Darum gehts
- Über 100 Klagen wegen Achterbahn X2 in Kalifornien, Hirnverletzungen gemeldet
- Mindestens drei Todesfälle seit 2019 mit Bahn in Verbindung gebracht
- X2 setzt auf 4D-Technologie mit Sitzen, die sich um 360 Grad drehen
Sie rast mit bis zu 122 km/h fast senkrecht in die Tiefe, während sich die Sitze um 360 Grad drehen: Die Achterbahn X2 in Kalifornien gilt als Nervenkitzel für Hartgesottene. Doch nun erheben mehr als 100 ehemalige Fahrgäste schwere Vorwürfe. In den vergangenen zwei Jahren sollen sie durch eine Fahrt auf der Bahn Hirnverletzungen erlitten haben.
Diese neuen Vorwürfe folgen auf eine Recherche von CNN im vergangenen Monat, wonach die Achterbahn bereits seit mehreren Jahren mit schweren, dauerhaften Verletzungen und Todesfällen in Verbindung stehe. Im Juli landeten zwei Frauen nach einer Fahrt mit der Achterbahn aufgrund von schweren traumatischen Hirnverletzungen in der Notaufnahme.
Über 100 Klagen gegen die Betreiber des Parks
Die Chirurgen stellten fest, dass diese durch ein «traumatisches Ereignis mit abrupter Beschleunigung und anschliessender Verzögerung während der Fahrt mit der Achterbahn X2» verursacht wurden, so CNN. Eine der Frauen liegt weiterhin im Koma. Die andere musste Sprechen und Gehen neu erlernen. Mindestens drei Todesfälle stehen seit 2019 zudem mutmasslich mit der Bahn in Zusammenhang.
Wie CNN nun berichtet, haben über 100 Betroffene Klagen gegen die Betreiber des Freizeitparks eingereicht, nachdem sie durch eine Fahrt auf der Bahn Hirnverletzungen erlitten hatten. «Six Flags spielt wissentlich mit Menschenleben. Solche Fahrgeschäfte dürften nicht existieren», erklärte Anwalt Christopher Bulone am Dienstag.
Der Betreiber Six Flags äusserte sich nicht zu den neuen Vorwürfen und verwies auf laufende Untersuchungen. Die Achterbahn ist seit dem 12. Juli geschlossen. Laut Anwälten der Betroffenen soll der Park bereits seit Jahren über die Gefahren der X2 informiert gewesen sein.
Beschleunigungen und Rotationskräfte wirken sich auf das Gehirn aus
Was die X2 von anderen Achterbahnen abhebt, ist ihre sogenannte 4D-Technologie. Indem sich die Sitze, unabhängig von der Schiene, um 360 Grad drehen können, entstehen gewollte desorientierende Überschläge. Fahrgäste blicken bei steilen, rasanten Abfahrten plötzlich kopfüber oder rückwärts in die Tiefe.
Wie eine Studie im Fachmagazin «The American Journal of Forensic Medicine and Pathology» aus dem Jahr 2009 feststellt, wirken sich Beschleunigungen und Rotationskräfte auf Achterbahnen auf das Gehirn aus. Bei Loopings etwa wird der Körper durch die G-Kraft stark in den Sitz gepresst, während das Blut aus dem Kopf in Richtung der Füsse gedrückt wird. Bei extremer Belastung drohen Sehstörungen oder Bewusstlosigkeit. Durch einen Katapultstart oder scharfe Kurven kann der Kopf gegen die Sitzpolsterung schlagen. Besonders durch 4D-Technologien entstehen dabei heftige Drehmomente und abrupte Winkelbeschleunigungen, die sich unmittelbar auf den Kopf auswirken.
Da das Gehirn geschützt in einer Flüssigkeit schwimmt, bewegt sich das Gehirn bei schlagartigen Stopps oder Drehungen durch die Trägheit weiter und prallt gegen die Schädelwand, betonen die Studienautoren. Rotationskräfte können zudem das schwammartige Gehirngewebe in sich verdrehen. Nervenfasern und Adern können dabei gedehnt werden oder reissen.
Blick stellt weitere schwindelerregende Achterbahnen aus aller Welt vor.
Falcon's Flight (Six Flags Qiddiya, Saudi-Arabien)
Als die extremste Achterbahn der Welt gilt die Falcon's Flight im saudi-arabischen Freizeitpark Six Flags Qiddiya. Sie bricht gleichzeitig drei Weltrekorde: höchste Achterbahn mit rund 163 Metern (beziehungsweise 195 Metern an der Klippe), schnellste Bahn mit bis zu 240 km/h und längste Achterbahn mit 4,3 Kilometern. Aufgrund des extremen Winddrucks bei den Spitzengeschwindigkeiten sind Windschutzscheiben an den Wagen verbaut.
Eejanaika (Fuji-Q Highland, Japan)
Die kalifornische X2 ist nicht die einzige Achterbahn, welche auf die 4D-Technologie setzt. So gilt etwa die Achterbahn Eejanaika im japanischen Freizeitpark Fuji-Q Highland als eine der weltweit intensivsten Bahnen ihrer Art. Mit 76 Metern Höhe und Geschwindigkeiten bis zu 126 km/h ist sie noch höher und schneller als die X2. Das Besondere an der japanischen Bahn: Während der Fahrt gibt es 14 Inversionen, die durch Schiene und Sitzrotation entstehen – ein weltweiter Rekordwert.
Shock Wave (Six Flags Over Texas, USA)
Die derzeit mit den höchsten G-Kräften betriebene Achterbahn ist die Shock Wave im US-Freizeitpark Six Flags Over Texas. Nach einem 32 Meter hohen First Drop schiesst die Bahn mit rund 97 km/h direkt in die engen Loopings. Dort werden rund 5,5 bis 5,9 G erreicht. Das heisst: Dein Körper wird einer Kraft ausgesetzt, die dem 5,9-Fachen deines eigenen Körpergewichts entspricht. Zum Vergleich: Astronauten werden beim Start einer Raumfähre maximal 3 G ausgesetzt – allerdings über einen längeren Zeitraum.