Darum gehts
Immerhin ein konkretes Ergebnis hat der zweitägige Supermachtgipfel zwischen Xi Jinping (73, China) und Donald Trump (80, USA) hervorgebracht: Die beiden chinesischen Riesenpandas Fu Shuang und Ping Ping ziehen bald von ihrer chinesischen Heimat in den Zoo von Atlanta.
So putzig Xis Mitbringsel bei seinem ersten US-Staatsbesuch in über zehn Jahren auch sind: Bei den heiklen Themen wie Taiwan und Iran haben sich die beiden mächtigsten Länder der Welt keinen Schritt angenähert. Xi Jinping reist aber nicht mit leeren Händen zurück ins Riesenreich. Sein Gastgeber Trump hat ihm ein Geschenk gemacht, das viel kostbarer ist als die beiden gefrässigen Pandas.
Für den Gipfel standen auf der Traktandenliste für die beiden älteren Herren nebst einem Wolfsbarsch-Znacht und der Besichtigung von Trumps neuem Heli-Landeplatz vor dem Weissen Haus (Xi mimte erfolgreich den Interessierten) diverse zentrale Themen, die nicht nur die USA und China angehen, sondern auch die Schweiz.
Bei KI sind sie sich einig – leider
- Iran-Krieg: Die Chinesen kaufen noch immer rund 80 Prozent des iranischen Öls und finanzieren das Mullah-Regime mit. Zudem hat Peking laut einer neuen Enthüllung des «Wall Street Journal» allein dieses Jahr 1300 Lieferungen mit Chips und Elektronik-Bauteilen für die iranische Kriegsindustrie in die Islamische Republik geflogen. Trumps Hoffnung, die Chinesen auf seine Seite zu kriegen und das Regime in Teheran unter Druck setzen zu können: geplatzt.
- Taiwan: Xi seinerseits hatte gehofft, die USA endlich dazu zu bringen, Taiwans Unabhängigkeit nicht nur nicht anzuerkennen, wie es seit jeher Usus ist, sondern sie aktiv abzulehnen. Ein vermeintlich feiner Unterschied. In der Welt der Diplomatie aber eine gigantische Verschiebung. Trump hält zwar noch immer Waffenlieferungen an Taipeh im Wert von 14 Milliarden zurück (als «Verhandlungsmasse»). Weiteren Druck auf Taiwan aber will er nicht ausüben.
- Handel: Die Chinesen exportieren deutlich mehr Waren in die USA als umgekehrt (33 Milliarden Handelsdefizit im laufenden Jahr). Im Mai versprach China zwar, 25 Millionen Tonnen US-Sojabohnen zu kaufen, für 17 Milliarden Dollar weitere Güter zu shoppen und die Export-Bremse bei den seltenen Erden aufzuheben. Abgesehen von den Sojabohnen aber haben die Chinesen bis jetzt nicht Wort gehalten. Immerhin: Am Rande des Meetings von Xi und Trump haben die beiden Delegationen beschlossen, den pausierten Strafzollkrieg um zwei weitere Monate (nun bis Mitte Januar 2027) zu pausieren.
- KI: Nach all den Warnungen über die vermeintlich tödlichen Folgen des unregulierten KI-Booms in den vergangenen Wochen hatten viele Beobachter gehofft, die beiden KI-Supermächte China und USA würden sich auf Regulierungen und Standards einigen. Das ist aber nicht passiert. China will sich nicht bremsen lassen. Genauso wenig wie Trump, der neuerdings von «Super-Intelligenz» statt von künstlicher Intelligenz spricht.
- Ukraine: Über den gemeinsamen Bekannten im Kreml und sein mörderisches Vorgehen im Nachbarland haben Xi und Trump, soweit aus den offiziellen Statements vernehmbar ist, gar nicht gesprochen.
Viel Luft und Pomp also. Und genau da liegt der Hund begraben: Denn Trump trat von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen und lieferte der chinesischen Staatspropaganda haufenweise Bildmaterial, das unterstreicht, wie sehr der US-Präsident seinem hohen Gast auf den Leim gekrochen ist.
Trumps grober Wahlkampfpatzer
Angefangen beim Empfang: Trump persönlich wartete nach dessen Ankunft vor Xis Flugzeug, um ihn zu begrüssen, während Xi bei Trumps Besuch in Peking im Mai bloss seinen Vize vorgeschickt hatte. Xis versteckte Botschaft: Ich bin wichtiger für dich als du für mich.
Dann war da der laute Überflug einer amerikanischen Bomberformation, die knapp über die Köpfe der beiden Machthaber hinwegdonnerte. Trump verzog sein Gesicht, duckte sich weg, schielte nach oben, während Xi stoisch dastand und keine Miene verzog. Trump, der Schwächling, neben dem starken Xi. Ein vernichtendes Bild. Und ein unbezahlbares Geschenk an den Gast aus Fernost, der sich zu Hause gerne als grosser Kontrolleur des gesamten Weltgeschehens inszeniert.
Doch Trump steht nach Xis Besuch nicht nur vor dem chinesischen Publikum dumm da, sondern sorgt selbst in seiner eigenen Partei für Stirnrunzeln. In gut einem Monat finden die US-Zwischenwahlen statt. Wichtigstes Thema für die Amis: die steigenden Lebenshaltungskosten. Hauptargument der Republikaner: Die sozialistischen Linken machen alles nur schlimmer. Wie Trumps luxuriöses Staatsdinner für den Anführer der Kommunistischen Partei Chinas in Washington da wahlkampftechnisch reinpasst? Auch diese Frage bleibt nach dem jüngsten US-China-Gipfel unbeantwortet.
Wie US-Präsident Donald Trump am Freitag auf Truth Social bekannt gab, wird er im November erneut nach China reisen. Bereits im Frühjahr hatte der Republikaner das Reich der Mitte mit einer grossen Delegation besucht. Zudem gab Trump an, er und Xi würden sich beim G20-Gipfel in Miami im Dezember weiter beraten. «Viel wurde und wird erreicht», schrieb Trump dazu. Er freue sich auf das nächste Treffen.
Wie US-Präsident Donald Trump am Freitag auf Truth Social bekannt gab, wird er im November erneut nach China reisen. Bereits im Frühjahr hatte der Republikaner das Reich der Mitte mit einer grossen Delegation besucht. Zudem gab Trump an, er und Xi würden sich beim G20-Gipfel in Miami im Dezember weiter beraten. «Viel wurde und wird erreicht», schrieb Trump dazu. Er freue sich auf das nächste Treffen.