«Rache am kriminellen Amerika für das Blut dieses geliebten Märtyrers»
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Nach dem Tod von Sicherheitschef Laridschani schwören die Mullahs Rache. In der Nacht auf Mittwoch gab es heftige Raketenangriffe auf Israel, mindestens zwei Personen starben, wie mein Kollege Gabriel Knupfer im Tickereintrag von 04.40 Uhr ausgeführt hat.
Am späten Dienstagabend bestätigten die Revolutionsgarden den Tod Laridschanis und versprachen, das Ereignis sei ein Anlass zu «nationalem Erwachen».
Die Revolutionsgarden fügten hinzu, dass das iranische Militär, gestützt auf die Unterstützung der Bevölkerung, «Rache für das unschuldige Blut dieses geliebten Märtyrers» an dem nehmen werde, was ein General als «das kriminelle Amerika und das barbarische zionistische Regime» bezeichnete.
Der iranische Armeechef Amir Hatami drohte am Mittwoch mit Vergeltungsmassnahmen für die Tötung des Sicherheitschefs.
«Die Reaktion des Iran auf die Ermordung des Sekretärs des Obersten Nationalen Sicherheitsrats wird entschlossen und bedauerlich sein», erklärte Hatami in einer Stellungnahme.
Warum Laridschani für das iranische Regime so wichtig war, kannst du in diesem Artikel meines Kollegen Daniel Macher lesen.
Iranischer Raketenangriff fordert zwei Tote in Israel
Von Gabriel Knupfer, Redaktor Nachtdienst
Der Iran beschiesst Israel weiter mit Drohnen und Raketen. Bei einem Angriff mit einer ballistischen Rakete in der Stadt Ramat Gan nahe Tel Aviv sind laut Angaben des israelischen Rettungsdienstes zwei Menschen ums Leben gekommen. Bei den Toten handelt es sich um ein Paar im Alter zwischen 70 und 80 Jahren.
Bei einer weiteren Raketenwelle wurden laut der israelischen Polizei mehrere Orte in Tel Aviv von herabfallenden Trümmern getroffen. Weitere Opfer habe es keine gegeben.
Wie das «Wall Street Journal» berichtete, bekommt der Iran für seine Angriffe offenbar mehr russische Unterstützung als bisher bekannt war. Neben Satellitendaten und Drohnentechnologie soll Moskau die Iraner auch taktisch beraten.
USA setzen Mega-Bomben gegen Stellungen an Strasse von Hormus ein
Von Gabriel Knupfer, Redaktor Nachtdienst
Der Kampf um die Strasse von Hormus wird zum Knackpunkt des Krieges. Nun versuchten die US-Streitkräfte, befestigte iranische Raketenstellungen nahe der Meerenge mit bunkerbrechenden Mega-Bomben zu zerstören.
Die 2,3 Tonnen schweren Tiefendurchdringungsgeschosse seien erfolgreich eingesetzt worden, teilte das US-Regionalkommando für den Nahen Osten auf der Plattform X mit. «Die iranischen Schiffsabwehr-Marschflugkörper stellten eine Gefahr für die internationale Schifffahrt dar.»
Laut dem Sender CNN handelte es sich bei der Bombe um die GBU-72 Advanced 5K Penetrator, die 2021 erstmals von Flugzeugen abgeworfen wurde. Sie wurde entwickelt, «um die Herausforderungen durch gehärtete, tief vergrabene Ziele zu bewältigen», hiess es damals in einer Mitteilung der Luftwaffe.
Ob die USA so wirklich den Weg für die Schifffahrt freibomben können, ist aber unklar. Kollege Guido Felder hat in seiner Analyse beschrieben, warum die Supermacht trotz ihrer militärischen Überlegenheit in der Strasse von Hormus dermassen Mühe hat.
US-Flugzeugträger muss nach Brand Hafen anlaufen
Von Gabriel Knupfer, Redaktor Nachtdienst
Flugzeugträger sind für den US-amerikanischen Krieg gegen den Iran von entscheidender Bedeutung. Nun fällt die «USS Gerald R. Ford» zumindest vorübergehend aus. Wegen eines Brandes an Bord muss das Schiff für Reparaturen einen sicheren Hafen anlaufen.
Wie die «New York Times» berichtete, wurden fast 200 Seeleute wegen Rauchvergiftungen behandelt. Ein Besatzungsmitglied sei ausgeflogen worden. Der Brand stand laut Militärangaben nicht im Zusammenhang mit den Kampfhandlungen im Nahen Osten.
Das Feuer war am vergangenen Donnerstag in der Wäscherei ausgebrochen. Gemäss dem Artikel verloren 600 Besatzungsmitglieder ihre Betten und müssen seither am Boden oder auf Tischen nächtigen.
Das Schiff soll nun die Souda-Bucht auf Kreta ansteuern. Mit 5000 Besatzungsmitgliedern und 75 Kampfflugzeugen ist die «USS Gerald R. Ford» eines der grössten Kriegsschiffe der Welt.
Iran bestätigt Tod von Sicherheitschef
Von Angela Rosser, Redaktorin am Newsdesk
Seit Dienstagmorgen hiess es, dass der hochkarätige Sicherheitschef der Mullahs, Ali Laridschani, bei einer Attacke Israels ums Leben kam. Nun bestätigte der Iran seinen Tod. Bei dem Angriff sollen auch sein Sohn Moreza und mehrere Leibwächter getötet worden sein.
Neben dem Tod des Sicherheitschefs, vermeldete der Iran auch den Tod des Kommandeurs der paramilitärischen Basidsch-Miliz. In einem Nachruf würdigten die Revolutionsgarden ihn und gratulierten «zum ehrenvollen Märtyrertod».
Trump ist wütend auf Nato-Verbündete
Von Marian Nadler, Redaktor am Newsdesk
Wer sich weigert, das zu tun, was Donald Trump (79) will, muss damit rechnen, dass der US-Präsident an die Decke geht. Genau das erleben die Nato-Verbündeten am Dienstag.
In einem wütenden Rundumschlag kritisierte der Republikaner die Nato-Mitgliedsstaaten, die sich weigern, an einer Militäroperation rund um die Strasse von Hormus teilzunehmen. Besonders Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (49) nahm Trump bei seiner Tirade ins Visier.
Weiter hinterfragt der US-Präsident die Mitgliedschaft der USA in dem Militärbündnis. Drei Punkte haben Länder wie Deutschland und Japan bisher dazu bewogen, Trump eine Absage zu erteilen. Welche das sind, liest du in diesem Artikel.
Direktor für Terrorismusbekämpfung gibt Rücktritt bekannt
Von Angela Rosser, Redaktorin am Newsdesk
Während US-Präsident Trump den Angriff auf den Iran als unumgänglich und notwendig erachtet, sehen das viele anders. Jüngst hat zum Beispiel der oberste Beamte der Trump-Regierung für Terrorismusbekämpfung, Joe Kent, seinen Dienst quittiert und den Präsidenten aufgefordert, «seinen Kurs zu ändern».
In dem von ihm auf X veröffentlichten Brief hält er fest, dass er diesen Krieg beim besten Willen nicht unterstützen könne. «Der Iran stellte keine unmittelbare Bedrohung für unser Land dar, und es ist offensichtlich, dass wir diesen Krieg aufgrund des Drucks Israels und seiner einflussreichen amerikanischen Lobby begonnen haben», schreibt er weiter.
Der Rücktritt von Kent war später im Oval Office Thema. Bei einer Pressekonferenz, bei der sich der US-Präsident über die Absagen der Nato-Mitgliedstaaten zu seinem Hilfegesuch ausliess, sprach er auch über den zurückgetretenen Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung.
Er halte Kent für einen «netten Kerl». Jedoch sei er in Sicherheitsfragen schwach. Da dieser seine Einschätzung der iranischen Bedrohung nicht teile, sei es «gut, dass er weg ist».
Worüber Donald Trump im Weissen Haus weiter gesprochen hat und welche Konsequenzen die USA nun ziehen könnten, liest du hier.
Die jüngsten Angriffe im Überblick
Von Daniel Macher, Redaktor am Newsdesk
Die Gewalt im Nahen Osten eskaliert auch am 19. Tag weiter. Israel und die USA führen seit Wochen massive Luftangriffe auf den Iran, während Teheran im Gegenzug Israel und verbündete Golfstaaten mit Raketen und Drohnen attackiert. Zivilisten stehen zwischen den Fronten, ganze Städte geraten unter Beschuss, und die Lage bleibt hochgradig angespannt. Ein Überblick über die neuesten Entwicklungen an den wichtigsten Kriegsschauplätzen:
Angriffe auf Iran und Hisbollah – Laut israelischer Luftwaffe wurden in Teheran Infrastrukturen des «Terrorregimes» getroffen, gleichzeitig flogen Angriffe auf Einrichtungen der vom Iran unterstützten Hisbollah in Beirut. Weitere Details wurden zunächst nicht veröffentlicht.
Iranische Gegenangriffe – In der Nacht griff der Iran erneut Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar und Saudi-Arabien an. Auch in Israel ertönten Raketenwarnsirenen, die kurz darauf wieder aufgehoben wurden. In Katar löste ein abgewehrter Raketenangriff einen Brand in einem Industriegebiet aus, Saudi-Arabien fing mehrere Drohnen ab, und im Irak wurden die US-Botschaft in Bagdad sowie ein Ölfeld und ein Hotel in Regierungsnähe angegriffen.
Bodeneinsatz im Libanon – Israel verstärkt seine Angriffe auf die Hisbollah. Nachdem zunächst nur Luftangriffe erfolgten, gibt es nun auch Bodenoperationen. Die Armee kündigte an, Bodentruppen im Süden des Libanon auszuweiten und weitere Reservisten zu mobilisieren. Mehr als 100'000 Reservisten sind derzeit im Einsatz. Aus dem Libanon wurden erneut Raketen auf den Norden Israels abgefeuert, unter anderem auf Kiriat Schmona und Naharija, bisher ohne Verletzte. Zivilisten wurden aufgefordert, sich nördlich des Saharani-Flusses in Sicherheit zu bringen.
Angriff auf Handelsschiffe – Vor der Küste des Emirats Fudschaira im Golf von Oman wurde ein Tanker von einem unbekannten Geschoss getroffen. Niemand wurde verletzt. Das Schiff lag rund 40 Kilometer vor der Küste, nahe der strategisch wichtigen Strasse von Hormus.
Israel tötet Iran-Sicherheitschef Ali Laridschani
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Die Schlinge zieht sich zu: Israel nimmt die mächtigsten Männer des Iran weiter ins Visier. Der hochkarätige Sicherheitschef der Mullahs, Ali Laridschani, wurde von den Israelis offenbar attackiert, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag berichtet.
Ob er getötet oder verletzt wurde, war zunächst unklar. Gegen 10.30 Uhr (Schweizer Zeit) bestätigte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz, dass Laridschani ums Leben gekommen sei. «Laridschani wurde über Nacht eliminiert und gesellte sich in den Tiefen der Hölle zum Anführer des Vernichtungsprogramms, Chamenei, und zu allen vernichteten Mitgliedern der Achse des Bösen.»
Der Iran hat sich noch nicht zum angeblichen Tod Laridschanis geäussert.
Der Sicherheitschef fiel in den vergangenen Tagen vor allem als Übergangs-Machthaber seit der Tötung von Ali Chamenei (†86) auf und trat mehrmals öffentlich mit Drohungen gegen die USA und auch direkt gegen Trump auf. So konterte er die Aussagen von US-Kriegsminister Hegseth, wonach sich die iranische Führung verstecken würde und erklärte an Trump gerichtet: «Wir werden erst nachgeben, wenn ihr diese Fehleinschätzung bereut.»
Israel tötete zudem den hohen iranischen Kommandanten Gholamreza Soleimani. Er ist der Chef der paramilitärischen Basidsch‑Miliz und fiel einem gezielten Schlag der israelischen Verteidigungsstreitkräfte zum Opfer, heisst es von Seiten der Armee.
Der Schritt wird von Israel als schwerer Schlag gegen die iranischen Befehlsketten und Machtstrukturen gewertet.
Die Basidsch-Truppen sind eine Freiwilligen-Einheit der iranischen Revolutionsgarde und Teil des bewaffneten Apparats des iranischen Regimes. Unter Soleimanis Führung setzten sie bei innenpolitischen Protesten im Iran Gewalt, Massenverhaftungen und Repression gegen Zivilisten ein. In diesem Artikel meines Kollegen Mattia Jutzeler erfährst du, wie die Basidsch-Truppen gezielt Zivilisten angegriffen haben.
Neue Infos zu Angriff auf Modschtaba Chamenei
Von Daniel Macher, Redaktor am Newsdesk
Es wirkt derzeit etwas kurios: Während die Angriffe der Koalition USA und Israel gegen den Iran weitergehen, richtete sich das Interesse zunehmend auf Ayatollah Modschtaba Chamenei. In den sozialen Medien überschlagen sich die Gerüchte zu seinem Verschwinden und seinem Zustand: von leichten bis schweren Verletzungen, einem angeblich verlorenen Bein bis hin zu Spekulationen über seine sexuelle Orientierung. Eine grosse Herausforderung für die Berichterstattung – auch für uns in der Redaktion. Mehr dazu im Text meines Kollegen Gabriel Knupfer.
Ein geleakter Audio-Mitschnitt, der der britischen Zeitung «The Telegraph» vorliegt, liefert nun neue Informationen: Modschtaba Chamenei war offenbar Ziel desselben Angriffs, bei dem sein Vater Ali Chamenei und weitere Führungskräfte getötet wurden. Kurz zuvor hatte er das Gebäude verlassen, um etwas im Garten «zu erledigen», als israelische Blue-Sparrow-Raketen am 28. Februar um 9.32 Uhr einschlugen.
Laut Mitschnitt wurde Modschtaba am Bein verletzt. Seine Frau und sein Sohn starben sofort. Auch sein Schwager wurde getötet. Seit dem Angriff fehlt von Modschtaba jede Spur; nur eine schriftliche Botschaft wurde im Staatsfernsehen verlesen. Dies befeuerte die Spekulationen zusätzlich.
Die Raketen trafen mehrere Orte innerhalb des Komplexes gleichzeitig, offenbar mit dem Ziel, die Chamenei-Familie auszuschalten. Auch Militärchef Mohammad Shirazi wurde gezielt attackiert, um die Nachfolgeplanung zu torpedieren. Insider berichten von massiver Zerstörung: Shirazis Körper wurde in Stücke gerissen, sein Schwager enthauptet.