Darum gehts
- Seit Samstagmorgen sind 30'000 Haushalte in Berlin ohne Stromversorgung
- Ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke verursachte massive Kurzschlüsse
- 45'000 Haushalte und 2200 Unternehmen waren zunächst betroffen
In der Nacht fallen die Temperaturen auf minus 8 Grad, in vielen Wohnungen bleibt es eisig: Heizungen sind kalt, das Licht aus. Kerzen flackern in Fenstern, Stirn- und Taschenlampen ersetzen Deckenlampen, Handys werden nur noch sparsam genutzt. Seit Tagen leben Zehntausende Menschen im Ausnahmezustand – mitten in der deutschen Hauptstadt Berlin.
Seit Samstagmorgen sind grosse Teile des Südwesten Berlins ohne Strom. Auslöser war ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Teltowkanal im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Dabei wurden mehrere Starkstromleitungen zerstört, was zu massiven Kurzschlüssen im Netz führte. In der Spitze waren rund 45'000 Haushalte sowie etwa 2200 Unternehmen betroffen. Vier Tage nach dem Anschlag sind weiterhin rund 25'500 Haushalte ohne Strom – bei winterlichen Minustemperaturen.
Besonders betroffen ist der Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Neben Zehntausenden Haushalten waren zeitweise auch Schulen, Firmen, Pflegeeinrichtungen und Spitäler ohne Strom. Von 74 betroffenen Pflegeeinrichtungen seien 72 wieder mit Strom versorgt. Rund 20 Schulen blieben zunächst geschlossen, für viele wurde eine Notbetreuung organisiert. Auch Prominente wie Sängerin Sarah Connor (45) meldeten sich aus ihrer dunklen Wohnung in Berlin. Auch sie suchte später Zuflucht in einem Hotel und äusserte ihre Zweifel am Sicherheitskonzept der Stadt: «Also ich sag mal, wir sind echt ein ganz schön verwundbares Plätzchen hier in Berlin.»
Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich um einen politisch motivierten Brandanschlag aus dem linksextremistischen Milieu, den Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (53) als Terrorismus einstuft. Zu der Tat bekannte sich die bislang kaum bekannte «Vulkangruppe». In einem Schreiben mit dem Titel «Den Herrschenden den Saft abdrehen» rechtfertigt sie den Anschlag ideologisch und kritisiert den Energieverbrauch als Ausbeutung der Erde. Landeskriminalamt, Verfassungsschutz und Generalstaatsanwaltschaft ermitteln, auch der Bund ist eingebunden.
Der Netzbetreiber Stromnetz Berlin arbeitet rund um die Uhr in mehreren Schichten an der Reparatur. An zwei zentralen Orten – einer Baugrube am Umspannwerk Argentinische Allee in Zehlendorf sowie an der beschädigten Kabelbrücke in Lichterfelde – werden provisorische Leitungen gelegt. In eisiger Kälte verbinden Experten neue Kabel in einer Art Bypass. Zelte, Heizstrahler und Generatoren kommen zum Einsatz, da die Arbeiten nur bei Plusgraden möglich sind. Parallel hat der Berliner Senat einen Krisenstab eingerichtet. Feuerwehr, Hilfsorganisationen, Polizei und Bundeswehr unterstützen mit Notunterkünften, Logistik, Notstromaggregaten und erhöhter Präsenz.
Die Tiefbauarbeiten an den beiden zentralen Baustellen – der beschädigten Kabelbrücke am Teltowkanal und einer provisorischen Lösung für die Haushalte – sind abgeschlossen, seit Montag laufen die elektrischen Arbeiten. Stromnetz Berlin geht davon aus, dass bis Donnerstagnachmittag alle Betroffenen wieder versorgt sein werden. Damit liegen die Arbeiten im Zeitplan und die Techniker arbeiten weiterhin rund um die Uhr, um die Stromversorgung schnellstmöglich vollständig wiederherzustellen.