Darum gehts
- Francis Clifford Smith, ältester Häftling der USA, starb mit 101 Jahren
- Er verbrachte 76 Jahre in Haft, trotz acht verschobener Hinrichtungen
- 1954 wurde sein Todesurteil in lebenslange Haft umgewandelt
Francis Clifford Smith, der als ältester Häftling der USA galt, ist im Juni im Alter von 101 Jahren verstorben. Der 1950 wegen Mordes verurteilte Mann verbrachte 76 Jahre hinter Gittern.
Achtmal wurde ein Hinrichtungstermin angesetzt – doch jedes Mal wurde sein Leben verschont. Wie die BBC berichtet, hielt Smith stets an seiner Unschuld fest.
Er wurde 1949 wegen des Mordes an einem Nachtwächter eines Yachtclubs in Connecticut festgenommen. Die Beweise und seine Schuld wurden jedoch später infrage gestellt: Zeugen widerriefen ihre Aussagen, und ein anderer Häftling gestand den Mord. Selbst ein ermittelnder Polizist soll Zweifel daran geäussert haben, ob Smith überhaupt am Tatort war. Nach mehreren verschobenen Hinrichtungen wurde Smiths Todesurteil 1954 in lebenslange Haft umgewandelt.
Seine letzten Jahre verbrachte er in einer Pflegeeinrichtung des MissionCare-Health-Programms, das ältere Häftlinge betreut. Smith ist nicht der einzige Mann, der mehrere Jahrzehnte im Knast sass. Eine Auswahl.
Häftling lehnte Bewährung ab
Paul Geidel Jr. wurde am 7. Mai 1980 freigelassen, nachdem er fast 69 Jahre hinter Gittern gesessen hatte. 1911 hatte Geidel in New York einen wohlhabenden Börsenmakler ausgeraubt und getötet.
Nachdem er bereits 18 Jahre im Knast verbracht hatte, wurde sein erstes Gesuch auf vorzeitige Entlassung 1929 abgelehnt. Erst 1974 sollte er auf Bewährung freikommen. Doch der US-Amerikaner wollte lieber inhaftiert bleiben.
Der inzwischen 80-Jährige hatte keine Familie ausserhalb des Gefängnisses und fürchtete sich vor der Aussenwelt. Geidel blieb noch sechs weitere Jahre in einer Strafanstalt, bevor er im Alter von 86 Jahren in die Freiheit entlassen wurde.
Den Rest seines Lebens verbrachte er in einem Pflegeheim, wo er sieben Jahre später im Alter von 93 Jahren verstarb. Zum Zeitpunkt seiner Freilassung war er der am längsten inhaftierte Gefangene in der Weltgeschichte, schreibt 9News.
Als Teenie in Haft, im Sarg wieder raus
Warren Nutter starb 2021 im Alter von 84 Jahren dort, wo er den Grossteil seines Lebens verbracht hatte – im Gefängnis. Für den Mord an einem Polizisten sass er insgesamt 65 Jahre und zehn Monate im Knast. Laut «The Gazette» war er zu seinem Todeszeitpunkt der am längsten Inhaftierte in der Geschichte des US-Bundesstaats Iowa. Er war mit 18 Jahren verurteilt worden.
«Lippenstift-Killer» war fast 66 Jahre im Knast
William Heirens wurde als «Lippenstift-Killer» bekannt, weil er einst mit Lippenstift an die Wand der Wohnung eines Opfers eine Bitte gekritzelt hatte, ihn zu fassen, bevor er erneut mordete. Im März 2012 starb er im Alter von 83 Jahren als der am längsten inhaftierte Häftling in der Geschichte des US-Bundesstaates Illinois. Das berichtete damals NBC News.
Heirens war 17 Jahre alt und Student an der Universität von Chicago, als er 1946 gestand, zwei Frauen in ihren Häusern getötet und ein sechsjähriges Mädchen erdrosselt zu haben. Laut lokalen Medienberichten wurde die Leiche des Mädchens zerstückelt und in der Kanalisation der Stadt entsorgt.
An der Wand der Wohnung eines Opfers hinterliess Heirens die Nachricht: «Um Himmels willen, fangt mich ein, bevor ich noch mehr töte. Ich kann mich nicht beherrschen.»
Heirens widerrief sein Geständnis später und behauptete, er sei vor diesem gefoltert worden. Allerdings wurden Heirens’ Fingerabdrücke in einer der Wohnungen einer Frau und auf einem Lösegeldbrief für das Kind gefunden. Für die Taten sass er letztlich fast 66 Jahre in Haft.