Darum gehts
Die Bilanz nach zwei Tagen Krieg: Donald Trumps (79) Truppen haben im Iran zusammen mit israelischen Soldaten 48 hochrangige Regime-Mitglieder getötet, mindestens neun Kriegsschiffe versenkt und die Hälfte aller Raketenwerfer zerstört. Trump will den Krieg weiterführen, «bis alle unsere Ziele erfüllt sind». Zu diesen Zielen gehören die Vernichtung der Raketen und Atomanlagen sowie auch der Sturz des Mullah-Regimes.
Die Amerikaner und die Israelis sind den Iranern trotz einiger schmerzhafter Vergeltungsschläge schwer überlegen. Doch wie lange noch? Die grösste Knacknuss steht den Armeen von Donald Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu (76) nämlich erst noch bevor.
Nachdem die Amerikaner und Israelis viele Führer ausgeschaltet und dem Militär schweren Schaden zugefügt haben, stellen sich ihnen gleich zwei Armeen in den Weg: einerseits die reguläre Armee mit rund 600'000 Soldaten, andererseits die gefürchtete Revolutionsgarde IRGC mit gegen 200'000 Mann.
Gefährliche Revolutionsgarde
Die IRGC ist besonders gefährlich, weil sie ein ideologisch gefestigtes Macht- und Sicherheitsnetzwerk ist. Sie hält die Kontrolle über die Atomanlagen, Raketen, Drohnen, Spezialkräfte und auch über weite Teile der iranischen Wirtschaft. Im Ausland unterstützt und dirigiert die IRGC Terrorgruppen wie die Hisbollah und die Hamas. Die Gardisten sind bestens ausgerüstet und besonders auch auf innere Repression und asymmetrische Kriegsführung trainiert.
Die Truppe wurde nach der Islamischen Revolution von 1979 als parallele Streitmacht zur Armee geschaffen, um die Revolution zu schützen und den Einfluss des religiösen Systems zu sichern. Nach der Tötung des Obersten Führers Ali Chamenei (†86) am Samstag wird sie alles daran setzen, dass die Macht in den Händen der überlebenden Mullahs bleibt.
Wie knackt Trump die harte Nuss? Wir zeigen drei Szenarien, wie Amerikaner und Israelis den Krieg weiterführen könnten.
Luftkrieg
Er ist klar die erste Option, da die USA und Israel mit Trägergruppen im Golf, Langstreckenbombern und Stealth-Kapazitäten in der Luft überlegen sind. Es könnte weitere Angriffe gegen Raketenstellungen, die Luftabwehr, Schiffe und IRGC-Kommandozentren geben. Parallel dazu würden Kommunikation und Infrastruktur mit Cyberangriffen gelähmt.
Aber können Trump und Netanyahu so die Revolutionsgarden in die Knie zwingen? Marcel Berni, Strategieexperte an der ETH-Militärakademie, sagt: «Die Erfolgsaussichten sind zwar kurzfristig hoch, politisch und strategisch allerdings sehr ungewiss.» Luftkriege allein hätten noch fast nie zu einem Regimewechsel geführt.
Begrenzte Spezialoperation
Laut Berni ist dazu die Wahrscheinlichkeit klein bis mittel. «Denkbar wären etwa gezielte Operationen gegen Schlüsselpersonen oder die Nuklearinfrastruktur», meint Berni. Die Tötung einzelner Kommandeure würde die IRGC zwar kurzfristig schwächen, könnte aber als Gegenreaktion eine Mobilisierungswelle auslösen.
Bodentruppen
Kräftemässig sind die Amerikaner und Israelis der Garde zwar klar überlegen. Aber den Iranern kommt die Fläche ihres Landes, das rund 40 Mal grösser ist als die Schweiz, zu Hilfe: «Ein grossflächiger Einmarsch in ein Land mit dieser Grösse und Topographie wäre militärisch extrem anspruchsvoll und politisch kaum vermittelbar», sagt Berni.
In den Weiten Irans käme es wie damals im Irak oder in Afghanistan zu einer langwierigen, verlustreichen Mission. Berni ist überzeugt: «Die Wahrscheinlichkeit eines Bodeneinsatzes ist sehr gering. Weder Trump noch Netanyahu streben das an.»
Es droht ein Fiasko
Klar ist, dass die bestens trainierte und ausgerüstete Revolutionsgarde schweren Widerstand leisten wird. Nach der ersten erfolgreichen Symptombekämpfung, bei der Führer ausgeschaltet und Waffen zerstört wurden, könnte der Angriff für die Amerikaner und Israelis sogar in einem Fiasko enden. Berni: «Iran ist nicht Venezuela. Der Einsatz ist komplizierter und gefährlicher.»