Darum gehts
- Spanische Polizei deckt Betrugsnetzwerk an er Costa del Sol auf, drei Festnahmen
- Mutmassliche Betrüger fälschten Testamente und stahlen über 1 Million Euro
- 200'000 Euro in bar, Schmuck und Dokumente sichergestellt
Mega-Razzia, eine Million Euro und Betrüger, die das Leid anderer Menschen ausnutzen. Die spanische Polizei hat bei sieben Hausdurchsuchungen an der Costa del Sol gestohlene Gegenstände im Wert von insgesamt über einer Million Euro sichergestellt. Darunter 200'000 Euro in bar sowie Schmuck und Dokumente verstorbener, ausländischer Anwohner.
«Operation Donova», so der Name der Ermittlungen, deckte ein Netzwerk auf, das sich systematisch an Erbschaften und Eigentum von verstorbenen Ausländern bereichert haben soll. Die Polizei nahm drei Personen fest.
Testament gefälscht
Die Verdächtigen – darunter zwei Anwälte – werden des Betrugs, der Urkundenfälschung, der unrechtmässigen Aneignung und der Geldwäscherei beschuldigt.
Wie das Nachrichtenportal Sur unter Berufung auf die Polizei berichtet, begann alles mit einer Meldung des Betrugsermittlungsdienstes einer spanischen Bank. Vom Konto eines verstorbenen Briten wurde in ganz Spanien immer wieder Geld abgehoben. Die Ermittler stellten fest, dass eine Anwältin aus Nerja mit einer gefälschten Vollmacht Zugriff auf das Konto hatte.
Die Ermittler fanden zudem heraus, dass die Beschuldigten ein Testament gefälscht haben sollen, um an das Erbe einer verstorbenen Frau zu gelangen. Sie lebte zuvor alleine und war auf die Hilfe ihrer Nachbarn angewiesen. Um an ihr Erbe zu kommen, suggerierten die Anwälte eine Liebesbeziehung zwischen der Frau und dem verstorbenen Briten. In einem angeblich handgeschriebenen Testament setzte sie ihn als Erben ein. Da die Täter Zugriff auf das Konto des Mannes hatten, floss das Geld in ihre eigenen Taschen.
Sohn in der Schweiz
Schliesslich spürten die Ermittler den wahren Erben der Frau auf – einen Sohn in der Schweiz. Offenbar kontaktierten die Fake-Anwälte den Sohn zuvor und baten ihn, eine Vollmacht zu unterschreiben, damit sein Erbe abgewickelt werden könne. Der Sohn stimmte zu, erhielt aber nie das Geld. Deshalb erstattete er in der Schweiz Anzeige. In welchem Kanton ist nicht bekannt.
Die Guardia Civil prüft nun, ob es weitere Opfer der Bande gibt.
Immer wieder wird vor solchen Betrugsmaschen gewarnt – auch in der Schweiz. Das Bundesamt für Cybersicherheit (Bacs) warnt auf seiner Website explizit vor dem sogenannten Vorschussbetrug. Dabei erhalten Betroffene eine Nachricht, in der ihnen eine hohe Geldsumme versprochen wird.
Um das vermeintliche Erbe zu erhalten, sollen sie jedoch zunächst Gebühren, Steuern oder andere Kosten bezahlen. Tatsächlich existiert die Erbschaft nicht – die Täter wollen lediglich Geld und persönliche Daten erlangen. In dem Fall in Spanien musste der Mann zwar keine Summen bezahlen, jedoch gelangten die Anwälte durch eine von ihm bereitgestellte Unterschrift an ihre Beute.