Darum gehts
- Swiss streicht im Sommer 2026 insgesamt 326 Flüge wegen Pilotenmangels
- Betroffen sind die Langstrecken nach Chicago und Shanghai
- 300 überzählige Flugbegleitende, Abgangsprämie von bis zu 15’000 Franken
Bei der Swiss kehrt keine Ruhe ein: Auch in diesem Jahr musste die Airline für den Sommer erneut zahlreiche Flüge streichen – diesmal über 300. Grund ist einmal mehr ein Mangel an Pilotinnen und Piloten.
Wie «Aerotelegraph» berichtet, fallen insgesamt 326 Flüge aus – rund 0,4 Prozent des gesamten Sommerflugplans. Schon 2025 hatte die Swiss 1400 Flüge absagen müssen. «Die Streichungen sind das letzte Mittel», sagt Swiss-COO Oliver Buchhofer (49) im Gespräch mit dem Luftfahrtportal.
Weniger Flüge nach Chicago und Shanghai
Besonders betroffen sind Langstreckenverbindungen. So fliegt die Lufthansa-Tochter bis Mitte Juni nur noch 12 statt 14 Mal pro Woche nach Chicago. Nach Shanghai hebt Swiss im Sommer gar nur noch dreimal ab – zuvor waren es sieben Flüge wöchentlich. «Wir setzen bei personalintensiven Strecken an», erklärt Buchhofer. Das Problem: Die Swiss hat schon länger mit einem Pilotenmangel zu kämpfen. Ihr fehlen Kapitäne und Co-Piloten auf mehreren Flugzeugtypen – vom A320 bis zum A340.
Weitere Faktoren verschärfen die Lage: Elf Jets stehen derzeit wegen Triebwerksproblemen am Boden – und das wird sich auch nicht so schnell ändern: «Die Schwierigkeiten mit den Triebwerken von Pratt & Whitney begleiten uns seit einiger Zeit», so Mediensprecher Michael Pelzer auf Anfrage von Blick. Ein Teil der betroffenen Kurzstreckenflotte sei aufgrund fehlender Ersatztriebwerke bereits seit mehreren Jahren am Boden. «Eine spürbare Verbesserung ist nicht in Sicht.»
Triebwerksprobleme bleiben ein Problem
Ob die betroffenen Flugzeuge bald wieder in die Luft gehen können, bleibt unklar und hänge von sehr vielen, sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren ab, so Pelzer weiter. «Die weltweite Verfügbarkeit der betreffenden Ersatztriebwerke sowie der benötigten Ersatzteile ist sehr dynamisch.» Die Zahl der Flugzeuge, die nicht einsatzbereit seien, könne deshalb von Woche zu Woche variieren.
Dazu kommen langwierige Umschulungen – etwa auf den neuen Airbus A350, der im Sommer erstmals im Liniendienst fliegen soll. Kurzfristige Entlastung ist nicht in Sicht. Denn laut Gesamtarbeitsvertrag dürfen neue Crewmitglieder nur schrittweise aufsteigen: Vom Co-Piloten auf Kurzstrecke bis zum Kapitän auf Langstrecke dauert es Jahre.
Zu wenige Piloten – zu viel Bordpersonal
Während im Cockpit Personal fehlt, herrscht in der Kabine Überschuss: Swiss beschäftigt zeitweise bis zu 300 Flugbegleiterinnen und -begleiter zu viel. Wer freiwillig geht, erhält aktuell eine Abgangsprämie von bis zu 15’000 Franken. Bei einem 100-Prozent-Pensum entspricht dies etwa vier Monatslöhnen, bei einem Grundgehalt von rund 4000 Franken pro Monat.
Grund für die ungewöhnlichen Massnahmen: Das Personalproblem ist weniger schnell behoben als bisher angenommen – erst bis 2027, heisst es in einer internen Mitteilung der Airline, die Blick vorliegt. Zudem sei der Gewinn deutlich gesunken, und zusätzliche Belastungen wie steigende Kerosinpreise und Flugausfälle infolge des Iran-Kriegs verschärfen die Situation weiter.
Wie das 15’000-Franken-Angebot bei den Swiss-Mitarbeitenden ankommt, ist bisher nicht bekannt. Die Blick-Community sieht den Deal äusserst kritisch – hier gehts zur Auswertung unserer Umfrage.