Darum gehts
- Kerstin G. erfriert im Januar 2025 am Grossglockner auf 3800 Metern
- Ihr Freund ignorierte Notrufe und liess sie in eisiger Kälte zurück
- Gericht verurteilt ihn zu fünf Monaten Haft und 8500 Franken Busse
Es ist eine schreckliche Szene. Im Januar 2025 erfriert die 33-jährige Kerstin G. am Grossglockner, dem höchsten Berg Österreichs. Ihr lebloser Körper hängt auf fast 3800 Metern Höhe baumelnd an einem Seil. Ihr Freund Thomas P.* (37) hatte sie bei gefühlten Minus 20 Grad zurückgelassen.
Dafür wurde er am Donnerstag in Innsbruck zu fünf Monaten Haft und über 8500 Franken Bussgeld verurteilt. G. habe die Erfahrung gefehlt und der Verurteilte hätte mit seiner Freundin umkehren müssen, so die Begründung des Richters.
Dabei hätte der grausame Tod der 33-Jährigen vielleicht noch verhindert werden können. «Bild» beschreibt die Aussagen eines Polizeibeamten bei der Verhandlung von P. Laut diesem Zeugen hätten die Behörden schon Stunden vor dem Tod von G. versucht, mit dem Bergsteiger und seiner Freundin Kontakt aufzunehmen.
Freund ignorierte Anrufe und SMS
Das Pärchen brach am 18. Januar zur Gipfelbesteigung auf. Als die Sonne unterging, konnten die Bergretter die Stirnlampen des Paares am Grossglockner erkennen.
Die Rettungskräfte wollten daraufhin sicherstellen, dass bei den beiden alles in Ordnung ist. Die Polizei versuchte, P. zu kontaktieren, etwa per Telefon, SMS oder sogar per Whatsapp. Er soll nicht reagiert haben.
«Sie sagte, ihr gehe es gut»
Die Bergretter schickten schliesslich einen Helikopter auf den Grossglockner, der das Pärchen überflog. Die beiden drehten sich allerdings weg, als die Suchscheinwerfer auf sie gerichtet waren, schreibt die «Bild» weiter.
«Wir waren in keiner Notlage», sagt P. während seiner Verhandlung dazu. «Ich fragte Kerstin, ob sie den Helikopter alarmiert habe. Sie sagte: Nein, ihr gehe es gut.» Auch nach dem Überflug des Helikopters soll P. weitere Anrufe der alpinen Polizei ignoriert haben.
«Es ist alles in Ordnung»
Erst nach Mitternacht meldete sich der Freund schliesslich bei den Behörden. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Zustand seiner Partnerin bereits massiv verschlechtert. Trotzdem habe P. die Situation am Telefon heruntergespielt.
«Ich war irritiert», erzählte der zuständige Beamte im Prozess. «Ich fragte, warum er oder Frau G. gar nicht auf den Helikopter reagiert haben. Er sagte: ‹Wir brauchen hier oben keinen Helikopter, es ist alles in Ordnung.›» Weiter habe P. gesagt, dass es «hier oben passt».
Kurz nach 2 Uhr morgens hat P. seine Partnerin schliesslich kurz vor dem Gipfel zurückgelassen, um Hilfe zu holen. Die 33-Jährige sollte den Sonnenaufgang nicht mehr erleben.
*Name bekannt