Darum gehts
- USA mieten Englische Kirche erstmals für WEF in Davos 2026
- Evangelische Gemeinde Davos erhält «tiefen, sechsstelligen Betrag» als Mieteinnahmen
- «House of God» fungiert als Anlaufstelle für christliche WEF-Besucher und Interessierte
Am diesjährigen Weltwirtschaftstreffen in Davos GR haben die USA zum ersten Mal ihre Zelte in der Englischen Kirche, direkt neben dem Kongresszentrum, aufgeschlagen. Die Kirchenfenster sind kaum mehr sichtbar, darüber hängen grosse Transparente mit dem amerikanischen Adler, der US-Flagge und dem Kapitol in Washington. Dazu der Spruch: «USA House – Freedom 250», in Anlehnung an das 250-jährige Bestehen der Vereinigten Staaten in diesem Jahr. Das Gotteshaus steht am Fusse eines Hügels, in Sichtweite des Kongresszentrums.
Ein paar Meter die Strasse hinauf und die Kirche überblickend, thront das Pfarrhaus der Freien Evangelischen Gemeinde Davos. Auch dort gibt es heuer eine Neuerung. Ein riesiges, blaues Transparent hängt vom Balkon. In weissen Grossbuchstaben lässt es verlauten: «House of God». Auch dieses Haus gibt es am WEF so das erste Mal.
Bibel-Zitat vor den Augen des amerikanischen Adlers
Im Vorgarten der amerikanisierten «English Church» steht ausserdem eine Werbetafel im bekannten Bibel-Zitate-Stil. Darauf steht prominent: «Lehre uns zählen unsere Tage, damit wir weise werden». Darunter dieselbe Lehre in englischer Sprache. Die Frage drängt sich auf: War das Absicht? Will man dem US-Präsidenten Donald Trump (79) zeigen, dass es in Davos und der Welt noch eine höhere Instanz gibt als ihn?
Blick trifft den Präsidenten der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) in Davos, Markus Lehmann (52) vor «seiner» Kirche. Die Mieter aus Übersee sind gerade damit beschäftigt, das 1883 erbaute, altehrwürdige Gebäude herzurichten. Mitarbeiter wischen den Eingangsbereich bis ins kleinste Detail sauber.
Blick will wissen, ob das erhabene «House of God» und die Tafel vor der Kirche ein Wink mit dem Zaunpfahl seien. Lehmann winkt ab, sagt aber: «Das Gott über dem House of USA steht, ist eigentlich ein schöner Gedanke.» Es sei aber nicht die Absicht der FEG gewesen, mahnend den Zeigefinger zu heben. Bis letztes Jahr wurde auch das Pfarrhaus an die Medien vermietet. «Auf diese Mietzinseinnahmen verzichten wir nun zugunsten des House of God.» Dieses Gotteshaus neben dem Gotteshaus fungiert 2026 als Anlaufstelle für christliche WEF-Besucher – und Interessierte.
Wie viel Geld zahlen die Amis für die Kirche?
Die Frage, die alle umtreibt: Wie viel Geld bekommt die Freie Evangelische Gemeinde für die WEF-Woche? Einen «tiefen, sechsstelligen Betrag» hätten die Amerikaner für die Miete der Kirche springen lassen, sagt Lehmann. Geheimnisvoll fügt er an: «Genaue Zahlen geben wir keine raus». Der Betrag halte sich aber in Grenzen: «Wir verlangen bewusst nicht mehr und haben auch schon Angebote bekommen, die das Doppelte geboten haben. Man würde auch eine Million bekommen.» Aber das wolle man gar nicht. «Wir möchten ein Zeichen setzen gegen den Mietwucher.»
Dieses Geld, schätzungsweise zwischen 100'000 und 200'000 Franken, komme der Glaubensgemeinschaft in Davos zugute. «Als Freikirche sind wir nicht von Steuerzahlern bezahlt und finanzieren uns selbst», sagt Lehmann. Ein Teil dieses Geldes werde aber auch weiterverteilt. «Wir unterstützen unter anderem Kirchgemeinden in der Schweiz, die knapp bei Kasse sind.» Weiter gehören ein Jugendhaus, Missionare im Ausland und verfolgte Christen weltweit zu den Begünstigten der USA-Mietzinseinnahmen.
«Trump ist jemand, der polarisiert»
Die Vermietung der Englischen Kirche ist ein langjähriges Konzept hier in Davos. «Das Gebäude ist sehr nahe am Kongresszentrum, früher war es einmal sogar in der Sicherheitszone», sagt Lehmann. Jahrelang diente sie dem Fernsehsender CNBC als Fernsehstudio, Firmen waren zudem auch Untermieter. Dass ein Land sich darin einnistet, ist neu. Dass es in Anbetracht der Schlagzeilen der letzten Tage und Monate ausgerechnet die USA sind, scheint den Kirchenleuten ein klein wenig unangenehm zu sein.
Dazu sagt Lehmann: «Donald Trump ist sicher jemand, der sehr polarisiert. Zum Glück gibt es in der amerikanischen Regierung auch noch viele andere Leute, die mitwirken.» Ob alles, was Trump mache, so schlecht sei, darüber wolle er nicht urteilen. «Wir sind hier in einer Spannung drin, das ist so. Aber wenn wir unsere Kirche nicht zur Verfügung stellen, dann steht das House of USA auf der anderen Strassenseite.»
Noch weiter den Hügel hinauf und damit noch höher über der Kirche und dem Pfarrhaus thront das Gebäude in Davos, dessen Bewohner dafür bekannt sind, überhaupt kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Diplomatische Äusserungen wie die von Lehmann findet man dort nicht. An der Hausfassade hängen schon seit Jahren Transparente, die das WEF und die Grossmächte, die zu Besuch kommen, kritisieren. 2026 sind diese Kritiken unverhohlenen Kraftwörtern gewichen. Eines davon: «Nazi Trump Fuck Off».