Die Schweiz war in Achtungstellung. Die Medien spürten, welches Kaliber da im Anflug ist. Die «NZZ» titelte: «Trump übernimmt das Weltwirtschaftsforum». Und fragte sogleich, auf die wartende Journalistenschar blickend: «Ist es ein Kniefall? Ist es Begeisterung, oder ist es die Faszination für ein unerklärliches Phänomen?»
Diese Zeilen erschienen 2018. Wenn der US-Präsident am Mittwoch erneut in Davos auftritt, ist einiges wieder genau wie damals: der Medienrummel, die Materialschlacht, das Sicherheitsdispositiv – und die Schreckstarre der offiziellen Schweiz. Der Bundesrat weiss, dass jedes falsche Wort den hart erarbeiteten Zolldeal mit Washington atomisieren könnte.
Etwas aber ist diesmal anders. Die Schweiz heisst mit Trump einen Politiker willkommen, der angesichts der kalten geostrategischen Wirklichkeit seine Grenzen zu spüren bekommt: Mit seinen Grönland-Ambitionen und den gestern angekündigten Zöllen gegen Deutschland und andere europäische Länder verstört der US-Präsident die westlichen Bündnispartner. Nach der Entführung des venezolanischen Diktators Nicolas Maduro fragt sich Lateinamerika, ob der Amerikaner für die Zeit danach überhaupt einen Plan hat. Im Iran lässt sich Trump durch seine Zögerlichkeit von einem Regime vorführen, das im Namen Allahs die eigene Jugend massakriert. Man kann sich Trumps Rede ausmalen, wenn das Blutvergiessen in Teheran in die Ära seines Vorgängers Joe Biden fiele. Dazu kommt der nicht endende Ukrainekrieg. Innenpolitisch kämpft der Republikaner gegen die unverändert hohen Preise und irritiert mit dem Vorgehen der bewaffneten Immigrationsbehörde ICE.
Der Nimbus des Übermenschen, wie ihn Trump in seiner Maga-Anhängerschaft genoss, ist vorüber. In Davos wird ein Donald Trump auftreten, der unter die Sterblichen zurückgekehrt und vom Zauberer zum Zauderer mutiert ist.
2018 schrieb ein Blick-Leser: «Wenn Gott in Zürich landen würde, wäre der Aufwand nicht grösser.» Diese Beobachtung mag immer noch zutreffen. Bloss ist heute um einiges klarer, dass nicht Gott in die Schweiz kommt.