Passagiere der «MV Hondius» werden zum Flughafen gebracht
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Helikopter-Video zeigt:Polizei eskortiert Evakuierungs-Bus an den Flughafen

Die wichtigsten Fragen zur heiklen Evakuierung der «MV Hondius»
Schweizer Crew-Mitglied darf jetzt doch von Bord!

Auf Teneriffa wird heute unter strengsten Vorkehrungen das Seuchenschiff «MV Hondius» evakuiert. An Bord befindet sich auch ein Schweizer. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur heiklen Mission.
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Passagiere der «MV Hondius» werden am Sonntag in blauen Pelerinen und Plastikhauben evakuiert.
Foto: AP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Evakuierung des Kreuzfahrtschiffs «MV Hondius» auf Teneriffa mit 147 Menschen begonnen
  • Schweizer Crew-Mitglied muss sechs Wochen in die Quarantäne in den Niederlanden
  • Bisher acht Hantavirus-Fälle bestätigt, darunter drei Tote
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Guido FelderAusland-Redaktor

Das Kreuzfahrtschiff «MV Hondius» hat am Sonntagmorgen um 6.30 Uhr vor der Ferieninsel Teneriffa Anker geworfen. Drei Stunden später begann mit kleinen Booten unter strengen Sicherheitsmassnahmen die Evakuierung.

Auch ein Schweizer Crew-Mitglied befindet sich auf dem Schiff. Der Mann wird in die Niederlande geflogen, wo er eine sechs Wochen dauernde Quarantäne absitzen muss. Ebenfalls an Bord: die Leiche einer 78-jährigen Deutschen.

Wie läuft die heikle Evakuierung ab?

Die Sicherheitsvorkehrungen sind massiv. Die «MV Hondius» wird vor dem neuen Industriehafen Granadilla im Süden der Insel entladen, wo über 350 Polizisten bereitstehen. Das Schiff hat Anker geworfen, denn Anlegen ist aus Sicherheitsgründen verboten. Ärzte überprüfen die Passagiere und Crew-Mitglieder – laut ersten Berichten sind alle symptomfrei.

Die Passagiere werden in blauen Schutzanzügen und in kleinen Booten an Land gebracht. Anschliessend fahren sie in roten Bussen auf abgesperrten Strassen zum etwa zehn Minuten entfernten Flugplatz. Die Sitze der Busse sind mit Folien überzogen, wohl um eine Desinfizierung zu vereinfachen.

Auf dem Flugplatz warten Spezialmaschinen, die die Leute in ihre Heimat zurückführen. Frankreich zum Beispiel hat einen Ambulanzjet des Typs Falcon geschickt. Der letzte Rückführungsflug soll am Montag nach Australien stattfinden.

Jetzt sind die ersten Passagiere am Flughafen
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Es wimmelt vor Schutzanzügen:Jetzt sind die ersten Passagiere am Flughafen

Wer ist an Bord?

An Bord befinden sich 147 Passagiere und Crewmitglieder aus 23 Ländern. Als Erste wurden laut der spanischen Gesundheitsministerin Mónica García (52) die 14 Spanier evakuiert. Die Evakuierten dürfen nur ihr Handgepäck mitnehmen, damit die Koffer gründlich desinfiziert werden können.

Was passiert mit dem Schweizer Crew-Mitglied?

Nach den bisher bekannten Informationen befindet sich weiterhin ein Schweizer auf der «MV Hondius». Es handelt sich laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) um ein Crew-Mitglied. Der Mann gilt als Kontaktperson, zeigt laut bisherigen Angaben aber keine Symptome.

Wie BAG-Sprecherin Stéphanie Germanier auf Anfrage von Blick mitteilt, wird der Mann vorderhand nicht in die Schweiz zurückkehren, sondern erst nach Ablauf der sechs Wochen dauernden Quarantäne in den Niederlanden. Denn für den Transport und die Quarantäne der Crew-Mitglieder sind die niederländischen Behörden verantwortlich.

Die BAG-Sprecherin: «Die niederländischen Behörden werden Passagiere und einen Teil der Crew mit dem Flugzeug nach Holland transportieren. Der andere Teil der Crew bleibt auf dem Schiff und gelangt auf diesem Weg nach Holland.» Laut Germanier gehöre der Schweizer zu jenen, die per Flugzeug transportiert würden. Zuerst hiess es, dass die ganze Besatzung per Schiff weiterreisen würde. 

Das BAG stehe in direktem und regelmässigem Kontakt mit dem Besatzungsmitglied sowie mit den Angehörigen in der Schweiz. «Diese Person ist trotz der Situation guter Dinge und zeigt nach wie vor keine Symptome», sagt Germanier.

Ein Teil der Besatzung wird das Schiff nach der Evakuierung auf Teneriffa nach Rotterdam steuern. Im grössten Hafen der Niederlande soll die «MV Hondius» desinfiziert werden.

Bis hierhin wird auch der Leichnam der Deutschen mittransportiert. Warum konkret die verstorbene 78-Jährige im Fall der «Hondius» in Teneriffa nicht an Land gebracht wurde und bis Rotterdam an Bord bleibt, ist bislang unklar.

Warum wird das Schiff in die Niederlande gebracht?

Die «MV Hondius» fährt unter niederländischer Flagge, womit die Hauptverantwortung bei den Niederlanden liegt. Das niederländische Aussenministerium koordiniert deshalb gemeinsam mit Gesundheitsbehörden und der WHO die Krisenreaktion.

Hinzu kommt: Die Niederlande verfügen über spezialisierte Isolations- und Infektionsmedizin für seltene Erreger wie die Andes-Variante des Hantavirus.

Woher kommt das Virus?

Die WHO vermutet, dass der niederländische Hobby-Vogelkundler Leo S.* (70) das Virus an Bord brachte. Der Rentner startete mit seiner Frau M. (69) nach einem Argentinien-Aufenthalt am 1. April in der Hafenstadt Ushuaia eine Kreuzfahrt auf der «MV Hondius». Kurz darauf wurde er krank. Am 11. April starb er. Auch seine Frau starb später an Land.

Die beiden hatten vor der Kreuzfahrt in der Nähe von Ushuaia eine Mülldeponie besucht, um Vögel zu beobachten. Möglicherweise hatte sich S. dort mit dem Hantavirus infiziert.

Nach den jüngsten Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es bisher sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle. Drei dieser acht Personen sind gestorben.

In Zürich wird bereits ein Schweizer Passagier behandelt, der früher von Bord gegangen war. Er hatte nach seiner Rückkehr Symptome entwickelt und wurde positiv auf die Andes-Variante getestet. Er befindet sich isoliert im Universitätsspital Zürich; seine Ehefrau blieb vorsorglich in Selbstisolation.

* Name bekannt 

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