Darum gehts
- Musk zeigte den Tesla Roadster «Rocket» mit über 1500 PS.
- Düsen ermöglichen kurze Sprünge, Saltos und Kopfüberfahrten.
- Zugelassen ist er nicht; Experten sprechen nur von Hüpfen.
Die Herzen von Autoliebhabern, Aviatik-Enthusiasten und Science-Fiction-Fans dürften bei diesem Anblick höher schlagen. Was sich durch Filme wie «Blade Runner», «Zurück in die Zukunft II» oder «Das fünfte Element» als prägende Zukunftsvision etabliert hat, scheint nun vermeintlich Realität geworden zu sein. Am Donnerstagabend präsentierte Tesla-CEO Elon Musk (55) den neuen Roadster – der angeblich fliegen soll!
Doch hält der Tesla Roadster wirklich das, was er verspricht? Blick fasst für dich die wichtigsten Details rund um Musks «fliegenden» Sportwagen zusammen.
Was bringt der neue Roadster mit?
Teslas neuer Roadster mit einer Leistung von mehr als 1500 PS steht in vier verschiedenen Optionen zur Verfügung. Das am Donnerstagabend präsentierte Topmodell «Rocket» ist dabei das aussergewöhnlichste. In nur 0,81 Sekunden beschleunigt der Wagen auf 60 Meilen pro Stunde (rund 97 km/h). Der Roadster erreicht dabei eine Höchstgeschwindigkeit von über 230 Meilen pro Stunde (rund 370 km/h).
Das Auto nutzt zehn Triebwerksdüsen und «Ultrahochdruck-Lufttanks», um sich sowohl in der Luft fortzubewegen als auch am Boden schnell zu beschleunigen. Die Lufttanks sind in einer Kooperation zwischen Tesla und SpaceX entwickelt worden. Unter der Karosserie saugen die Kaltluft-Düsen das Fahrzeug an den Boden. Damit kann der Roadster sogar dank Vakuum-Effekt kopfüber an einer Rampe entlangfahren. Die Luftdüsen ermöglichen es dem Wagen darüber hinaus, kurzzeitig zu schweben und in der Luft zu manövrieren.
Was verspricht Elon Musk?
Elon Musk präsentierte das Rocket-Modell am Donnerstagabend als flugfähiges Fahrzeug: «Es kann im Grunde wie eine Rakete fliegen und Rollen, verrückte Kunststücke – im Prinzip alles – vollbringen.» Besonders lobte Musk die Bodenhaftung des Sportwagens: «Man kann Kurven fahren, als würde man die Physik ausser Kraft setzen, weil das Auto so extrem auf der Strasse klebt.» Der Tesla-CEO zeigte sich dabei sicher: «Beschleunigung, Kurvenverhalten – es wird jeden jemals existierenden Streckenrekord pulverisieren.» Tesla gibt an, dass mit dem Roadster Kurvenkräfte von über 2 g erreicht werden.
Tesla stellte jedoch klar, dass die flugfähige Rocket-Variante nicht im öffentlichen Strassenverkehr zugelassen und nur an ausgewählte Kunden verkauft werde. Der Kaufpreis ist noch nicht bekannt, die Anzahlung liegt bei 250'000 Dollar.
Kann der Roadster tatsächlich fliegen?
Genau hier liegt der Haken. Musk präsentierte einige spektakuläre Manöver: So schwebte der Tesla nach einer Kopfüber-Fahrt auf einer Rampe zu Boden, sprang in einem kurzzeitigen Schwebeflug über eine Auto-Reihe und vollführte dabei einen 360-Grad-Seitwärtssalto. Was jedoch gerade nicht gezeigt wurde, war ein Langstreckenflug des Autos. Der Roadster bewegte sich dabei autonom fort – laut Musk aus Sicherheitsgründen. Er fügte hinzu, dass der «fliegende» Roadster «nicht unbedingt ein sicherheitsoptimiertes Auto» sei.
Roger Connor, Kurator für Senkrechtflug am Nationalen Luft- und Raumfahrtmuseum der Smithsonian Institution, zeigte sich vor der Veranstaltung gegenüber CNN skeptisch zur Fahrzeugleistung. «Flugzeuge reagieren extrem empfindlich auf Gewicht, während man bei Bodenfahrzeugen Stossfänger, Knautschzonen und Ähnliches einbauen möchte», so Connor. «Ein Hybrid aus beidem wird zwangsläufig ein leistungsschwaches Flugzeug und ein leistungsschwaches Fahrzeug sein und zudem recht teuer», führte er aus.
Zudem bezweifelte Connor, dass ein Auto wie der Roadster tatsächlich überallhin gesteuert werden könnte. «Wir sprechen hier nicht von anhaltendem Flug», sagte er. «Wir sprechen buchstäblich von Hüpfen.»
Auch Jim Dukhovny, der CEO des kalifornischen Start-ups Alef, das bereits selbst ein flugfähiges Fahrzeug entwickelt hat, zeigte sich gegenüber CNN vorsichtig. Vor der Präsentation erklärte er, dass ein Abheben des Roadsters nicht bedeute, dass er auch tatsächlich «fliegen» könne. «Es ist absolut machbar», sagte er. «Allerdings ist der schwierigste Teil der Übergang vom vertikalen Aufstieg zum Vorwärtsflug. Dabei muss man extrem vorsichtig vorgehen, um den Auftrieb nicht zu verlieren und die Stabilität zu gewährleisten», betonte er.
Gibt es Fahrzeuge, die tatsächlich fliegen?
Tatsächlich gibt es bereits funktionsfähige elektrische Senkrechtstart- und -landeflugzeuge (sogenannte eVTOLs), die auch auf der Strasse fahren können. Das fortschrittlichste Modell ist dabei das Model A vom Dukhovnys Start-up Alef. Im Oktober 2022 wurde das nur 115 Kilogramm schwere Flugfahrzeug mit Platz für eine Person der Öffentlichkeit vorgestellt. Mithilfe von acht Propellern – vier vorne und vier hinten – kann das Fahrzeug senkrecht starten, fliegen und landen.
Es besitzt eine Strassenzulassung als Leichtfahrzeug und eine Test- und Sonderzulassung der Flugbehörde FAA in den USA. Ende 2025 hat das Unternehmen mit der Kleinserienfertigung des Flugautos begonnen. Der Wagen besitzt im Strassenbetrieb eine Reichweite von 200 Meilen (etwa 322 Kilometer) und im Flugbetrieb von 110 Meilen (etwa 177 Kilometer).