«Kriegszustand» – üble Silvester-Krawalle in mehreren deutschen Städten
Chaoten beschiessen Polizisten mit Raketen

Raketenangriffe und Beleidigungen statt Feierlaune: Deutschland kämpft erneut mit Silvester-Randalen. In München, Hamburg und Berlin werden Uniformierte und Passanten mit Knallkörpern attackiert. Die Polizei fordert schärfere Gesetze gegen die zunehmende Gewalt.
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Polizisten vor der Kölner Domtreppe: Allein in Nordrhein-Westfalen sind für Silvester 7600 Polizisten mehr im Einsatz als im Vorjahr.
Foto: IMAGO/Panama Pictures
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Alljährliche Silvester-Randale: Deutschland befindet sich am Jahreswechsel wieder im «Kriegszustand», wie der Gewerkschaftschef der deutschen Bundespolizei sagt. «Stellenweise hatte man an gewissen Punkten unserer Grossstädte den Eindruck, wir befinden uns im ‹Kriegszustand›», sagte Andreas Rosskopf der «Bild».

Auch dieses Jahr wieder. In München schoss eine rund 30-köpfige Gruppe nahe des Hauptbahnhofs gezielt Raketen auf Polizeifahrzeuge, wie die Zeitung berichtet. Mehrere Beteiligte wurden festgenommen und Pyrotechnik sichergestellt. Nach rund 15 weiteren Personen wird gefahndet.

Angriffe und Beleidigungen

In Hamburg warfen Männer Böller auf Passanten. Verdächtige wurden festgenommen. In einer Hochhaussiedlung werden immer wieder illegale Kugelbomben gezündet, die Polizei ist mit starken Kräften im Einsatz.

Auch in Berlin griffen mehrere Männer an einer Kontrollstelle am Alexanderplatz Polizisten mit Raketen an. Manche Menschen würden Raketen waagerecht durch die Gegend schiessen und Böller auf andere werfen, sagte Polizeisprecher Florian Nath. Mehrere Personen kamen in Gewahrsam. Einige Polizisten seien leicht verletzt worden. Meistens seien es Knalltraumata von Böllern, die nahe dem Kopf explodiert seien.

In einem Stadtteil zündete eine türkische Grossfamilie vor einer Kirche Feuerwerk, wie «Die Welt» berichtet. Ein Mann warf einen Böller in Richtung eines vorbeifahrenden Polizeiautos. Danach kam es zu einer Auseinandersetzung mit der Polizei. Sechs Männer wurden auf dem Boden fixiert und festgenommen. Pfefferspray kam zum Einsatz. Kinder und ältere Frauen wurden weggeführt. Die Beamten wurden mehrfach als «Hurensöhne» beschimpft. Kurz darauf schoss aus einem angrenzenden Wohnhaus eine Salve in die Luft – vermutlich mit einer Schreckschusswaffe. Schon vor Mitternacht hatte die Berliner Polizei mehr als 100 Menschen wegen Missbrauchs von Feuerwerk vorläufig festgenommen.

Pyro-Verbotszonen bewähren sich

Ruhig sei es in den Pyro-Verbotsbereiche, darunter am Alexanderplatz. Diese komplett abgesperrten Bereiche – auch in Schöneberg, Neukölln und Kreuzberg – würden sich bewähren.

Ruhig blieb es dieses Jahr zunächst auch bezüglich Übergriffen auf Frauen. Heute jähren sich die sexuellen Übergriffe der Kölner Silvesternacht 2015, die als Wendepunkt der Flüchtlingsdebatte gilt, zum 10. Mal.

Gefährliche Silvester-Einsätze

Gewerkschaftler Rosskopf: Die Politik schaue seit Jahren tatenlos zu. Es habe keine Verschärfung der Gesetze gegeben. Die Verurteilung der Täter dauere zu lange.

Statt frohe Neujahrswünsche, deutet er an, gehören jetzt Krawall auf den Strassen und Angriffe mit Feuerwerkskörpern auf Polizeibeamte und Rettungskräfte zu Silvester. Jeder Silvester-Einsatz berge für die Uniformierten inzwischen die Gefahr, verletzt zu werden.

Böller tötet Mann in Rom

Bei der Explosion eines Böllers ist am Silvesternachmittag in einem Randbezirk von Rom ein Mann ums Leben gekommen. Nach Angaben der Rettungskräfte erlitt der Mann schwerste Verletzungen an Gesicht, Oberkörper und einer Hand, die regelrecht weggesprengt wurde. Der Mann verlor demnach viel Blut und starb noch vor Ort. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos.

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