Darum gehts
- Rennpferd Smart Latch wurde nach Verletzung illegal geschlachtet statt vermittelt
- Mikrochip im Fleisch deckte Skandal in türkischer Suppenküche auf
- Seit 4. Februar 2026 verlangt Mersin Laboranalysen für Fleischlieferungen
Wenn sich Rennpferde verletzten und im Sport nicht mehr eingesetzt werden können, kommen sie meistens auf einen Gnaden- oder Reiterhof. Dort dürfen sie in Ruhe weiterleben. So hätte es eigentlich auch Smart Latch ergehen sollen.
Die vierjährige Vollblutstute verletzte sich bei einem Rennen am Bein. Die Karriere des Tiers war somit beendet. Der Besitzer, Suat Topcu beschloss, das Tier kostenlos an einen Verein abzugeben, wo Kinder reiten lernen, wie «Turkiyetoday» schreibt.
Schlacht- statt Reiterhof
Ein Pferdetransporter sollte das Tier zu seinem neuen Zuhause bringen. Erreicht hat das Ross sein Ziel nie. Wo die Stute stattdessen gelandet ist, schockiert die gesamte Pferdesportgemeinde. Sie wurde illegal geschlachtet und ihr Fleisch als Rindfleisch deklariert in den Handel gebracht. Dieses gelangte schliesslich über einen Lieferanten in die städtische Suppenküche von Mersin.
Aufgeflogen ist der Fleisch-Bschiss wegen eines Mikrochips. Ein Gast der Suppenküche fand diesen in seinem Essen. Nach einer DNA-Analyse kam heraus, dass es sich um Fleisch eines Einhuftiers handelte.
Chips zur Dokumentation von Gesundheit und Erfolgen
Die Generaldirektion für Lebensmittel konnte feststellen, dass es sich um einen Chip der Pferderennbahn handelt. Alle Rennpferde in der Türkei tragen diese Chips, um ihre Gesundheit und Renngeschichte zu dokumentieren.
Die Stadtverwaltung verteidigte ihre Einkaufspraxis, die durch öffentliche Ausschreibungen und veterinärmedizinische Aufsicht geregelt sei. Seit dem 4. Februar 2026 fordern sie zusätzliche Laboranalysen für jede Fleischlieferung. Die Bevölkerung von Mersin ist entsetzt, und die Behörden ermitteln nun gegen die Täter, die das Pferd umgeleitet und das Fleisch falsch deklariert haben.
Pferdefleisch-Skandal erreichte auch die Schweiz
Die Geschichte erinnert entfernt an den Pferdefleisch-Skandal aus dem Jahr 2013. In mehreren Fertigprodukten, die als Rindfleisch deklariert waren, wurde Pferdefleisch nachgewiesen. Unter anderem auch in der «Lasagne verdi alla bolognese» von Coop.
Aufgeflogen ist der Schwindel durch Kontrollen in Europa woraufhin auch hierzulande Produkte überprüft und teilweise aus dem Verkauf genommen wurden.
Strengere Kontrollen und mehr Aufmerksamkeit
Die Ursache war ein Betrug in der internationalen Lieferkette. Fleisch aus Osteuropa gelangte über Zwischenhändler in Verarbeitungsbetriebe und wurde dort als Rindfleisch umdeklariert, weil Pferdefleisch deutlich billiger ist.
In der Schweiz reagierten Behörden und Detailhändler rasch. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) ordnete zusätzliche Kontrollen an, während Händler wie Coop und Migros betroffene Produkte vorsorglich zurückzogen. Gesundheitsrisiken wurden zwar als gering eingeschätzt, der Skandal führte jedoch auch hier zu strengeren Kontrollen und mehr Aufmerksamkeit für die Herkunft von Fleisch in Fertigprodukten.