Darum gehts
- Bericht: Putin nutzte Alaska-Gipfel als Verzögerungstaktik für geplante Herbstoffensive in der Ukraine
- Trotz Gipfel intensiviert Russland Angriffe auf Kiew mit hohen zivilen Opferzahlen
- Sommeroffensive enttäuschend für Moskau, keine grösseren Geländegewinne erzielt
Der russische Präsident Wladimir Putin (72) habe den Alaska-Gipfel bewusst als taktische Verzögerungsmassnahme genutzt, um gezielt von der Vorbereitung einer Offensive im Herbst abzulenken. Das legt das Institute for the Study of War (ISW) nahe. Putin habe mit dem Treffen auf Einladung von US-Präsident Donald Trump (79) die Gelegenheit erhalten, «Zeit und Raum» für einen Vormarsch in der Ukraine im Oktober oder November zu schaffen.
Diese Einschätzung teilen offenbar auch deutsche Stellen. Laut einem Bericht von Reuters informierte die ukrainische Seite deutsche Behörden bereits am 13. August über den Verdacht. Putin setzte auf den Alaska-Gipfel, um für eine mögliche Offensive im Herbst Zeit zu gewinnen. Putin schmeichelte Trumps Ego, der US-Präsident wurde hingehalten – klassische Putin-Strategie.
Schon vor, während und nach dem Gipfel intensivierte Russland offensiv-taktische Operationen. In den vergangenen Tagen erfolgten massive Angriffe auf Kiew mit hohen zivilen Opferzahlen.
Sommer ohne Durchbrüche
Die Sommeroffensive verlief durchzogen für Moskau: Es gelang nicht, grössere Geländegewinne zu erzielen. Vielmehr setzten russische Einheiten auf kleine, mobile Spezialtrupps, die punktuell in ukrainische Verteidigungslinien eindrangen. Dauerhafte Vorstösse scheiterten.
Für diesen Herbst erwarten Militärbeobachter, dass Russland seine Taktik verfeinert und stärkt. Moskau strebe punktuelle Durchbrüche an, so das ISW, unterstützt durch Drohnen, Artillerie und Angriffe entlang ukrainischer Nachschublinien.
Kriegsintensiver Herbst befürchtet
Im Herbst, so die Analyse, dürften diese Infiltrationen an Intensität gewinnen – begleitet von systematischen Luft-, Drohnen- und Artillerieangriffen, um die ukrainische Verteidigung zu schwächen und gezielte Geländegewinne zu ermöglichen.
Die Logistikketten könnten ins Visier geraten, während Russland gleichzeitig mit Blick auf den kommenden Winter Zeit für Rekonstruktion und Vorbereitung gewinnen will.
«Trump wird keine Wahl haben»
Ein Ende des Kriegs scheint in weiter Ferne. Auch das nach Alaska von Trump angekündigte Treffen zwischen Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski (47) werde kaum stattfinden, wie der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (69) sagte.
Kurt Volker, ein ehemaliger US-Nato-Botschafter und Trumps Ukraine-Gesandter von 2017 bis 2019, sagte zu Reuters, dass der US-Präsident letztlich den Druck auf Putin erhöhen werde – mittels schärferer Wirtschaftssanktionen und verstärkter militärischer Unterstützung für die Ukraine.
«Trump», so Volker, «wird wirklich keine andere Wahl haben.»