Darum gehts
Stell dir vor, du hättest einen milliardenteuren Krieg begonnen, dich mit deinem Nachbarland zerstritten, von den obersten Richtern eine heftige Watsche gekriegt und in den Beliebtheitsumfragen ein Allzeittief erreicht.
Jetzt hast du zwei Optionen: Entweder reisst du dich so richtig zusammen und machst dich an die Arbeit. Oder du fängst einen weiteren Streit an, um von deinem Versagen abzulenken. Donald Trump (80) hat sich für die zweite Option entschieden – und sich auf einen neuen Gegner eingeschossen, an dem er seinen Zorn abarbeitet. Dass er zornig ist, ist nach der bislang schlimmsten Woche seiner zweiten Amtszeit kein Wunder.
Als neues Opfer muss das John F. Kennedy Center for the Performing Arts herhalten. Trump liess die grösste Kulturinstitution in Washington kurzerhand schliessen, angeblich wegen gefährlicher Baumängel. Renovationen lässt er erst zu, wenn das Zentrum zum «Donald J. Trump Center» umbenannt wird.
Doch zurück in die «real world». Da lief es für Trump diese Woche katastrophal.
Sein Banker stellt sich quer
Trump setzte grosse Hoffnungen in Kevin Warsh (56), seit Mai Chef der US-Zentralbank. Nicht nur, weil er «gut aussieht», sondern auch, weil er Trumps finanzpolitische Ansichten teile. Doch Mitte Woche erhöhte die Zentralbank die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4 Prozent. Kredite werden teurer, die Inflation soll dadurch sinken.
Trump nennt den Entscheid auf Truth Social «bösartig». Er will weiter billiges Geld in die Wirtschaft pumpen, um den angeblichen «Boom» anzuheizen. Doch «sein» Banker zeigt Rückgrat. Eine weitere Figur auf Trumps Schachfeld, die eigene Wege geht.
Kanada wendet sich angewidert ab
Seit Kanada diesen Sommer die Verhandlungen über neue Handelsdeals abbrach, überziehen sich die Nachbarn mit Strafzöllen. Trumps Kanada-Politik sorgt zu Hause für Kopfschütteln, Premier Mark Carney (61) hingegen wird für seinen Widerstand gefeiert. Jetzt sogar von der EU.
EU-Chefin Ursula von der Leyen (67) hat Kanada eingeladen, erstes «assoziiertes EU-Mitglied» zu werden: Brüssel-Sprech für eine besonders enge Partnerschaft. Carney begrüsste die Einladung am Donnerstag vor dem EU-Parlament. Mit Europa wolle er «einen starken, schützenden transatlantischen Wald» bilden, der stürmischen Zeiten standhalte. Ein deutlicher Seitenhieb gegen Trump – der Europa für seine Avancen gegenüber Kanada mit neuen Zöllen bestrafen will.
Seine Richter sind ihm nicht hörig
Auf das Oberste Gericht sollte Trump zählen können: Sechs Republikaner, davon drei von ihm eingesetzt, stehen drei Demokraten gegenüber. Doch diese Woche zerschmetterten sie sein Anliegen, die Briefwahl vor den Zwischenwahlen am 3. November stark einzuschränken.
Historisch nutzen deutlich mehr demokratische Wählende die Briefwahl. Trumps Angriff darauf ist ein politischer Beeinflussungsversuch. Den Entscheid kommentierte er als «weitere schlechte Entscheidung für die Republikaner». Das seien nicht mehr jene Richter, die er eingesetzt habe.
Von wegen «Krypto»-Präsident
Allein 2025 verdiente Trump laut offiziellen Bankunterlagen mehr als 1,4 Milliarden Dollar mit Krypto-Trades. Klare Regeln und minimale Regulierung kämen dem selbsternannten «Krypto-Präsidenten» gelegen. Doch der Senat hat seinen Träumen den Stecker gezogen.
Das amerikanische Pendant zum Schweizer Ständerat verwarf das «Clarity»-Gesetz, das Kryptowährungen einen neuen rechtlichen Status gegeben und Investitionen sicherer gemacht hätte. Eine Riesenenttäuschung für die Branche und Krypto-Milliardär Trump: Der Bitcoin fiel gleichentags um 5 Prozent.
Die Huthis hauen drauf
Die jemenitische Terrormiliz setzt ihren Siegeszug fort. Ihre Attacken auf Saudi-Arabien gehen weiter. (Mitte Woche haben sie den ersten saudischen Kampfjet abgeschossen). Die Hilferufe des Königshauses an die USA verhallen im Wüstenwind. Trump macht keinen Mucks – auch, weil ihn die Huthis telefonisch an den Nichtangriffspakt von 2025 erinnert haben. Solange Washington nicht eingreift, bleiben amerikanische Handelsschiffe verschont.
Für die Saudis ein harter Realitätscheck: Wollen sie wirklich wie angekündigt 600 Milliarden Dollar in die US-Wirtschaft investieren? Oder den vermeintlichen «Partner» hinhalten? Trump hat nur schlechte Optionen: Wartet er zu, wenden sich die Saudis womöglich ab. Greift er ein, droht der Krieg im Nahen Osten endgültig ausser Kontrolle zu geraten.
Fazit: Trump wünschte wohl, all dies wäre der Plot einer schlechten Show. Doch die Probleme sind real – auch für die 330 Millionen Menschen in seinem Land. Gerade noch 15 Prozent stehen laut jüngsten Umfragen hinter dem – so sieht es Trump selbst – «besten Präsidenten der amerikanischen Geschichte».