Darum gehts
- Polizei entdeckt in Philadelphia verstörende Beweise, darunter mutmassliche menschliche Asche
- 600'000 Bilder, 70'000 Videos und Hinweise auf vermisste Frauen im Haus
- Beamte untersuchten erst 5-7 Prozent der Beweise, Zusammenarbeit mit FBI
Was ist in diesem Haus passiert? Eine zunächst normale Polizeikontrolle führte die Ermittler in Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania zu einem Anwesen voller verstörender Spuren – und möglicherweise zu vier vermissten Frauen. Anhand Hunderttausender Dateien, mutmasslich menschlicher Asche und illegaler Waffen versuchen sie herauszufinden, was sich dort über Jahre abgespielt haben könnte.
Am 19. Juni kontrollierten Polizisten ein falsch parkiertes Auto, wie «The Philadelphia Inquirer» berichtet. Am Steuer sass der 44-jährige Eugene H.*. Seine Beifahrerin (38) trug ein Ausweisdokument mit dem Namen Blair T.* auf sich. Sie wird seit Februar 2023 vermisst. Im Wagen fanden die Beamten zudem zwei illegale Handfeuerwaffen, einen gefälschten Polizeiausweis mit seinem Foto sowie Drogen im Wert von mehreren Tausend Dollar.
Diese Funde machte die Polizei
Die Spur führte die Ermittler schliesslich zu H.s Haus. Dort stiessen sie auf mehr als 600'000 Bilder, 70'000 Videos und über 10'000 Seiten mit Schriften, Manuskripten und Zeichnungen, wie Polizeichef Ryan Evers an einer Pressekonferenz bekanntgab. Zudem fanden sie eine weitere gefälschte Dienstmarke, eine illegale Waffe samt Waffenteilen, fünf Urnen mit mutmasslich menschlicher Asche und eine Marihuana-Plantage im Wert von mehreren Hunderttausend Dollar. Auch Hinweise auf den Fall des US-Serienkillers Ted Bundy sollen die Ermittler im Haus entdeckt haben.
Was es mit den Gegenständen und der gewaltigen Menge an Aufnahmen auf sich hat, ist bislang unklar. Besonders brisant: Auf einigen Dateien sind offenbar zwei leblose Frauen zu sehen. Die Ermittler vermuteten zunächst, dass es sich um Maribel F.* und Gabrielle A.* handeln könnte – beide Jahrgang 1990 und seit Jahren vermisst.
Die Polizei geht nach bisherigen Erkenntnissen davon aus, dass die Frauen in H.s Haus getötet wurden. Beweise für eine Beteiligung H.s an den mutmasslichen Tötungen liegen bislang nicht vor.
Hinzu kommt: Das Haus ist auch der letzte bekannte Aufenthaltsort von Amy M.*, die 2016 verschwand und mit H.s Vater verheiratet war.
Seit Juni in Haft
Der 44-jährige H. sitzt seit seiner Festnahme im Juni in Haft. Sein Anwalt wies die Vorwürfe zurück und ist von der Unschuld seines Klienten überzeugt.
Der Fall sorgt inzwischen in den US-Medien und sozialen Netzwerken für grosses Aufsehen. Zahlreiche Nutzer versuchen zu ergründen, was den Frauen zugestossen ist.
Die Familien der Frauen, die seit Februar 2018 beziehungsweise September 2012 vermisst werden, wurden am Mittwoch über die erschütternden Erkenntnisse informiert. «Ich habe noch nicht viele Informationen, es fühlt sich einfach noch nicht echt an», sagte Melissa F.*, die Schwester von Maribel F., gegenüber US-Medien. «Tief im Innern wusste ich immer, dass sie tot ist», fügte ihr Vater hinzu. «Sie hat mich jeden Tag angerufen. Sie hat mich wirklich jeden Tag angerufen, und eines Tages hat sie aufgehört, mich anzurufen», sagte er. «Und im Laufe der Jahre wurde mir klar, dass sie nicht mehr da war.» F. war 27-jährig, als sie verschwand.
Polizeichef über Fund schockiert
Für die Familien beginnt damit die quälende Ungewissheit von neuem – zwischen der Hoffnung auf eine Aufklärung und der Angst vor dem Schlimmsten.
Laut Evers handelt es sich um eine komplexe und langwierige Untersuchung. «Die gefundenen Materialien sind grafisch und dunkel», sagte er. Die Beamten hätten bislang erst fünf bis sieben Prozent der gesicherten digitalen Beweise untersucht. «Die Polizei arbeitet eng mit dem FBI und anderen Partnern zusammen, um den Fall aufzuklären.»
Wer Informationen über Eugene H., seinen Vater, das Haus oder die vermissten Frauen hat, wird gebeten, sich bei der Polizei zu melden.
* Namen bekannt