Nach Anti-Korruptions-Razzia und Rücktritt
Selenskis Ex-Stabschef will an die Front

Andrij Jermak will nach seinem erzwungenen Rücktritt an die Front. Für den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski ist der Abgang seines Stabschefs ein schwerer Rückschlag. Doch Jermak ist nicht der einzige Verbündete, der im Korruptionssumpf versank.
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Galt als der zweitmächtigste Mann der Ukraine: Andrij Jermak.
Foto: AFP

Darum gehts

  • Korruptionsskandal erschüttert ukrainische Regierung seit Wochen
  • Stabschef Andrij Jermak muss nach Razzia in seinem Haus zurücktreten
  • Jetzt will er offenbar in den Krieg ziehen: «Ich gehe an die Front»
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Georg NopperRedaktor News

Der ehemalige Stabschef des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski (47), Andrij Jermak (54), will offenbar in den Krieg ziehen. Dies jedenfalls sagte er nur wenige Stunden nach seinem Rücktritt. «Ich gehe an die Front und bin auf alle Repressalien vorbereitet», schreibt Jermak in einer Textnachricht an eine Journalistin der «New York Post».

Jermak leitete das Präsidentenbüro seit Februar 2020 und galt als der zweitmächtigste Mann in der Ukraine. Eine Razzia des Antikorruptionsbüros Nabu und der Antikorruptionsstaatsanwaltschaft führte am Freitag zu seinem erzwungenen Rücktritt.

«Bin ein ehrlicher Mensch»

Trotz des Rücktritts schreibt Jermak: «Ich bin ein ehrlicher und anständiger Mensch.» Er habe der Ukraine gedient und sei am 24. Februar 2022 in Kiew gewesen, so der 54-Jährige in Anspielung auf den Tag, an dem Russland in die Ukraine einmarschierte.

Details über seine Pläne gibt Jermak keine bekannt. Es ist unklar, ob er sich den ukrainischen Streitkräften offiziell anschliessen will und wann er an die Front reisen wird.

Jermak war bisher die zentrale Figur bei den laufenden Verhandlungen mit den US-Amerikanern um ein Ende des Krieges. Er führte das ukrainische Verhandlungsteam an. Wer neuer Stabschef von Selenski wird, ist derzeit unklar. Für Selenski ist der Rücktritt ein harter Rückschlag.

Selenski-Vertrauter floh aus dem Land

Der Korruptionsskandal in der ukrainischen Regierung zieht immer weitere Kreise: Zuletzt wurde auch Ex-Verteidigungsminister Rustem Umjerow von Korruptionsfahndern vorgeladen. Die ukrainischen Antikorruptionsbehörden hatten vor etwas mehr als zwei Wochen mitgeschnittene Gespräche zu Schmiergeldzahlungen im Energiesektor veröffentlicht. Es gab daraufhin mehrere Festnahmen.

Energieministerin Switlana Hryntschuk und Justizminister Herman Haluschtschenko wurden im Zusammenhang mit den Anti-Korruptionsermittlungen entlassen. Der Hauptverdächtige und Vertraute von Präsident Selenski, Tymur Minditsch, floh aus dem Land. Er ist zur Fahndung ausgeschrieben.

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