Darum gehts
- Russischer Spion D. A. Ende Februar in Bogotá, Kolumbien, verhaftet
- Er gehört zur geheimen GRU-Eliteeinheit 75127 mit brisanten Missionen
- Einheit umfasst 500 Mitglieder, gegründet 2023, operiert global und verdeckt
Ende Februar wurde D. A.*, ein mutmassliches Mitglied des russischen Militärgeheimdienstes GRU, am Flughafen von Bogotá, Kolumbien, festgenommen. Obwohl der Fall in den internationalen Schlagzeilen kaum Beachtung fand, sorgt er in westlichen Nachrichtendienstkreisen für Aufsehen. Erstmals scheint es gelungen, einen Angehörigen der bislang unbekannten russischen Eliteeinheit 75127 aufzuspüren, wie der «Spiegel» und das Investigativportal «The Insider» berichten.
Diese hochgeheime Einheit, auch als Zentrum 795 bezeichnet, wurde gemäss Informationen des «Spiegel» im Jahr 2023 gegründet. Sie soll direkt dem russischen Generalstabschef Walerij Gerassimow unterstehen. Ihr Auftrag: Sabotageoperationen, Spezialkräfteeinsätze und die gezielte Tötung von Regimegegnern im Westen. Die Einheit umfasst laut einer russischen Generalstabsdirektive etwa 500 Mitglieder und operiert unter strengster Geheimhaltung.
Eine neue Eliteeinheit mit brisanten Zielen
Zur Tarnung wird 75127 offiziell als Teil des Ausbildungszentrums des Kalaschnikow-Konzerns im «Park Patriot» bei Moskau geführt. Dokumente mit dem Logo des Waffenherstellers, die dem «Spiegel» vorliegen, zeigen die Struktur der Einheit: Sie ist in drei Hauptabteilungen unterteilt – Aufklärung, Angriff und Gefechtsunterstützung. Insgesamt gibt es 35 spezialisierte Unterabteilungen, darunter auch eine medizinische Einheit.
Die Festnahme von A. in Kolumbien legt nahe, dass die Einheit nicht nur in Kriegsgebieten wie der Ukraine aktiv ist, sondern ihre Operationen auch auf andere Kontinente ausdehnt. Laut Sicherheitsbehörden sollten A. und sein Team zwei im Exil lebende tschetschenische Dissidenten ausschalten. Eine weitere Person stand offenbar ebenfalls auf ihrer Liste – tot oder lebendig.
Skandale und Konkurrenz im russischen Geheimdienst
Die Gründung von Einheit 75127 wird in westlichen und russischen Geheimdienstkreisen als Reaktion auf eine Reihe von Skandalen innerhalb der bisherigen Eliteeinheit 29155 des GRU gesehen. Diese war unter anderem für den Giftanschlag auf den ehemaligen russischen Agenten Sergej Skripal und dessen Tochter in Grossbritannien 2018 sowie für einen Mordanschlag auf einen bulgarischen Waffenhändler verantwortlich. Zudem wird ihr die Sprengung eines tschechischen Munitionslagers und der Versuch eines Staatsstreichs in Montenegro zur Last gelegt.
Interne Rivalitäten prägen das Verhältnis zwischen den beiden Einheiten. Einheit 75127 wird als Vorzeigeprojekt angesehen, jedoch von anderen Teilen des russischen Sicherheitsapparats kritisch beäugt. «Wir werden ja sehen, was die wirklich können», zitiert der «Spiegel» einen russischen Geheimdienstmitarbeiter.
Ein amateurhafter Einsatz mit fatalen Folgen
Bei seiner ersten Auslandsmission liess D. A. jedoch die Professionalität vermissen, die von einer Eliteeinheit erwartet wird. Laut FBI-Dokumenten reiste er mit frisch ausgestellten falschen Papieren und hielt Kontakt zu einem serbischen Komplizen über einen verschlüsselten Messenger. Doch die Zusammenarbeit scheiterte an banalen Kommunikationsproblemen: A. sprach kein Serbisch, sein Partner kein Russisch. Die beiden mussten ihre Nachrichten mit Google Translate übersetzen, wodurch die US-Behörden ihre Kommunikation problemlos mitlesen konnten.
Bei seiner Festnahme trug A. ein Mobiltelefon mit sich, das offenbar aufschlussreiche Informationen zu den Operationen und der Struktur von Einheit 75127 enthielt. Internationale Ermittler erhoffen sich nun wertvolle Einblicke in die Arbeitsweise dieser neuen, schattenhaften Truppe, deren Aktivitäten offenbar weit über das Schlachtfeld hinausreichen.
*Name gekürzt