Mohammad Bagher Ghalibaf (64) ist derzeit einer der mächtigsten und einflussreichsten Politiker im Iran. Der 64-Jährige ist der Sprecher des nationalen Parlamentes und ehemaliger Oberbürgermeister der Hauptstadt Teheran. Obwohl er in der Vergangenheit mehrfach gegen die USA und ihre Verbündeten hetzte und mit Vergeltung für den Krieg im Iran drohte, scheint Washington Ghalibaf als Verhandlungspartner ins Auge gefasst zu haben.
Aus der Sicht von Donald Trump (79) könnte der 64-Jährige ein potenzieller Vermittler sein. Vielleicht will der US-Präsident ihn sogar als zukünftigen Anführer im Iran installieren. Das sagen mehrere anonyme Quellen dem US-Magazin «Politico». «Er ist eine vielversprechende Option», meint ein Regierungsbeamter. «Er gehört zu den Besten. Aber wir müssen ihn erst einmal testen und dürfen nichts überstürzen.»
Ernsthaftes Interesse an Verhandlungen?
Doch wie realistisch sind Gespräche zwischen den USA und dem Iran überhaupt? Und welche Rolle könnte Ghalibaf zuteilwerden?
«Ich halte es für möglich, dass erste indirekte Gespräche stattgefunden haben und von verschiedenen Staaten in der Region, die traditionell eine Vermittlerrolle eingenommen hatten, angeleitet wurden», sagt Philipp Dienstbier, Leiter des Regionalprogramms Golf-Staaten der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), zu Blick.
Ob beide Staaten wirklich ein ernsthaftes Interesse haben, sei indes unklar. «Die USA verlegen momentan mehrere Marineinfanterie- und Luftlandeverbände in die Region, mit der sie auch eine Bodenoffensive in Iran starten könnten», so Dienstbier.
«Schwieriger Gegenspieler»
Sollte es zu Gesprächen kommen, wäre Ghalibaf gemäss dem Experten ein einflussreicher Kontaktmann. «Ghalibaf ist nach den Tötungen anderer iranischer Regimevertreter gestärkt hervorgegangen und gehört auch zu den Hintermännern, die die Wahl des neuen ‹Obersten Führers› Motschtaba Chamenei orchestriert haben.»
Ghalibaf zähle seit Jahrzehnten zum inneren Kreis des Regimes, mit engen Beziehungen zum ehemaligen Ayatollah Ali Chamenei. Ob er aber tatsächlich die Macht habe, die Revolutionsgarden zum Einstellen der Kampfhandlungen zu bewegen, müsse sich erst zeigen.
Und sein Verhältnis zu den USA? Ghalibaf erklärte jüngst, es gäbe gar keine Verhandlungen mit den USA. «Das mag hinter den Kulissen anders sein, zeigt jedoch, welch schwieriger Gegenspieler er in Verhandlungen wäre», meint Dienstbier. «Andererseits ist er einer der wenigen ‹starken Männer› im Regime, der noch nicht getötet wurde und der somit als Gesprächspartner infrage kommt.»
«Aussenpolitischer Hardliner»
Ghalibaf hat im Iran eine steile Karriere hinter sich. Lange war er Teil der Armee und führte dort unter anderem die Luftstreitkräfte der Revolutionsgarde. Nach seiner Zeit bei der Armee wurde er Polizeichef und war später zwölf Jahre lang Oberbürgermeister der Hauptstadt Teheran. Ghalibaf versuchte mehrmals erfolglos, Irans Präsident zu werden. Derzeit ist der Parlamentssprecher.
«Ghalibaf gehört eigentlich zu den extremistischen Vertretern des Regimes», so Dienstbier. «Er war in der Vergangenheit an der Niederschlagung von Protesten im Iran beteiligt und ist ein aussenpolitischer Hardliner, auch wenn manche Beobachter ihm in der momentanen Lage nachsagen, er könnte zu pragmatischen Schritten bereit sein.»
An Zugeständnisse seitens des Iran hinsichtlich des Friedensplans von Trump glaubt der Experte unterdessen nicht. «Teheran glaubt, dass es aus den letzten Wochen Krieg gestärkt hervorgegangen sei, etwa weil es durch die Angriffe auf Schiffe in der Strasse von Hormus einen grossen ökonomischen Schaden anrichten konnte und damit seine Macht demonstriert habe.»