bezeichnet die Inseln als historisches Staatsgebiet
- Nach Zweitem Weltkrieg vertrieb die Sowjetunion 17'000 Japaner von den Inseln
Ein Präsident zu Besuch, ein paar Gespräche mit Einheimischen, dazu Fisch: Auf den ersten Blick wirkt Wladimir Putins (73) Besuch auf der Kurilen-Insel Iturup im Pazifik beinahe wie ein gewöhnlicher Besuch in einer abgelegenen Region. Doch für Japan ist die Insel weit mehr als ein entlegener Flecken Erde: Sie ist Teil eines jahrzehntealten Territorialstreits mit Russland.
Putin besuchte die Insel, die in Japan Etorofu genannt wird, am Donnerstag. Sie gehört zu den vier südlichen Kurilen-Inseln, die sowohl Russland als auch Japan für sich beanspruchen. Der Präsident sah sich eine Fischverarbeitungsanlage an. Dort wurde ihm Kaviar überreicht.
Tokio reagierte umgehend und sprach von einem «starken Protest» gegen Putins Aufenthalt. Die Inseln seien «historisch und nach internationalem Recht» japanisches Staatsgebiet, erklärte Aussenminister Toshimitsu Motegi auf X.
Kremlchef schwört seine Flotten ein
Der Streit reicht bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs zurück. Damals besetzte die Sowjetunion die Kurilen und vertrieb rund 17'000 japanische Bewohner. Seitdem beansprucht Japan die vier Inseln, während sie von Russland kontrolliert werden. Der Konflikt ist bis heute ungelöst und war ein wesentlicher Grund dafür, dass beide Länder nach dem Krieg keinen formellen Friedensvertrag schlossen.
Für Moskau haben die Inseln zudem eine grosse strategische Bedeutung. Iturup verfügt über einen wichtigen russischen Militärflugplatz und liegt an einer für die russischen Streitkräfte bedeutenden Position zwischen Hokkaido im Norden Japans und der russischen Kamtschatka-Halbinsel.
Bereits am Mittwoch besuchte Putin eine Pazifikflotte und machte die russische Position klar. Russland müsse sich gegen westliche Einflüsse und auch die Nato wehren, sagte Putin. «Die Nato infiltriert unser Land, es werden neue militärisch-politische Blöcke gebildet, neue Waffensysteme werden hier stationiert und ihre Stationierung ist hier geplant, was eine Bedrohung für unser Land darstellt.»