Darum gehts
- Swisscom erhöht Abo-Preise ab April und reduziert Stellenangebote
- Aktionäre erhalten Dividende von bis zu 27 Franken pro Aktie
- 2025 in der Schweiz 575 Stellen weniger, Konzerngewinn bei 1,27 Milliarden Franken
Echt jetzt?! Das denken sich gerade nicht wenige. Vor ein paar Tagen erst erfuhren Millionen Kundinnen und Kunden, dass die Nummer 1 unter den Telekom-Anbietern ihre ohnehin sehr hohen Preise ab April noch mehr erhöhen wird. Diese Preisrunde wird Swisscom einen «zweistelligen Millionenbetrag» einbringen.
Gleichzeitig verspricht der Konzern, der mehrheitlich dem Staat gehört, seinen Aktionären eine schöne Dividendenerhöhung – von 22 auf 26 Franken. Wenn die Ziele erreicht werden, sind es sogar 27 Franken pro Aktie. In die Staatskasse fliessen damit nun fast 700 Millionen Franken. Das sind rund 100 Millionen mehr als zuvor. «Millionen Kunden werden zur Kasse gebeten, den Aktionären gönnt man einen dreistelligen Millionenbetrag», ärgern sich langjährige Kunden, die anonym bleiben wollen.
Gekündigte Angestellte sind sauer
Doch nicht nur Nutzern von Swisscom-Angeboten haut es derzeit den Nuggi raus, sondern auch jenen, die im Sold des Telekomanbieters stehen. Oder standen! «Mir wurde mit der Begründung ‹Stellenabbau› gekündigt», sagt Daniel W.* (46) zu Blick. Er war bis vor kurzem im Netzausbau als Projektmanager bei der Swisscom tätig.
Interessant: Öffentlich bekannt sind seit ein paar Tagen lediglich Kündigungen bei Cablex. Bei der Swisscom-Tochter trifft es eine «zweistellige Zahl» von Mitarbeitenden in der Schweiz, begründet mit Preisdruck im Infrastrukturausbau.
«Das ist gar nichts im Vergleich zu dem, was bei der Swisscom selber gerade abläuft», sagt W*. Er spricht von «ein paar Hundert Stellen», die vor dem Abbau stünden – Swisscom-Angestellten wie ihm, denen bereits gekündigt wurde.
Fakt ist: Der Konzerngewinn tauchte im vergangenen Jahr auf 1,27 Milliarden Franken. Das ist das schlechteste Ergebnis seit dem Jahr 2011. Grund dafür sind Integrationskosten der Riesenübernahme von Vodafone Italia. Swisscom kündigte am Donnerstag Kosten-Sparprogramme an – die auch stark die Mitarbeitenden im Schweizer Heimmarkt trafen und treffen.
575 Stellen weniger allein in der Schweiz
Per Ende 2025 beschäftigte Swisscom hierzulande 15'330 Personen (Vollzeitstellen). Laut einem Sprecher sind das 575 Stellen weniger innert Jahresfrist.
Zu mutmasslich laufenden Abbau-Programmen bleibt das Unternehmen vage. Der Sprecher bestätigt aber, dass bei der Swisscom weitere Arbeitsstellen wegfallen. «Der steigende Anteil an Glasfaser statt Kupfer führt zu reduzierter technischer Komplexität in den Netzen, was sich in einer tieferen Supportquote niederschlägt», begründet er weniger benötigte Jobs im Privatkundengeschäft. «Stellen fallen teils auch in IT-Bereichen weg, wo gewisse Technologien wie 3G eingestellt oder Prozesse automatisiert werden.»
Betroffene unterstütze die Swisscom-Tochter Worklink. Deren Spezialisten würden helfen, in- oder externe Anschlusslösungen zu finden.
Gekündigte sorgen sich über ihre Zukunft
Einsparungen realisiert die Swisscom gemäss eigenen Angaben auch über vereinfachte Arbeitsabläufe, den Einsatz von künstlicher Intelligenz und durch ein reduziertes Stellenangebot. Der Sprecher: «Für das laufende Jahr 2026 erwarten wir insgesamt einen rückläufigen Stellenbestand.» Bei jeder Kündigung komme ein Sozialplan zum Tragen, der überdurchschnittliche Leistungen erbringe und die persönliche Situation der Mitarbeitenden wie Alter und Dienstjahre berücksichtige.
«Ich war der Jüngste im Team, habe keine Familie und keine Kinder, darum traf es mich», sagt W., der seit Februar auf der Strasse steht. Obwohl er ein Systemtechnik-Studium inklusive Nachdiplom vorweisen kann, hat er Angst, keinen Job mehr zu finden. Er ist damit nicht allein: «Diese Sorge teilen alle 20 Gekündigten, die mit mir letzte Woche bei Worklink in einem Raum sassen.»
* Name geändert