Darum gehts
- Anthropic erreicht auf Sekundärmärkten eine Bewertung von bis zu eine Billion US-Dollar
- Ein Investor bot kürzlich Aktien für 1,15 Billionen Dollar an
- Die Bewertung des Konkurrenten OpenAI fällt, die Nachfrage ist gering
Aktuell erhalten frühe Investoren von Anthropic, dem Entwickler des KI-Sprachmodells Claude, mehrere Kaufangebote pro Tag. Verzweifelte Käufer reissen sich um die immer knapper werdenden Anthropic-Anteile auf dem Sekundärmarkt, was die Bewertung des Unternehmens auf einigen Plattformen auf bis zu eine Billion US-Dollar treibt. Noch vor wenigen Wochen wäre ein solcher Preis unvorstellbar gewesen.
Währenddessen sinkt laut Gesprächen von «Business Insider» mit Händlern die Nachfrage nach OpenAI-Aktien. Das Unternehmen wird derzeit schlechter bewertet als Anthropic. Noch bei der letzten Finanzierungsrunde lag die Bewertung von OpenAI bei 852 Milliarden Dollar – damals mehr als doppelt so hoch wie die von Anthropic. Kelly Rodriques, CEO von Forge Global, bestätigt die 1-Billion-Dollar-Bewertung von Anthropic auf der Handelsplattform Forge Global, die auf Aktien von Privatfirmen spezialisiert ist. Zum Vergleich: OpenAI bewertet die Plattform aktuell mit 880 Milliarden Dollar, etwas höher als in der Finanzierungsrunde im März.
Da weder Anthropic noch OpenAI börsennotierte Unternehmen sind, können die meisten Anleger ihre Anteile nur auf Sekundärmärkten erwerben – verkauft von aktuellen oder ehemaligen Mitarbeitern oder ursprünglichen Investoren. Beide Unternehmen reagierten nicht auf Anfragen zu dieser Praxis. Ein Anthropic-Anleger bot kürzlich an, seine Aktien mit einer Bewertung von 1,15 Billionen Dollar zu verkaufen, sagte Ken Sawyer, Mitbegründer und geschäftsführender Gesellschafter von Saints Capital, einem Fonds für den Sekundärmarkt. Ein bekannter Wachstumsfonds hat angeboten, Anthropic-Aktien mit einer Bewertung von 1,05 Billionen Dollar zu kaufen, schrieb Jesse Leimgruber, Gründer von Openhome, diese Woche auf der X-Plattform. «Das ist absoluter Wahnsinn», kommentierte er.
Hype um Anthropic-Aktien
Einige interessierte Käufer haben zu kreativen Mitteln gegriffen und sogar angeboten, ihr Haus gegen Anthropic-Aktien zu tauschen, sobald die Unternehmensbewertung 800 Milliarden Dollar übersteigt. Erst vor drei Monaten schloss Anthropic eine Finanzierungsrunde ab, die das Unternehmen noch mit 380 Milliarden Dollar bewertete.
Seither hat es im kalifornischen Silicon Valley einen regelrechten Hype um die Aktien des KI-Unternehmens gegeben. Anleger sind beeindruckt vom kräftigen Umsatzwachstum des Unternehmens und dem Entwicklungstempo seines KI-gestützten Programmierassistenten Claude Code.
Kaufangebote werden täglich überboten
«Anthropic hat eine fantastische Entwicklung durchgemacht», bilanziert Glen Anderson, CEO der spezialisierten Investmentbank Rainmaker Securities. «Jeder möchte an den generationenübergreifenden Chancen der KI teilhaben, und Anthropic ist heute in dieser Branche führend.» «Business Insider» berichtete jüngst, dass der KI-Riese zahlreiche Angebote von Risikokapitalfonds erhielt, die die Firma mit bis zu 800 Milliarden Dollar bewerteten. Und auch Anderson erhielt kürzlich ein Angebot zum Kauf von Anthropic-Aktien zu einer Bewertung von 960 Milliarden Dollar – eine Zahl, die noch vor wenigen Wochen unrealistisch schien.
«Wir bekommen ein Angebot, und am nächsten Tag überbietet es jemand. Es gibt praktisch keine Verkäufer», sagt Anderson. Aktionäre bestätigen, dass sie täglich mit zahlreichen Verkaufsangeboten überschüttet werden. «Wir erhalten jeden Tag Vorschläge – von absurden bis hin zu sehr ernsthaften», sagte Bradley Horowitz, Partner bei Wisdom Ventures und früher Investor sowohl bei Anthropic als auch bei OpenAI. «Ich lese diese E-Mails kaum, weil wir kein Interesse haben. Wir sind langfristig orientiert.»
Fomo heizt Nachfrage an
Laut Anderson wird ein Grossteil des Nachfragebooms eher durch Fomo («Fear of Missing Out») als durch harte Marktdaten getrieben. Investoren aus Risikokapitalfonds und zahlreichen Family Offices glauben, sie müssten Anthropic-Aktien besitzen, egal, wie hoch der Preis ist: «Es geht nicht so sehr um die Rendite, sondern vielmehr um das Prestige, Aktionär von Anthropic zu sein», sagt er. «Das treibt die Preise in die Höhe.»
Anderson räumt ein, dass die Nachfrage nach OpenAI-Aktien in diesem Jahr gering ausfiel und die Angebote unter der Bewertung von 852 Milliarden Dollar aus der letzten Finanzierungsrunde liegen. «Das Interesse am Markt für OpenAI hat deutlich nachgelassen», kommentiert er. Und: «Die Stimmung hat sich eindeutig in Richtung Anthropic verschoben.»