Alljährliche Silvester-Randale: Deutschland befindet sich am Jahreswechsel wieder im «Kriegszustand», wie Andreas Rosskopf der deutschen «Bild» sagt. «Stellenweise hatte man an gewissen Punkten unserer Grossstädte den Eindruck, wir befinden uns im ‹Kriegszustand›», so der Chef der Gewerkschaft der Polizei.
Auch dieses Jahr wieder. In München schoss eine rund 30-köpfige Gruppe nahe dem Hauptbahnhof gezielt Raketen auf Polizeifahrzeuge, wie die Zeitung berichtet. Mehrere Beteiligte wurden festgenommen, Pyrotechnik sichergestellt. Nach rund 15 weiteren Personen wird gefahndet.
Tote, Angriffe und Beleidigungen
In Bielefeld kamen zwei 18-Jährige durch selbstgebaute Böller ums Leben, in Essen setzten Randalierer Barrikaden in Brand. In Hamburg warfen Männer Böller auf Passanten. Ein Böllerwurf verletzte auch eine Polizistin. Einsatzkräfte mussten sich vor Angriffen mit Feuerwerkskörpern zurückziehen. In einer Hochhaussiedlung wurden illegale Kugelbomben gezündet. Die Polizei stand mit starken Kräften im Einsatz. Es gab zahlreiche Festnahmen.
Auch in Berlin griffen mehrere Männer an einer Kontrollstelle Polizisten mit Raketen an. Manche Menschen würden Raketen waagerecht durch die Gegend schiessen und Böller auf andere werfen, erklärte Polizeisprecher Florian Nath. Einige Polizisten erlitten leichte Verletzungen. Meistens seien es Knalltraumata von Böllern, die nahe dem Kopf explodiert seien, so Nath.
In mehreren Berliner Stadtteilen kam es in der Silvesternacht zu weiteren Angriffen auf Einsatzkräfte. Polizisten und Sanitäter wurden mit Feuerwerksraketen und Böllern beschossen und beworfen. In Berlin-Spandau verletzte eine Kugelbombe laut «Bild» mehrere Menschen.
Hunderte Verhaftungen
In einem anderen Berliner Stadtteil zündete eine türkische Grossfamilie vor einer Kirche Feuerwerk, wie «Die Welt» berichtet. Ein Mann warf einen Böller in Richtung eines vorbeifahrenden Polizeiautos. Danach kam es zu einer Auseinandersetzung mit der Polizei. Sechs Männer wurden auf dem Boden fixiert und festgenommen. Pfefferspray kam zum Einsatz. Kinder und ältere Frauen wurden weggeführt. Die Beamten wurden mehrfach als «Hurensöhne» beschimpft. Kurz darauf schoss aus einem angrenzenden Wohnhaus eine Salve in die Luft – vermutlich mit einer Schreckschusswaffe. Schon vor Mitternacht hatte die Berliner Polizei mehr als 100 Menschen wegen Missbrauchs von Feuerwerk vorläufig festgenommen.
Bis am Neujahrsmorgen stieg die Zahl der kurzzeitigen Verhaftungen in Berlin auf rund 400, erklärte die Polizei in der Bundeshauptstadt. Mindestens 24 Einsatzkräfte wurden verletzt. Ein Grossaufgebot von 4300 Beamtinnen und Beamten stand im Einsatz. Grosse Mengen illegaler Pyrotechnik wurden sichergestellt, darunter Kugelbomben.
Ruhig sei es die ganze Nacht über in den Pyro-Verbotsbereichen gewesen, darunter am zentralen Alexanderplatz. Diese komplett abgesperrten Zonen – auch in den Stadtteilen Schöneberg, Neukölln und Kreuzberg – würden sich bewähren.
Gefährliche Silvester-Einsätze
Polizei-Gewerkschafter Rosskopf: Die Politik schaue seit Jahren tatenlos zu. Es habe keine Verschärfung der Gesetze gegeben. Die Verurteilung der Täter dauere zu lange. Statt frohe Neujahrswünsche, deutet er an, gehören jetzt Krawall auf den Strassen und Angriffe mit Feuerwerkskörpern auf Polizeibeamte und Rettungskräfte zu Silvester. Jeder Silvester-Einsatz berge für die Uniformierten inzwischen die Gefahr, verletzt zu werden.
Ruhig blieb es dieses Jahr bezüglich Übergriffen auf Frauen. Die sexuellen Übergriffe der Kölner Silvesternacht 2015, die als Wendepunkt der Flüchtlingsdebatte gelten, jährten sich zum 10. Mal.
Jungpolitikerin sorgt für Zündstoff
Die Berichte zu Gewalt und Verletzungen nutzte Jette Nietzard (26), die frühere Co-Vorsitzende der deutschen Grünen Jugend, zu einem Post, der für Diskussionen sorgte. «Männer, die ihre Hand beim Böllern verlieren, müssen zumindest keinen Wehrdienst leisten», schrieb sie auf X.
Damit spielte die Jungpolitikerin auf einen ähnlichen Beitrag vor einem Jahr an, mit dem sie eine Kontroverse auslöste: «Männer, die ihre Hand beim Böllern verlieren, können zumindest keine Frauen mehr schlagen.»