Darum gehts
- Demokrat Taylor Rehmet gewinnt überraschend Wahl im traditionellen republikanischen Bezirk in Texas
- Trotz Trumps Unterstützung verliert die Republikanerin mit 14 Prozentpunkten Rückstand
- Trump liegt in Umfragen unter 45 Prozent, Republikaner fürchten Machtverlust
Ein texanischer Senatsbezirk, eine ausserplanmässige Wahl, ein Termin fernab nationaler Aufmerksamkeit. Doch das Ergebnis sorgt in Washington für Nervosität. Denn was sich in Texas zeigt, stellt eine unbequeme Frage: Was, wenn die politische Macht der Republikaner brüchiger ist, als sie selbst glauben?
Ein Wahlkreis kippt – und keiner kann es ignorieren
Im Senate District 9 rund um Fort Worth gewinnt der Demokrat Taylor Rehmet (32) eine ausserplanmässige Wahl mit rund 14 Prozentpunkten Vorsprung. Dies in einem Bezirk, den die Republikaner seit Jahrzehnten kontrollieren. Bei den letzten Präsidentschaftswahlen hatte Donald Trump (79) hier mit rund 17 Punkten Vorsprung triumphiert. Nun kippt der Wahlkreis spektakulär.
Brisant ist nicht nur das Resultat, sondern die Ausgangslage. Der republikanischen Kandidatin Leigh Wambsganss standen deutlich mehr Geld, starke lokale Netzwerke und die volle Unterstützung der Parteispitze zur Verfügung. Auch Donald Trump schaltete sich persönlich ein, lobte sie öffentlich, rief zur Wahl auf. Genutzt hat es nichts.
Warum Texas als politischer Seismograph gilt
In Texas, dem republikanischen Machtzentrum schlechthin, gilt so ein Resultat als politischer Weckruf. Sonderwahlen werden hier wie im ganzen Land als Frühindikatoren gelesen: Sie zeigen, welche Partei Energie hat – und welche beginnt, an Zugkraft zu verlieren.
Texas steht dabei nicht allein. In den vergangenen Monaten mussten die Republikaner eine ganze Serie schmerzhafter Niederlagen hinnehmen. In Virginia und New Jersey verloren sie Gouverneurswahlen. In Pennsylvania kippte ein jahrzehntelang republikanisch geprägter Wahlkreis bei einer Senatssonderwahl zu den Demokraten. In New York setzte sich mit Zohran Mamdani (34) ein linker Demokrat als Bürgermeister durch.
Wer folgt auf die lahme Ente?
Das sorgt in Washington für Unruhe. Denn im November stehen die Midterms an – das politische Zwischenzeugnis für die regierende Partei. Verlieren die Republikaner ihre Mehrheiten im Kongress, droht eine politische Blockade. Gesetzesprojekte würden versanden, Untersuchungsausschüsse den Ton angeben, die zweite Hälfte der Amtszeit wäre defensiv geprägt, auch weil Trump ein neues Amtsenthebungsverfahren droht. Der Präsident würde zur lahmen Ente.
Genau diese Aussicht setzt parteiintern Energie frei. Je näher das Ende der zweiten Amtszeit rückt und je mehr der nächste Präsidentschaftswahlkampf anläuft, desto stärker verschiebt sich in Washington die Aufmerksamkeit. Der amtierende Präsident verliert an politischem Gewicht, Loyalitäten werden neu verteilt, und plötzlich zählt weniger, wer regiert, als wer künftig gewinnt. Für Donald Trump ist das besonders heikel, weil seine Autorität fast ausschliesslich auf politischer Dominanz beruht.
Entsprechend bringen sich in der republikanischen Partei mögliche Anwärter für 2028 in Stellung. Als natürlicher Erbe gilt Vizepräsident J. D. Vance (41). Auch Aussenminister Marco Rubio (54) wird als loyaler Machtpolitiker gehandelt. Daneben lauern bekannte Figuren wie Ted Cruz (55) oder Floridas Gouverneur Ron DeSantis (47) auf ihre zweite Chance. Klar ist: Je sichtbarer Trump zur lahmen Ente wird, desto schneller beginnt das offene Ringen um die Zeit nach ihm.
Trump ist nicht unangreifbar
Noch kontrolliert Donald Trump die Republikaner mit grosser Autorität. Doch seine Macht basiert auf einem entscheidenden Versprechen: Er gewinnt. Und genau dies gerät ins Wanken. Umfragen des Meinungsforschungsinstituts AP-NORC sehen ihn stabil unter der 45-Prozent-Marke, bei zentralen Themen wie Wirtschaft, Aussenpolitik und Lebenshaltungskosten sogar deutlich darunter. Das ist für einen amtierenden Präsidenten kurz vor den Midterms ein gefährlicher Befund.
Trumps politischer Stil – permanente Konfrontation, Dauerkrise, Kulturkampf – mobilisiert seine treue Kernanhängerschaft, schreckt aber gemässigte Wähler zunehmend ab. Hinzu kommt eine wirtschaftliche Unsicherheit, die viele Amerikaner im Alltag spüren. Wer sich abgehängt fühlt, bleibt eher zu Hause – oder stimmt gegen die Regierung.
Die Niederlage in Texas ist deshalb mehr als eine lokale Panne. Trump hatte investiert, mobilisiert, seinen Namen eingesetzt. Dass seine Intervention wirkungslos blieb, kratzt an seinem wichtigsten politischen Kapital: dem Gewinner-Image. Hinter den Kulissen beginnt die Partei zu rechnen. Gouverneure, Senatoren und Strategen fragen sich, wie lange sie der lahmen Ente Trump noch treu sein müssen.