Editorial über Trumps Bruch mit Selenski
Partytime für Putin

Der US-Präsident kauft russischen Diesel und ruft zum Machtwechsel in Kiew auf. Damit zeigt Donald Trump einmal mehr, wie egal ihm Europa ist. Die Zeche zahlen die Menschen in der Ukraine.
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Buddys: Wladimir Putin (l.), Donald Trump.
Foto: AFP
Reza-Rafi-Ringier
Reza RafiChefredaktor SonntagsBlick

Wie es den Russen bei ihrem Überfall auf die Ukraine militärisch läuft, lässt sich von der warmen Zürcher Redaktionsstube aus schwer beurteilen. Grosse Gebietsgewinne hat Moskau jedenfalls seit längerem nicht mehr vermeldet. Dafür erreichen uns beinahe täglich Nachrichten von russischen Angriffen auf Männer, Frauen und Kinder. Wo es an der Front stockt, wird die politische Bühne wichtiger. Und dort bekommt Wladimir Putin gerade Anlass zum Feiern.

Den Auftakt machte der Handschlag mit dem deutschen Altkanzler Gerhard Schröder. Den eigentlichen Triumph liefert Donald Trump: Er hat mit dem Kreml einen Deal vereinbart, wonach 300'000 Tonnen russischer Diesel auf den Weltmarkt gelangen sollen und Sanktionen gelockert werden. Der US-Präsident steht unter Druck und will vor den Zwischenwahlen im November unbedingt die Spritpreise senken. Ob ihm das gelingt, ist mehr als fraglich. Sicher ist: Für Moskau ist das Abkommen ein immenser Propagandaerfolg, und es profitiert erst noch von der Marktöffnung.

Dann legte Trump nach. Am Samstag rief er vor Reportern zum Machtwechsel in Kiew auf: Es sei Zeit, «dass die Ukraine einen neuen Präsidenten bekommt, der einen Deal machen könnte». Es gibt berechtigte Kritik an Wolodimir Selenski. Dass er etwa unter Kriegsrecht keine Wahlen ansetzt, ist demokratiepolitisch fragwürdig. Doch mit seinen Äusserungen untergräbt Trump einmal mehr die Geschlossenheit des Westens – und er zeigt, wie unwichtig der alte Kontinent in Washington geworden ist. Er weiss genau, wo die russischen Geschosse einschlagen: in Odessa und Charkiw, nicht in Ohio oder Pennsylvania.

Der öffentliche Aufruf ist das schönste Geschenk, das Trump Putin machen kann. Nicht wegen des Dieselgeschäfts, sondern weil Trump die Allianz mit Europa aushöhlt. Die osteuropäischen Staaten, die sich vor Russlands Aggression fürchten, zahlen den Preis für Trumps Wahlkampf. Putin dagegen kann jubilieren: Was ihm auf dem Schlachtfeld bisher nicht gelingt, erreicht er auf der diplomatischen Bühne. Dank dem Mann im Weissen Haus.

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