Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hatte seine Angriffe auf russische Ölraffinerien noch am Sonntag verteidigt. In einem Interview mit dem US-Sender ABC News machte er klar: Die Attacken sind die direkte Antwort auf Russlands Zerstörung der ukrainischen Energieinfrastruktur.
Kurz nach der Veröffentlichung des Selenski-Interviews verkündete Trump jedoch überraschend einen «Energiewaffenstillstand» zwischen der Ukraine und Russland. «Beide Seiten haben zugestimmt. Brechen Sie ihn nicht!», schrieb er dazu auf seiner Plattform Truth Social. Wie genau dieser Energiewaffenstillstand aussehen soll, lässt der US-Präsident offen.
Selenski wusste nichts von Deal
Selenski wusste von dem Deal zur Waffenruhe offenbar jedoch nichts. «Die Mitteilung über den Waffenstillstand war für mich eine Neuigkeit», sagte er zu einem Reporter von Axios. Zustimmen wolle er dem Deal trotzdem. «Wenn die Russen einem Waffenstillstand im Energiesektor zustimmen, wird auch die Ukraine zustimmen. Wenn Präsident Trump das mit Putin vereinbart hat – dann sollen sie uns bitte sagen, wann der Waffenstillstand beginnt. Wir sind bereit und werden zustimmen.»
Der US-Präsident hatte Selenski am Samstag scharf kritisiert. Trumps Vorwurf: Selenski wolle den Krieg gar nicht beenden. Zudem würden die Angriffe auf die russischen Raffinerien die globalen Dieselpreise in die Höhe treiben. «Wir haben gesagt, sie können mit Russland machen, was sie wollen, aber keine Raffinerien angreifen, weil das ein globales Problem verursacht», sagte Trump laut ABC News. «Und was macht er? Er greift Raffinerien an.»
«Hört auf, uns anzugreifen»
Selenski konterte diese Vorwürfe im ABC-Interview direkt: «Ich habe es Präsident Trump und seinem Team mehrmals gesagt: Wir wollen Frieden, wir sind bereit für einen Waffenstillstand, wir sind bereit, mit jeglichen Schritten zur Deeskalation zu beginnen», sagte er zu Moderator Jonathan Karl.
Er nahm Trump in die Pflicht: «Und wenn die Russen wollen, dass wir ihren Diesel, ihre Raffinerien und so weiter nicht angreifen, dann bitten wir Präsident Trump, ihnen ein Signal zu geben, die Energieinfrastruktur der Ukraine nicht anzugreifen.»
Wahlen bei 60-tägigem Waffenstillstand
Der Ukrainer bot einen direkten Kompromiss an: «Hört auf, uns anzugreifen. Hört auf, unsere Kinder zu töten. Wir werden aufhören, eure Diesel anzugreifen. Und ich denke, das ist ein fairer Deal.»
Selenski zeigte sich in seinem Interview auch offen für Wahlen in der Ukraine – unter einer Bedingung: Russland muss sich an einen 60-tägigen Waffenstillstand halten. «Es liegt an den Ukrainern, ihre Führung zu wählen», so der Präsident. Ob Trumps angekündigter Energiewaffenstillstand diese Bedingung auch erfüllt, bleibt offen. Weder Russland noch die Ukraine haben sich bisher zu Trumps Ankündigung geäussert.