10 Millionen Kopfgeld! Trump macht Jagd auf Iran-Helfer
Von Guido Felder, Auslandredaktor
Das US-Aussenministerium zieht die Daumenschrauben gegen pro-iranische Gruppierungen im Irak weiter an. Für entscheidende Hinweise, die zur Ergreifung oder Identifizierung von Abu Alaa al-Walae führen, wurde nun eine Belohnung von bis zu 10 Millionen Dollar ausgesetzt. Er ist der Anführer der Miliz «Kataib Sayyid al-Shuhada» (KSS), einer schiitischen Gruppierung, die eng mit dem Iran verbündet ist.
Die US-Behörden machen al-Walae und seine Kämpfer für eine Serie von Gewalttaten verantwortlich. In der offiziellen Erklärung wird ihm vorgeworfen, Angriffe auf US-Militärbasen und diplomatische Einrichtungen im Irak sowie in Syrien koordiniert zu haben. Zudem soll die Miliz an der Tötung irakischer Zivilisten beteiligt gewesen sein..
Der Fall al-Walae ist kein Einzelfall. Erst vor rund zehn Tagen setzte das US-Aussenministerium ein identisches Kopfgeld von 10 Millionen Dollar auf Ahmad al-Hamidawi aus, den Anführer der Kataib Hisbollah. Ihm wird vorgeworfen, im März massive Angriffe auf US-Einrichtungen befohlen zu haben.
Die Amerikaner haben sich die Zerschlagung des Regimes wohl einfacher vorgestellt. Trotz der militärischen Übermacht ist es den USA nicht gelungen, die Mullahs zu besiegen. Am liebsten möchte sich Trump wohl aus dem Krieg herausschummeln, schreibt mein Kollege Samuel Schumacher.
Verlängerter Waffenstillstand und gemeinsamer Kampf gegen die Hisbollah
Von Guido Felder, Auslandredaktor
Donald Trump hat eine Verlängerung des Waffenstillstands zwischen Israel und dem Libanon um weitere drei Wochen bekannt gegeben. Die Einigung ist das Ergebnis eines hochrangigen Treffens im Weissen Haus.
Nach Gesprächen mit Vertretern beider Nationen, Vizepräsident J. D. Vance und Aussenminister Marco Rubio, zeigte sich Trump auf seiner Plattform «Truth Social» optimistisch. Die USA würden den Libanon künftig dabei unterstützen, sich vor dem Einfluss der Hisbollah zu schützen, gegen die man nun «vereint» auftrete.
In Kürze will der Präsident sowohl den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu als auch den libanesischen Präsidenten Joseph Aoun persönlich im Weissen Haus empfangen – ein Treffen, das Trump bereits jetzt als «historisches Ereignis» bezeichnet.
Trotz der vereinbarten Pause mahnte er zur Vorsicht: Man müsse die Aktivitäten der Hisbollah weiterhin genau im Auge behalten. Dennoch sehe er für dieses Jahr eine «grosse Chance» auf einen dauerhaften Frieden in der Region.
Atomschlag? Trump hat darauf eine klare Antwort
Von Guido Felder, Auslandredaktor
Beim Iran beisst Trump mit seiner Superarmee auf Granit. Zwar sind die Militärkräfte im Iran und deren Material massiv zerschlagen worden, aber sie können immer noch zuschlagen. Holt Trump daher nun die Atombombe hervor, wie ein Ex-CIA-Analyst behauptet hat?
Trump hat darauf nun eine klare Antwort gegeben. Auf eine entsprechende Frage im Oval Office reagierte er deutlich und antwortete knapp: «Nein.»
Der Präsident wies die Überlegung zurück: «Warum sollte man so eine dumme Frage stellen? Warum sollte ich eine Atomwaffe einsetzen?» Zugleich betonte er, die USA hätten den Iran auch ohne einen solchen Schritt bereits «dezimiert».
Auch seine Äusserungen hatten zuvor für Spekulationen gesorgt. Seine Warnung, eine «ganze Zivilisation» könne untergehen, falls Teheran kein Abkommen eingehe, wurde von Beobachtern teils als mögliche Andeutung eines Atomschlags interpretiert.
Der US-Präsident kann jederzeit die Atombombe einsetzen. Wie dazu die Abläufe sind, erklärt meine Kollegin Gina Grace Zurbrügg hier.
Erstmals seit Waffenruhe: Explosionen in Teheran
Von Daniel Macher, Redaktor am Newsdesk
Erstmals seit Beginn der Waffenruhe mit den USA ist es in Teilen der iranischen Hauptstadt Teheran wieder zu Explosionen gekommen. Laut Berichten von Staatsmedien waren am Donnerstag zudem im Westen der Metropole Geräusche von Luftabwehr zu hören. Die Nachrichtenagentur Irna sprach von «Luftabwehrfeuer», während Mehr meldete, dass das Abwehrsystem in mehreren Stadtgebieten gegen «feindliche Ziele» aktiviert worden sei.
Parallel dazu sorgt ein personeller Rückzug im iranischen Verhandlungsteam für zusätzliche Spannungen. Laut einem israelischen Medienbericht ist der iranische Parlamentssprecher Ghalibaf aus dem Team zurückgetreten, wie «Channel 12» schreibt. Hintergrund seien Uneinigkeiten mit Vertretern der Revolutionsgarden über den Kurs in den Gesprächen mit den USA. Während Ghalibaf demnach auf Verhandlungen setzte, forderten die Revolutionsgarden zunächst ein Ende der US-Blockade.
Die Entwicklung gilt als besonders brisant, da Ghalibaf als Trumps «Favorit» im Iran galt. Eine diplomatische Lösung dürfte dadurch für die USA nicht einfacher werden. Eine offizielle Bestätigung für den Rücktritt liegt bislang jedoch nicht vor. Mehr zu Ghalibaf kannst du hier nachlesen.
Iran: Chamanei schwer verletzt, aber «klar im Kopf»
Von Daniel Macher, Redaktor am Newsdesk
Seit dem Untertauchen des Obersten Führers Modschtaba Chamenei gab es zahlreiche Gerüchte um seinen Verbleib und gesundheitlichen Zustand. Bekannt ist, dass Chamenei bei einem Angriff der USA, bei dem sein Vater und ehemaliger Führer, Ayatollah Chamenei, ums Leben kam, schwer verletzt wurde.
Wie die «New York Times» unter Berufung auf iranische Insider nun berichtet, soll er infolge dieser Verletzungen seine Macht vorübergehend an führende Kommandeure der Revolutionsgarden übertragen haben. Die Attacke ereignete sich Ende Februar zu Beginn der militärischen Auseinandersetzung und traf die Hauptstadt Teheran empfindlich. Neben seinem Vater kamen laut offiziellen Angaben auch enge Familienmitglieder ums Leben.
Kurz darauf wurde Chamenei selbst zum neuen Oberhaupt ernannt. Seither fehlt jedoch jede öffentliche Präsenz. Stattdessen verbreitet er seine Anordnungen ausschliesslich schriftlich – ein Umstand, der Spekulationen über seinen Zustand weiter anheizt.
Den Berichten zufolge ist er zwar geistig klar, körperlich jedoch schwer gezeichnet. Mehrere Operationen an einem Bein seien nötig gewesen, eine Prothese stehe noch aus. Auch eine verletzte Hand erhole sich nur langsam. Besonders gravierend seien Verbrennungen im Gesicht, die das Sprechen erschweren.
Aus Sicherheitsgründen lebt Chamenei abgeschirmt. Persönliche Kontakte sind selten, die Kommunikation erfolgt indirekt. Selbst ranghohe Militärs erhalten keinen direkten Zugang. Unterstützung soll er jedoch von Präsident Masoud Pezeshkian bekommen, der als Arzt an seiner Behandlung beteiligt sein soll. Mitte März gab es Gerüchte, dass sich Chamenei in einem Spital in Russland aufhalten soll, wie mein Kollege Gabriel Knopfer geschrieben hat. Hier gehts zum Text.
Nun soll König Charles die Beziehung retten
Von Daniel Macher, Redaktor am Newsdesk
Nun setzt US-Präsident Donald Trump auf royale Diplomatie: Der anstehende Staatsbesuch von König Charles III. soll die angeschlagene «Special Relationship» zwischen Washington und London retten. «Absolut», sagte Trump der BBC – der König sei «fantastisch» und könne die Beziehungen «wiederherstellen».
Doch hinter den warmen Worten brodelt es zwischen den beiden Staaten. Beim Krieg gegen den Iran gehen die Positionen der USA und Grossbritanniens auseinander. Während Trump die Militärschläge als Erfolg feiert – «Wir haben das iranische Militär ausgelöscht» –, zeigt sich Premier Keir Starmer deutlich zurückhaltender. London will nicht in einen grösseren Krieg hineingezogen werden.
Trump reagiert gereizt. Er sei «nicht zufrieden» mit der britischen Unterstützung, sagte er offen. Mehr noch: Seine Forderungen an Verbündete bezeichnete er im Nachhinein als «Test».
In diesem angespannten Umfeld kommt König Charles eine heikle Rolle zu. Beim Treffen im Weissen Haus und seiner Rede vor dem Kongress soll er Brücken bauen. Ob der Monarch den transatlantischen Riss kitten kann, bleibt abzuwarten. Klar ist: Ohne Einigkeit im Iran-Konflikt dürfte auch königlicher Charme kaum reichen. In der kommenden Woche treffen der König und der Präsident aufeinander.
Trump behauptet, der Iran wisse nicht, wer sein Anführer sei
Von Daniel Macher, Redaktor am Newsdesk
Der Iran habe «grosse Schwierigkeiten herauszufinden, wer ihr Anführer ist», schreibt Trump auf Truth Social und behauptet, ein Machtkampf zwischen «Hardlinern» und «Moderaten» sei «crazy». Die Hardliner würden «auf dem Schlachtfeld BADLY verlieren», während die vermeintlich moderateren Kräfte an Einfluss gewinnen würden. Zugleich erklärt Trump, die USA hätten «die totale Kontrolle über die Strasse von Hormus» – kein Schiff könne die Meerenge ohne Zustimmung der US-Marine passieren, sie sei «fest abgeriegelt», bis Iran zu einem «Deal» bereit sei.
Die Aussagen passen zur aktuellen Einschätzung aus Washington, wonach interne Spannungen im iranischen Machtapparat die Verhandlungen blockieren. Laut US-Regierung ringen zivile Politiker und Revolutionsgarden um die Linie im Konflikt mit den USA. Während Vertreter wie Parlamentschef Ghalibaf und Aussenminister Araghtschi Gespräche fortsetzen wollen, lehnen die Garden Zugeständnisse ab – insbesondere solange die US-Seeblockade anhält.
Die Lage spitzte sich zuletzt an der Strasse von Hormus zu: Araghtschi erklärte sie für geöffnet, während die Revolutionsgarden parallel weiter Schiffe stoppten. Diese widersprüchlichen Signale stützen Trumps Darstellung eines zerstrittenen Regimes – auch wenn Teheran selbst Berichte über interne Konflikte als «Propaganda» zurückweist. Vor diesem Hintergrund verlängerte Trump den Waffenstillstand, setzt Iran aber gleichzeitig mit markigen Drohungen weiter unter Druck.
Warum der Konflikt zwischen den USA und Iran noch eine Weile dauern könnte, hat meine Kollegin Chiara Schlenz aufgeschrieben. Hier gehts zum Text.
Trump: Habe Marine befohlen, «jedes Boot zu beschiessen und zu versenken»
Von Daniel Macher, Redaktor am Newsdesk
Der US-Präsident scheint langsam aber sicher die Geduld zu verlieren. Auf seiner Plattform Truth Social wurde Donald Trump deutlich: Er habe der US-Marine befohlen, «jedes Boot zu beschiessen und zu versenken», das Minen in der Strasse von Hormus auslege. Es dürfe «kein Zögern geben». Zugleich teilte er mit, Minensuchboote seien bereits im Einsatz, und ordnete an, die Massnahmen «mit dreifacher Intensität fortzusetzen».
Im vergangenen Monat hatte Donald Trump bereits erklärt, das US-Militär werde Schiffe angreifen, die Minen legen. Nun rückt das Thema erneut in den Fokus, nachdem Trump angesichts des zunehmenden globalen wirtschaftlichen Drucks über mögliche Regelungen für den Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Strasse von Hormus verhandelt.
Sowohl der ehemalige US-Präsident als auch Verteidigungsminister Pete Hegseth betonten wiederholt, die iranische Marine – deren Stärke auf rund 150 Schiffe geschätzt wird – sei demnach «zerstört» worden.
US-Streitkräfte entern Öltanker im Indischen Ozean
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
In der Nacht auf Donnerstag enterte das US-Militär ein weiteres Schiff, das mit dem Iran in Verbindung steht. Wie das Kriegsministerium auf der Plattform X mitteilt, wurde «eine maritime Intervention und eine Kontrolle» eines staatenlosen Tankers durchgeführt, der scheinbar Öl aus dem Iran transportierte.
Der Tanker war bereits von den USA sanktioniert. «Wir werden unsere weltweiten maritimen Massnahmen fortsetzen, um illegale Netzwerke zu zerschlagen und Schiffe abzufangen, die den Iran materiell unterstützen», so begründet das Kriegsministerium die Aktion auf X. «Internationale Gewässer dürfen von sanktionierten Akteuren nicht als Schutzschild missbraucht werden.»
Es ist schon das zweite Schiff, das von den USA seit Beginn der Seeblockade beschlagnahmt wird. Am Sonntag versuchte ein iranisch gekennzeichnetes Frachtschiff, die US-Blockade der Strasse von Hormus zu durchbrechen. Das Kriegsschiff USS Spruance fing den Frachter im Golf von Oman ab und forderte ihn zum Anhalten auf. Als dies nicht geschah, wurde zuerst auf das Frachtschiff geschossen und dieses infolge geentert. Es befindet sich noch in US-Gewahrsam.
Funktioniert die US-Blockade der Strasse von Hormus?
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Seit bald zehn Tagen blockiert die US-Marine die Strasse von Hormus. Das Ziel von Präsident Donald Trump war es, den Iran mit dieser Massnahme wirtschaftlich zu schwächen.
Über 30 iranische Schiffe, hauptsächlich Öltanker, wurden seit Beginn der Blockade von den USA angehalten und zur Umkehr aufgefordert. Erst am Donnerstagmittag meldete «Bloomberg», dass zwei weitere iranische Öltanker von der US-Marine abgefangen wurden. Ein Schiff wurde ausserdem von US-Marines geentert und befindet sich noch immer unter amerikanischer Kontrolle.
Hat die Blockade also ihr Ziel erreicht? Teilweise, besagt eine Analyse von CNN. Die US-Seeblockade iranischer Häfen habe zwar die Ölindustrie des Landes lahmgelegt, doch die Verladeinfrastruktur ist nach wie vor intakt. Laut Daten der Analyseplattform Kpler, die von CNN ausgewertet wurden, befinden sich weiterhin Tanker in den iranischen Verladezonen. Auch fliesse Rohöl aus der Islamischen Republik nach wie vor ungehindert nach China.
Zudem besitzt der Iran noch immer einen Hafen, der die Strasse von Hormus und damit die US-Blockade umgeht. Am Ölexportterminal Jask herrsche ein Rekordhoch an Lagerbeständen von fast sechs Millionen Barrel Öl.
Ausserdem ist der Iran noch im Besitz seiner sogenannten «Moskitoflotte», einer grossen Anzahl kleiner Schnellboote. Wie effektiv diese Schnellboote tatsächlich sind, hat mein Kollege Marian Nadler in seinem Artikel analysiert.