Über den Zweiten Weltkrieg ist zwar vieles bekannt. Vieles aus dieser Zeit scheint aber auch für immer verschwunden. Umso spektakulärer ist der Fund, von Anfang August in Budapest in der Donau. «Das Meer behält seine Geheimnisse und Schätze meist für immer», heisst es. Zum Glück ist die Donau kein Meer.
Wegen des extrem niedrigen Wasserstands ist dort ein Wehrmachtsmotorrad aus dem Zweiten Weltkrieg aufgetaucht, zusammen mit den sterblichen Überresten zweier deutscher Soldaten. Am Batthyány-Platz bemerkten Passanten erst nur die Gabel des Zweirads. Die Maschine, die ab 1944 speziell für den Kriegseinsatz produziert wurde, wurde durch den Schlamm in der donau überraschend gut konserviert, heisst es.
Minen und Handgranaten mitten in der Donau
Im Umfeld des Gefährts fanden sich auch zahlreiche Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg. Darunter Panzerabwehrminen, Hand- und Artilleriegranaten. Mehrfach musste der Bereich geräumt werden. Unter den Relikten tauchten auch menschliche Überreste von zwei Personen auf.
Eine Untersuchung ergab, dass es sich um deutsche Soldaten aus der Zeit handelt. «Der Hafenschlamm war hier mit Gasöl durchsetzt. Das trug dazu bei, dass die Erkennungsmarken der Soldaten konserviert wurden. Buchstaben und Zahlen sind gut lesbar», erklärt Gabor Kohlrusz, Umbetter beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.
Soldaten erhalten Begräbnis
Normalerweise wurde im Todesfall eine Hälfte der Marke bei den Soldaten belassen, während die andere nach Hause geschickt wurde. Die Familien dieser Männer warteten vergeblich auf eine Nachricht – bis jetzt. Die Beisetzung der beiden Soldaten wird Kriegsgräberstätte in der Nähe von Budapest stattfinden.
Die ungewöhnlich niedrigen Pegel der Donau könnten bald weitere Geheimnisse freigeben. «Wir rechnen damit, dass auch Schiffswracks auftauchen, in denen sich Kriegstote befinden könnten», sagte Arne Schrader, Leiter der Abteilung Kriegsgräberdienst beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Falls nötig, werde das Team von Gabor Kohlrusz durch ausgebildete freiwillige Umbetter unterstützt, so Schrader. Die Arbeit des Volksbunds zeigt, wie die Geschichte weiterhin Spuren hinterlässt – selbst Jahrzehnte nach Kriegsende.