Darum gehts
- Peter Friedli, seit 1998 Davos-Teilnehmer, erhielt 2026 keine WEF-Einladung
- Friedli vermutet Ausschluss wegen Nähe zu WEF-Gründer Klaus Schwab
- WEF-Teilnahme kostet fünfstellige Beträge
Peter Friedli (71) ist ein «Davos Man» der ersten Stunde. Seit 1998 hat der selbstständige Investor an jedem Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums (WEF) teilgenommen. Doch in diesem Jahr ist alles anders, Friedli hat keine Einladung mehr erhalten. Warum, erzählt er bei einem Blick auf seine Erlebnisse hinter den Kulissen des WEF.
Blick: Herr Friedli, wieso wurden Sie dieses Jahr nicht mehr nach Davos eingeladen?
Peter Friedli: Das frage ich mich auch! Vonseiten der WEF-Offiziellen habe ich keine plausible Begründung erhalten. Meine Vermutung: Ich war «too close to Klaus». Nach all den Turbulenzen im vergangenen Jahr wollte man die «Friends of Klaus» nicht mehr dabei haben. Auch einige andere, langjährige WEF-Teilnehmer haben keine Einladung erhalten.
Schmerzt Sie das, nach so vielen Jahren plötzlich abserviert zu werden?
Nein, ich bin eher enttäuscht über den Umgang. Ich habe mir schon länger überlegt, ob ich wirklich noch jedes Jahr ans WEF fahren möchte. Andererseits: Hätte ich eine Einladung erhalten, wäre ich wohl wieder dabei. Denn ich bin dankbar für all die Jahre in Davos.
Hatten Sie in den vergangenen Monaten Kontakt mit WEF-Gründer Klaus Schwab?
Ja, wir haben immer mal wieder telefoniert. Ich glaube, mittlerweile hat er sich mit der Situation arrangiert. Er konzentriert sich aufs Bücherschreiben. Und er weiss, was er in den vergangenen mehr als 50 Jahren aufgebaut und geleistet hat. Die ganze Sache ist einfach sehr unglücklich, traurig und unnötig.
Inwiefern?
In jeder Organisation dieser Grösse findet man Dinge, die nicht gut laufen. Nur sollte man diese nicht in der Öffentlichkeit diskutieren und die Medien ins Boot holen. Am Ende gibt es nur Verlierer. Ging es um Macht? Ich bin von einigen Leuten im Stiftungsrat sehr enttäuscht. Die Vorwürfe haben sich in Luft aufgelöst, was mich nicht überrascht hat – auch weil ich Klaus Schwab sehr gut kenne.
Wäre es für die Schweiz ein Verlust, wenn das WEF abwandern würde?
Das WEF wird in der Schweiz bleiben, davon bin ich überzeugt. Der Geist von Davos ist wichtig für das Jahrestreffen. Um die Jahrtausendwende gab es in Davos grosse Demonstrationen und Ausschreitungen. In dieser Zeit bin ich mit Klaus Schwab nach Whistler Mountain in Kanada gereist, um einen alternativen Austragungsort zu prüfen. Doch diese Idee war schnell wieder verworfen. Die Atmosphäre am WEF in Davos ist einzigartig, das lässt sich nicht einfach an einen anderen Ort verschieben.
Sie gelten als WEF-Insider. Wie bekommt man überhaupt eine Einladung für dieses Wirtschaftsgipfeltreffen?
Ich bin seit über 45 Jahren selbstständig im Bereich Life-Science und Medikamente mit einem starken Bezug zu den USA. Klaus Schwab wollte nicht nur die Topmanager in Davos. Deshalb hat er immer auch viele Wissenschaftler und NGOs eingeladen. Er wollte eine gute Durchmischung, und da habe ich reingepasst. Kurz nachdem wir uns kennengelernt hatten, hat er mich nach Genf zu einem Mittagessen eingeladen. Und ein paar Wochen später kam die Einladung für das nächste WEF.
Aber gratis ist das nicht?
Nein, aber ich zahle keinen sechsstelligen Betrag wie zum Beispiel strategische Partner.
Auch ein fünfstelliger Betrag ist eine Stange Geld – lohnt sich das?
So viel Geld lohnt sich auf alle Fälle. Ich vergleiche das WEF oft mit anderen Konferenzen und komme immer wieder zum Schluss: Davos bietet das beste Preis-/Leistungsverhältnis von allen.
Zusätzlich zum wöchentlichen Newsletter «Wirtschafts-Briefing» am Freitag versendet das Blick-Wirtschaftsteam während der WEF-Woche ab Dienstag täglich ein «WEF-Briefing» mit den wichtigsten News rund um das Treffen der globalen Elite in Davos GR. Noch kein Abonnent des «Wirtschafts-Briefings»? Hier findest du den Link zu exklusiven Ein- und Ansichten in die Welt der Wirtschaft und Politik. Das tägliche «WEF-Briefing» flattert zur gewohnten Zeit um 9 Uhr in die elektronischen Briefkästen.
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Wegen all der Hinterzimmerdeals?
Nein, die Hinterzimmerdeals sind ein Klischee. Ich habe in Davos nie Geschäfte gemacht, für mich ging es immer um den Austausch mit spannenden Personen, mit denen ich sonst nicht in Kontakt gekommen wäre. Zu den beeindruckendsten Erlebnissen gehört ein Treffen mit einem der Astronauten von Apollo 13. Mit US-Ex-Präsident Bill Clinton (79) habe ich in Davos auf einer Stiege im Steigenberger-Hotel ein Bier getrunken, Popcorn gegessen und Superbowl geschaut. An einem Nachtessen habe ich mal neben Christie Hefner (74) gesessen, die damals das Playboy-Imperium geführt hat.
Aber gut fürs Geschäft ist Davos schon?
Indirekt ja. Ich habe viele Pharma-CEOs getroffen und mich mit ihnen über die neusten Entwicklungen in der Branche ausgetauscht. Und wenn ich mich dann später wegen des Geschäfts bei ihnen gemeldet habe, wussten sie, wer ich bin. Mit Leuten wie Bill Gates oder Michael Dell habe ich mich zum Beispiel hauptsächlich über Privates ausgetauscht.
Wie sieht denn ein typischer WEF-Tag aus?
Davos ist eine anstrengende Zeit. Der Tag beginnt früh und endet spät. Am Morgen ein Breakfast-Meeting. Der Tag kann auch mal mit einem Sting-Club-Konzert vor vielleicht 100 Leuten enden.
Peter Friedli (71) war 1998 zum ersten Mal am WEF in Davos GR. Seitdem hat er nur einmal gefehlt. Friedli ist ein Schweizer Venture-Unternehmer und Investor, der sich auf Biotechnologie und Technologie-Beteiligungen spezialisiert hat. Er gründete unter anderem 1992 in den USA die Biotech-Firma Osiris Therapeutics, die er 2019 an den Medtech-Konzern Smith & Nephew verkaufte. Das brachte ihm einen dreistelligen Millionenbetrag ein. Friedli hat in rund 170 Firmen investiert, davon viele Start-ups, und gilt als einer der bekanntesten und gewieftesten Schweizer Private-Equity-Pioniere. Friedli ist verheiratet und Vater einer Tochter. Er lebt mit seiner Familie am Zürichsee.
Peter Friedli (71) war 1998 zum ersten Mal am WEF in Davos GR. Seitdem hat er nur einmal gefehlt. Friedli ist ein Schweizer Venture-Unternehmer und Investor, der sich auf Biotechnologie und Technologie-Beteiligungen spezialisiert hat. Er gründete unter anderem 1992 in den USA die Biotech-Firma Osiris Therapeutics, die er 2019 an den Medtech-Konzern Smith & Nephew verkaufte. Das brachte ihm einen dreistelligen Millionenbetrag ein. Friedli hat in rund 170 Firmen investiert, davon viele Start-ups, und gilt als einer der bekanntesten und gewieftesten Schweizer Private-Equity-Pioniere. Friedli ist verheiratet und Vater einer Tochter. Er lebt mit seiner Familie am Zürichsee.
Wilde Partys eingeschlossen?
Die Zahl der Partys hat abgenommen – und so wild waren die auch nicht. Das hat auch mit den globalen Regeln zur guten Unternehmensführung zu tun. Da passen wilde Partys weniger gut. Zudem schauen auch die grossen Firmen immer mehr aufs Geld. Noch etwas anderes ist mir aufgefallen: Die Zahl der Schweizer Teilnehmer ist zurückgegangen, weil die Chefetagen der Schweizer Unternehmen internationaler geworden sind.
Sind Escort-Damen noch immer ein heisses Thema in Davos?
Vielleicht war mal die eine oder andere dort. Ich weiss es nicht, aber all die Manager in Davos sind auch Privatpersonen. Und was sie privat tun, ist ihre Sache.
Sie gelten als Trump-Fan. Sind Sie das auch noch nach den Strafzöllen für die Schweiz?
Nicht ein Fan, aber da ich seit Jahren viel in den USA bin und dort Firmen besitze, sehe und erlebe ich die Dinge anders als die meisten Schweizer. Einfach drauflos zu prügeln, ohne Kenntnisse der Fakten, ist nicht mein Ding. Ich bin, wie ich bin. Die 39 Prozent waren Willkür, die 15 Prozent sind immer noch hart und treffen auch mich und meine Firmen. Das ist aus Schweizer Warte nicht gut. Aber aus amerikanischer Sicht ist das grosse Handelsdefizit ein Problem. Trump packt dieses Problem an. Das ist gut für Amerika. Und was gut für Amerika ist, ist auch gut für uns.
Das rüpelhafte Gehabe stört Sie nicht?
Trump ist in New York aufgewachsen. Jeder New Yorker ist ein Grossmaul, anders kann man in dieser Stadt nichts erreichen. Trumps Charakter ist das eine, wenn er sich wie ein Elefant im Porzellanladen aufführt, passt mir das auch nicht. Andererseits packt er die grossen Probleme der USA an: Schulden, Pharmapreise, Handelsdefizit, Migration und gesunde Nahrung. Das sehen auch viele Demokraten so, nur würden sie das nicht öffentlich sagen.