Darum gehts
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Donald Trump (80) hat den internationalen Ölhandel angezündet. Jetzt bestellt er bei Wladimir Putin (74) den Feuerlöscher. Und die Rechnung schickt er an Wolodimir Selenski (48). So beschreibt der niederländische Ukraine-Experte Marijn Markus den US-Entscheid, plötzlich wieder russisches Öl zu kaufen.
Markus hat recht: Trumps Entscheid ist ein Schock für die Ukraine. Es ist das Allerletzte, was das täglich aufs Neue terrorisierte Land vor dem nächsten harten Kriegswinter braucht. Doch Trumps Dolchstoss in Kiews Rücken zeigt bereits ungeahnte Nebenwirkungen, die die Ukraine überraschend stärken könnten.
Kurze Rückblende (die Ereignisse überstürzen sich ja geradezu): Ende vergangener Woche gab Trump überraschend bekannt, dass er sich mit Putin auf eine Aufhebung der Öl-Sanktionen und eine erste Lieferung über 300'000 Tonnen (oder 2,2 Millionen Fässer) Öl geeinigt habe.
Damit will Trump die wegen des Iran-Krieges rapide gestiegenen Benzinpreise noch vor den US-Zwischenwahlen runterdrücken. Ob das klappen wird? Zweifelhaft. Der Geopolitiker Nico Lange (51) etwa rechnet vor, dass mit den 300'000 Tonnen Öl gerade mal 0,26 Prozent des weltweiten Monatsbedarfs gedeckt werden können.
Die 300'000 Tonnen Öl dürften Putin etwa 800 Millionen Dollar einbringen. Damit kann Russland nicht einmal einen einzigen Tag seines Angriffskrieges gegen die Ukraine finanzieren (der Krieg kostet Moskau täglich schätzungsweise 857 Millionen Dollar).
Müssen Putins Frachter auf halbem Weg umkehren?
Unklar ist, ob Amerika das russische Öl letztlich tatsächlich importieren wird. Im Parlament regt sich Widerstand mit Unterstützern aus beiden Parteien, die darauf verweisen, dass der neue Trump-Putin-Deal im Widerspruch zu den gesetzlich festgeschriebenen Sanktionen stünde.
Selenski selbst reagierte scharf auf den «schwachen Entscheid eines starken Partners», wie er Trumps erneute Kehrtwende bezeichnete. Auf Trumps Aufforderung, er sollte als Präsident abtreten und sofort die Angriffe auf die russische Öl-Infrastruktur einstellen, entgegnete Selenski am Sonntag im US-Fernsehen: Wahlen seien nur dann denkbar, wenn es einen mindestens 60-tägigen Waffenstillstand gäbe. Die Ukraine werde so lange russische Raffinerien attackieren, wie Russland die ukrainische Energieinfrastruktur angreife.
Zwar verkündete Trump noch am Sonntagnachmittag auf seiner Plattform Truth Social, es gelte ab sofort ein gegenseitiger Angriffsstopp auf die Energie-Infrastruktur. Beide Seiten hätten zugestimmt. Doch ob das ein effektiver Durchbruch oder nur heisse Luft aus dem Weissen Haus ist, werden wir in den kommenden Tagen sehen.
Gefühlt sind die ukrainisch-amerikanischen Beziehungen heute wieder nahe an jenem Nullpunkt, als Trump Selenski im Februar 2025 nach einem Streit aus dem Weissen Haus geschmissen hatte. Und doch: Auf der ukrainischen Seite hat Trumps Öl-Entschluss in den ersten Stunden überraschend positive Nebenwirkungen ausgelöst.
Europa hat sich geschlossen hinter die Ukraine gestellt. Am Montag werden die EU-Aussenminister 1646 russische Firmen und Personen neu auf die Sanktionsliste aufnehmen.
MAGA-Influencerin greift Trump an
Auffällig ist zudem: Auch in den USA wird Kritik aus erstaunlichen Ecken laut. Keith Kellogg (82), bis vor kurzem Trumps Ukraine-Sondergesandter, betonte ausgerechnet auf dem Trump-freundlichen Sender Fox News, dass Russland Schulen und Kirchen bombardiere, während sich Kiew auf gezielte Angriffe auf militärische und das Militär finanzierende Ziele in Russland beschränke.
Die MAGA-Influencerin Laura Loomer (33), eine der prominentesten Stimmen der amerikanischen Ultra-Rechten, erinnerte Trump in einem X-Post daran, dass die Ukraine laut ihrer Verfassung gar keinen neuen Präsidenten wählen könne, solange Krieg herrsche. «Wer Neuwahlen in der Ukraine will, muss Russland zwingen, seinen Angriff zu stoppen», schreibt Loomer.
Und schliesslich könnte der Öl-Deal selbst in Russland zu einem bösen Erwachen für Putin führen. Jetzt schon ist das Benzin in fast allen Regionen des riesigen Landes wegen vieler bombardierter Öl-Raffinerien knapp. Das ist der Hauptgrund, weshalb Putin vor wenigen Tagen einen totalen Diesel-Exportstopp verhängt hatte. Russen, die sich an Tankstellen um ein paar Kanister Diesel prügeln, sind inzwischen ein eigenes Genre in den dortigen Sozialen Medien.
Wenn Russland sein kostbares Hauptprodukt jetzt wieder in grossen Mengen an die USA liefert, wird die Knappheit zu Hause noch grösser. Unruhe im eigenen Reich kann Putin in seiner fragilen Lage ganz und gar nicht brauchen. Wenn er alle Unzufriedenen einsammeln und an die Front karren lässt, steht er sonst irgendwann allein im weiten Land.