Sensationeller Fund mitten in der Stadt
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Zürcher Kriegsflotte:Sensationeller Fund mitten in der Stadt

Zürcher Kriegsflotte unter dem Asphalt
Archäologen finden Werft aus dem 17. Jahrhundert

Nicht nur Grossmächte wie Spanien oder Frankreich verfügten über Kriegsschiffe. Auch Zürich setzte eine historische Flottille auf dem Zürichsee ein. Die Stadtarchäologie Zürich hat nun die Werft der Kriegsflotte wiederentdeckt.
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In der Stadt Zürich wird wieder fleissig gebaut.
Foto: Angela Rosser

Darum gehts

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  • Archäologen entdeckten in Zürich Überreste der Werft der Zürcher Kriegsflotte
  • Erste Kriegsschiffe wurden um 1440 genutzt, die Werft um 1664 gebaut
  • Projekt «Cool City» endet an der Talstrasse 2027, Archäologen sichern Funde ohne Bauverzögerung
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Angela RosserJournalistin News

Die Stadt Zürich verfügt über eine äusserst reiche Geschichte. Grosse Teile davon liegen verborgen unter dem Boden. Sobald Bauprojekte diese Hinterlassenschaften bedrohen, wird die Stadtarchäologie im Amt für Städtebau beigezogen.

Beim Fernwärmeprojekt «Cool City» haben die Expertinnen und Experten der Stadtarchäologie Zürich Reste des Schiffschopfs der Zürcher Kriegsflotte entdeckt. Stephan Wyss (50), Leiter der Stadtarchäologie Zürich, hat Blick auf der Baustelle empfangen und erklärt, wieso dieser Fund so interessant ist.

Der Stadtplan von 1793 war wichtig

Die Hauptleitung des Fernwärmeprojekts verläuft vom Bürkliplatz bis zum Unterwerk Selnau entlang der Talstrasse. Auf der Höhe der Börsenstrasse hat man beim Aushub auf rund 2 Metern Tiefe eine Struktur freigelegt, die direkt auf dem ehemaligen Seeboden liegt. «Es handelt sich um ein Podest, das aus Füllmaterial aus Sand, Lehm und Bruchsteinen besteht und von behauenen Steinquadern eingefasst ist. Um ein Abrutschen der Steinlagen zu verhindern, wurde der Fundamentbereich mit einem Rahmen aus verbundenen Holzbalken eingefasst», sagt Wyss.

Mithilfe des historischen Müller-Stadtplans von Zürich, erstellt um 1793, konnte die Struktur als Unterbau der Werft der Zürcher Kriegsflotte, des Schiffsschopfs, identifiziert werden. Erbaut wurde das Marinearsenal 1664/65.

Schlacht zwischen Schwyz und Zürich

Wo heute Geschäftsleute in Anzügen über die Strasse hasten, hätte man früher schwimmen müssen. Das Zürichseeufer befand sich bis ins 19. Jahrhundert um einiges weiter hinten als jetzt. Bewaffnete Schiffe wurden von den Zürchern aber bereits seit dem Mittelalter eingesetzt, um ihre Schiffshandelsroute zu schützen, Fehden zu führen und Aufstände der Landbevölkerung niederzuschlagen. Am 29. Oktober 1445 besiegte die Zürcher Flotte in einer Seeschlacht feindliche Schiffe der Eidgenossen aus Schwyz bei der Schlacht von Männedorf.

Steuerstreit zwischen Stadt und Land

Zweihundert Jahre später, zur Beilegung des Wädenswiler Landaufstands von 1645/1646, soll eine Flotte von hundert Booten mit 500 Schiffsleuten und 2800 Soldaten ausgerückt sein. «Die Landbevölkerung wollte sich gegen Steuererhöhungen durch die Stadt wehren sowie mehr Rechte und Unabhängigkeit einfordern», sagt Wyss.

Nachdem Zürich im Villmergerkrieg 1656 das katholische Rapperswil erfolglos belagert hatte, wurde artillerieseitig aufgerüstet. «Man gab den Bau von stark bewaffneten Kriegsschiffen in Auftrag», erklärt er. Im Jahr 1693 kamen zu den beiden Kriegsschiffen «Biber» und «Otter» die Schwesterschiffe «Seepferd» und «Neptun» hinzu. Diese waren mit je 18 Kanonen ausgerüstet.

Lange feiern konnten die Rebellen nicht

Der letzte bekannte militärische Einsatz der Zürcher Kriegsflotte erfolgte 1804 bei Horgen. Nachdem die Landbevölkerung eine bewaffnete Revolte gegen die Stadt Zürich angezettelt hatte und sich zur Stadt durchschlagen wollte, griffen städtische Kriegsschiffe vom See her an und beschossen den Dorfkern von Horgen.

Die Stadt musste sich aber geschlagen geben und sich zurückziehen. Lange feiern konnten die Rebellen trotzdem nicht. Die Anführer des Aufstands wurden in Zürich hingerichtet und für die renitenten Gemeinden harte Gesetze erlassen.

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«Das läuft alles Hand in Hand»

Um die geschichtliche Vergangenheit der Stadt zu bewahren und gleichzeitig die bauliche Modernisierung voranzutreiben, arbeitet das Amt für Städtebau eng mit den städtischen Werken zusammen. Die Stadtarchäologie, das EWZ, das Tiefbauamt und die zuständigen Baufirmen sind in permanentem Austausch. «Das läuft alles Hand in Hand», sagt Wyss. Direkt bei der Baustelleninstallation hat die Stadtarchäologie einen eigenen Container, um immer vor Ort zu sein, was dem Team kurze Wege und effiziente Einsätze ermögliche. «Zu Verzögerungen ist es bisher nicht gekommen.»

«Dass bereits wenige Wochen nach Beginn der Bauarbeiten erste Entdeckungen resultieren, ist erfreulich und zeigt, wie wichtig diese Zusammenarbeit ist», sagt Wyss. Das Projekt «Cool City» ist Teil der Netto-Null-Strategie der Stadt und ermöglicht dereinst klimaschonendes Heizen und Kühlen mithilfe von Seewasser. Die Bauarbeiten im Teilbereich Talstrasse werden 2027 abgeschlossen.

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