Darum gehts
- Hepatitis-A-Ausbruch in Kampanien: 65 Infektionen bis März 2026 gemeldet
- Muscheln als mutmasslicher Auslöser: Virus breitet sich schnell aus
- 70 Personen stationär behandelt, Schweiz sieht keine erhöhte Gefahr
An den freien Tagen über Ostern zieht es viele Reisende in den Süden. Doch ausgerechnet jetzt warnen die Behörden in einer beliebten Ferienregion vor einem Hepatitis-A-Ausbruch. In der italienischen Region Kampanien, zu der etwa Neapel, die Amalfiküste und die Insel Capri gehören, breitet sich das Virus derzeit rasant aus.
Zwischen Januar 2026 und März 2026 wurden in dem betroffenen Gebiet 65 Infektionen gemeldet. Ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, zeigen Zahlen im Bulletin des Überwachungssystems Seieva, koordiniert vom Istituto Superiore di Sanità. Wie «Rai News» berichtet, befanden sich Ende März 70 Personen in stationärer Behandlung.
Muscheln im Verdacht
Touristinnen und Touristen sind besorgt. Und auch in der Schweiz stellt sich die Frage: Droht durch den Virus-Ausbruch im Nachbarland auch bei uns Gefahr?
Als mutmasslicher Auslöser steht der Verzehr von Meeresfrüchten im Verdacht. Höchstwahrscheinlich waren zunächst Muscheln mit dem Virus infiziert. Von Kampanien aus hat sich das Virus schliesslich in verschiedene italienische Regionen ausgebreitet, darunter auch Rom. In Neapel wurde nun angeordnet, dass Gastronomiebetriebe keine rohen Meeresfrüchte mehr servieren dürfen.
Wie wird das Virus übertragen?
Hepatitis A gilt als die häufigste Form der Virus-Hepatitis. Die Viren vermehren sich in der Leber und werden über den Darm ausgeschieden. Gelangen die Viren ins Wasser, können Muscheln die Erreger in ihrem Gewebe aufnehmen. Neben dem Verzehr kontaminierter Lebensmittel kann das Virus auch laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) über Schmierinfektionen oder bei Sexualkontakten übertragen werden.
Wie gross ist die Gefahr bei uns?
Dominique Laurent Braun, Facharzt für Infektiologie an der Hirslanden Klinik in Zürich, sagt dazu: «Meines Wissens ist die Gefahr sehr gering, da Hepatitis A in der Schweiz nicht endemisch vorkommt und Risikopersonen (Männer, die Sex mit Männern haben, Kanalisationsarbeiter und Laborpersonal) in der Regel geimpft sind.» Als endemisch werden Krankheiten bezeichnet, die dauerhaft gehäuft in einer begrenzten Region oder einer Population vorkommen. Auch seien ihm keine solchen Fälle innerhalb der letzten Monate bekannt.
Auch Simon Ming, Mediensprecher beim BAG teilt mit: «Wir haben hierzulande nicht mehr Fälle als erwartet beobachtet». «Die Lage in der Schweiz ist aus Sicht der epidemiologischen Beurteilung nicht besorgniserregend.» Zu Risiken bei Auslandsaufenthalten will sich das BAG nicht äussern und macht auch keine Reiseempfehlungen.
Wie äussert sich eine Infektion?
«In der Regel verläuft die Hepatitis A bei 70 Prozent der Erwachsenen symptomatisch mit Oberbauchschmerzen, Gelbsucht, Abgeschlagenheit und Gelenkschmerzen», sagt Braun. Nur sehr selten, bei etwa einem Prozent, komme es zu einer schweren Leberentzündung und noch seltener zu Leberversagen. «Die Erkrankung verläuft immer akut, nie chronisch».
Wie wird Hepatitis A behandelt?
«Eine spezifische Behandlung existiert nicht. Die Leberfunktion und die Leberwerte im Blut werden überwacht und Faktoren, die die Leber weiter schädigen könnten (Alkohol, Schmerzmittel etc.), werden vermieden», sagt Braun. Bei erhöhtem Risiko sei eine präventive Impfung wichtig, beispielsweise für medizinisches Personal, Küchen- und Reinigungskräfte in Kindertagesstätten/ Kinderheimen, Männer, die Sex mit Männern haben, sowie Personen mit chronischen Leberleiden, ergänzt er.
Wo ist das Virus verbreitet?
Das Hepatitis-A-Virus ist weltweit verbreitet. Am häufigsten kommt es jedoch in Gegenden mit schlechten hygienischen Bedingungen vor, heisst es auf der Webseite des BAG. In der Schweiz treten jährlich bis 100 Fälle von Hepatitis A auf, die hauptsächlich nach einer Reise in ein Risikogebiet auftreten.
Wie können Reisende sich schützen?
Vorbeugen lässt sich die Hepatitis-A-Infektion mit einer Impfung. Das BAG empfiehlt die Impfung für Reisende vor einer Reise in ein Risikogebiet. Damit sind Gebiet mit mittlerem oder hohem Hepatitis-A-Vorkommen in der Bevölkerung gemeint. Beim Universitätsspital Zürich werden Mittel- und Südamerika, Afrika, Südostasien, Naher Osten, Russland und Mittelmeerraum gelistet.
Worauf sollte ich vor Ort achten?
In Risikogebieten gilt: Die grundlegenden Hygieneregeln sind das A und O, um eine Ansteckung zu vermeiden. Hände sollten vor allem nach dem Toilettengang, vor der Zubereitung von Nahrungsmitteln und vor dem Essen gewaschen werden, empfiehlt das BAG.
In Risikogebieten sollte man nicht abgekochtes Wasser zudem vermeiden. Speisen und Muscheln sollten nur ausreichend erhitzt gegessen werden und Früchte sollte man besser selber schälen. Bei Sexualkontakten gelten Safer-Sex-Massnahmen wie etwa das Verwenden von Kondomen, Lecktüchern und regelmässige Tests auf sexuell übertragbare Krankheiten.