Darum gehts
- Putin droht mit globalen Vergeltungsmassnahmen für beschlagnahmte russische Handelsschiffe
- Warnung vor wachsendem Konfliktpotenzial durch Nato-Aktivitäten im Pazifik
- Über 13'000 Soldaten und 60 Schiffe bei Übungen seit 4. August
Russlands Präsident Wladimir Putin (73) hat mit einer Ausweitung möglicher Vergeltungsmassnahmen gegen die Beschlagnahme russischer Handelsschiffe gedroht.
Moskau werde auf solche Aktionen des Westens «spiegelbildlich» reagieren – und zwar nicht nur in denselben Gewässern, sondern gegebenenfalls an jedem Ort der Welt, einschliesslich des Pazifiks, erklärte Putin während der Abschlussphase der diesjährigen Übungen der Pazifikflotte. «Die Behörden einiger Länder versuchen unter Verstoss gegen internationales Seerecht, die Bewegungsfreiheit der Schiffe unserer Wirtschaftsakteure, selbst friedlicher Schiffe, einzuschränken und haben kürzlich sogar erwogen, unsere Schiffe zu beschlagnahmen und das von ihnen gestohlene Gut zu verkaufen. Dies ist natürlich nichts anderes als Piraterie und Raub. Und sollte dies in die Praxis umgesetzt werden, werden wir gezwungen sein, mit gleicher Münze zurückzuzahlen.»
Spannungen nehmen zu
In europäischen Gewässern verkehren seit Jahren Tanker, die westliche Staaten der sogenannten russischen Schattenflotte zurechnen. Viele fahren unter wechselnden oder mutmasslich falschen Flaggen. Westliche Regierungen werfen ihnen vor, Sanktionen zu umgehen und russische Ölexporte trotz Beschränkungen zu ermöglichen. Frankreich hat im März 2026 beispielsweise den Tanker «Deyna» im Mittelmeer festgesetzt und entern lassen. Paris verdächtigte das Schiff, zur russischen Schattenflotte zu gehören.
Tatsächlich geht es bei den aktuellen Fällen vor allem um sanktionierte beziehungsweise mutmasslich zur Umgehung von Sanktionen eingesetzte Tanker. Ob ein Zugriff rechtmässig ist, hängt unter anderem vom Flaggenstatus des Schiffs, seinem Aufenthaltsort und konkreten Verstössen gegen Sanktionen oder das Seerecht ab. Russland bezeichnet die Massnahmen als Piraterie und illegale Beschlagnahmung.
«Dringen in unser Land ein»
Zugleich warnte der Kremlchef vor einem wachsenden Konfliktpotenzial in der Pazifikregion. «Die Nato infiltriert unser Land, es werden neue militärisch-politische Blöcke gebildet, neue Waffensysteme werden hier stationiert und ihre Stationierung ist hier geplant, was eine Bedrohung für unser Land darstellt», wird Putin von russischen Nachrichtenagenturen zitiert. Dies stelle eine Bedrohung für Russland dar.
Seit dem 4. August trainieren rund 60 russische Schiffe, U-Boote und Versorgungsschiffe sowie etwa 30 Flugzeuge, Helikopter und Drohnen mit mehr als 13'000 Soldaten die Verteidigung der russischen Seegrenzen, Inselgebiete und Küsten im Fernen Osten.