Darum gehts
Der nächste Verrat an einem engen Verbündeten: US-Präsident Donald Trump (80) lässt Südkorea eiskalt hängen. Kurz vor Beginn des gemeinsamen Grossmanövers «Ulchi Freedom Shield» stutzte er den Einsatz des amerikanischen Militärs zusammen.
Das ist eine schallende Ohrfeige für Seoul. Denn damit straft Trump nicht nur einen jahrzehntelangen Partner ab, er verhilft gleichzeitig dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un (42) zu einem massiven politischen Erfolgserlebnis. Wir erklären, warum das heikel ist.
Eigentlich hätte Trump die elf Tage dauernde Übung mit 18'000 südkoreanischen Soldaten und Teilen des dauerhaft stationierten, knapp 30'000 Mann starken US-Kontingents in Südkorea am liebsten komplett abgesagt. Doch dazu war es wenige Stunden vor dem Start am Montag schlicht zu spät. Im Fokus der diesjährigen Übung stehen die Abwehr hochmoderner Bedrohungen wie Drohnenangriffen und Cyberattacken sowie der Umgang mit GPS-Störsendern.
Die offizielle Begründung aus Washington für Trumps Eklat ist doppelt brisant: Neben der Bestrafung für Seouls verweigerte Gefolgschaft im Iran verweist Trump auf seine angeblich «sehr guten Beziehungen» zum Machthaber in Pjöngjang. Der US-Präsident bezeichnete die gemeinsamen Manöver zynisch als ein «völlig unangemessenes und feindseliges Signal an ein Land, das sich – solange Donald J. Trump Präsident ist – stets respektvoll und nicht bedrohlich verhalten hat».
So provoziert Kim
Es ist schlichtweg absurd, was Trump da von sich gibt. Denn Kim ist ein Dauer-Provokateur:
Raketen-Terror: Pjöngjang droht der Region ununterbrochen. Erst vor wenigen Tagen feuerte das Regime wieder Testraketen ins Meer ab. Oft werden sie provokativ in Richtung Japan geschossen.
Nukleare Drohkulisse: Bereits im Mai verkündete Kim eine neue Doktrin: Jeder Angriff auf sein Regime löse automatisch einen sofortigen nuklearen Vergeltungsschlag aus.
Putins Kriegshelfer: Trump scheint völlig zu ignorieren, dass Kim dem russischen Machthaber Wladimir Putin (73) im Ukraine-Krieg massiv unter die Arme greift. Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski (48) schickt Pjöngjang derzeit bis zu 50'000 weitere Soldaten an die Front, um die russische Invasion zu stützen.
Nachdem Trump die Beziehungen zu Europa bereits schwer strapaziert hat – vor allem, als Länder wie Spanien die Nutzung ihrer Luftwaffenbasen für den Iran-Krieg verweigerten –, beschädigt er nun ohne Not die nächste Schlüsselallianz im asiatisch-pazifischen Raum. Neben dem Racheakt an Seoul und dem Freundschaftsdienst für Kim hat Geopolitik-Experte Klemens H. Fischer von der Universität Köln (D) noch ein innenpolitisches Motiv ausgemacht: Trump versucht, vor den anstehenden Zwischenwahlen krampfhaft zu beweisen, dass er die US-Militärausgaben im Ausland drastisch kürzt.
«Dieses Signal ist fatal»
«Obwohl Nordkorea erst vor wenigen Tagen Raketentests durchgeführt hat, verhilft ihm Trump zu einem politischen Erfolgserlebnis», warnt Fischer gegenüber Blick. «Für Südkorea ist das ein riesiges Problem.»
Zwar haben die USA nach wie vor ein strategisches Interesse daran, im koreanischen Raum präsent zu bleiben. Doch der Vertrauensverlust wiegt schwer. Fischer stellt klar: «Wenn die Zusammenarbeit reduziert wird, verlieren die Bündnispartner die gegenseitige Vertrautheit. Ein solcher Verlust wird brandgefährlich, wenn der Ernstfall eintritt.»
Respekt vor Kims Atomarsenal
Dass Trump vor Kim kuscht, hat einen weiteren handfesten Grund: Im Gegensatz zum Iran ist Nordkorea bereits eine etablierte Nuklearmacht. Neben den 60 einsatzbereiten Atombomben könnte Kim innert kürzester Zeit 30 weitere fertigen. «Die Fähigkeit zu einem Erstschlag ist jederzeit gegeben», warnt Fischer. Kims Waffenprogramm ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass seine Atomsprengköpfe Südkorea, Japan und sogar das US-Festland erreichen können.
Nachdem Trump das Bündnis mit Europa ins Wanken gebracht hat, opfert er nun auch die Verlässlichkeit gegenüber Südkorea. Fischers düsteres Fazit: «Das schafft nicht nur Verunsicherung – es schwächt auch die westlich orientierten demokratischen Allianzen.»