In Ceuta geht Angst um
Am Samstag droht der nächste Migranten-Ansturm

Mehrere Zehntausend Marokkaner und Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Ländern strömten vor zwei Wochen fast ungehindert in die spanische Enklave Ceuta. Für den 15. August planen Tausende einen zweiten Versuch. Doch Spaniens Behörden rüsten sich.
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Auch zwei Wochen nach dem ersten Massenansturm in diesem Sommer harren noch immer Hunderte Migranten in den Strassen und an den Stränden der Enklave aus.
Foto: Samuel Schumacher

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Samuel SchumacherAusland-Reporter

In Ceuta geht die Angst vor einem neuen Migrantenansturm um. Einiges deutet darauf hin, dass diesen Samstag wieder Tausende versuchen werden, in die spanische Enklave einzudringen.

Mehr als 400'000 Mitglieder zählen die marokkanischen Social-Media-Kanäle, in denen sich Fluchtwillige für den Samstag organisieren. «Brüder, am 15. August bei Dämmerung im Morgengrauen gehen wir rüber», lautet der Aufruf in einem davon. Die Sicherheitsbehörden in Ceuta bereiten sich auf einen neuen Überfall vor – und planen fürs Wochenende eine eigene Grossaktion.

Beim ersten Massenandrang vor zwei Wochen zeigten sich die spanischen Behörden noch komplett überfordert – und die marokkanischen absolut desinteressiert. Bis zu 60'000 Migrantinnen und Migranten überquerten problemlos die Grenze, angelockt von falschen Versprechen der Schlepper und einem Gerichtsentscheid, der den spanischen Behörden die Rückschaffung von übers Meer angereisten Flüchtlingen erschwert.

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Schon diesen Samstag könnte es zu einem erneuten Flüchtlingsansturm auf Ceuta kommen.
Foto: keystone-sda.ch

Am Samstag wollen es möglicherweise Zehntausende noch einmal versuchen. «Haraga» nennen sie in Marokko die vorwiegend jungen Männer, die illegal nach Ceuta fliehen. Oft in der falschen Annahme, dass sie von da aus problemlos aufs europäische Festland gelangen können. Ceuta unterliegt aber besonderen Schengen-Regeln; eine Weiterreise aufs spanische Festland ist nicht automatisch möglich.

422'000 Mitglieder in den Flucht-Chats

Die Faktenchecker der spanischen Plattform Maldita haben die Facebook-Gruppen, Whatsapp-Chats und Telegram-Kanäle, die den 15. August als neuen Tag für den Ceuta-Sturm nennen, untersucht und mehr als 422'000 Mitglieder gezählt. In den Gruppen wird eifrig über sehr konkrete logistische Fragen diskutiert.Diesen Samstag droht ein neuer Migranten-Ansturm in Ceuta

Soll man Neoprenanzüge tragen? Schwimmflossen? Wie viel Wasser und Nahrungsmittel sind nötig für die Flucht? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Offenbar scheinen die Fluchtwilligen ihre Lehren aus den Horrorgeschichten gezogen zu haben, die nach dem ersten Ansturm von Ende Juli die Runde machten. Mindestens 145 Menschen sind beim Versuch, Ceuta über das Meer zu erreichen, damals ertrunken.

Offiziell bestätigen lassen sich die neuen Ansturmpläne für den 15. August nicht, weil keine einzelne Organisation dahinter steht, die alle Fluchtpläne koordiniert. Die marokkanische Plattform Le360 spricht von algerischen Netzwerken, die offenbar eine Rolle bei der Koordination spielen. Viel mehr ist über mögliche Hintermänner des zweiten Ceuta-Sturms nicht bekannt.

Ana López García, eine Freelance-Fotografin in Ceuta, erzählt gegenüber Blick: «Die Menschen hier sind verzweifelt. Sie fürchten sich vor einer neuen Migrantenwelle.» Das hätten auch die lokalen Behörden begriffen und scharfe Massnahmen angekündigt. «Gerüchte machen die Runde, dass die Sicherheitsbehörden am Wochenende hart durchgreifen und alle in der Enklave verbliebenen Migranten an die Grenze bringen werden», sagt López García.

Vieles deutet auf einen möglichen neuen Ansturm hin. Doch so einfach wie vor zwei Wochen wäre die Einreise für die Flüchtlinge nicht. Marokko hat die Polizeipräsenz in der Grenzstadt Fnideq massiv erhöht. In einer der Social-Media-Gruppen wird den Fluchtwilligen daher geraten, sich gut zu tarnen – etwa, indem sie ihre Schwimmutensilien nicht in Rucksäcken, sondern in Business-Taschen verstauen.

Mit Kletterhaken gegen die Bojensperre

Spanien hat als Reaktion auf den möglichen neuen Ansturm die Einsatzbereitschaft der Grenzwache und der Armee erhöht. Die Grenze zu Marokko haben Spezialisten schon vor zehn Tagen mit einer neuen Seesperre aus Bojen und Netzen verstärkt. Auch darauf scheinen die Fluchtwilligen aber vorbereitet. Viele rüsten sich laut den Chats mit speziellen Kletterhaken aus, die es ihnen ermöglichen würden, die Bojenkette zu übersteigen.

Einen weiteren Massenansturm kann sich Spaniens linke Regierung nicht leisten. Europa geriet schon vor zwei Wochen in Aufruhr. Ganz besonders Italien, das das Schengen-Abkommen mit Spanien für einen Monat aussetzte. Zudem ergriff Spaniens Rechte die Möglichkeit, vor den nächsten Wahlen im Mai 2027 Stimmung gegen die angeblich unfähige Links-Regierung von Pedro Sanchez (54) zu machen.

Blick konnte vor zwölf Tagen vor Ort in Ceuta mit Adam (19), einem marokkanischen Migranten, sprechen. Damals wollte er wieder nach Marokko zurückkehren und sein Glück zu einem späteren Zeitpunkt erneut versuchen. Auf die Frage, ob es am Samstag so weit sein könnte, gibt sich Adam auf Instagram geheimnisvoll. «Das Leben ist schön – aber es braucht Geduld», schreibt er. Auf die Frage, was er am 15. August vorhat: keine Antwort.

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