Darum gehts
- Tina-Trams von Stadler sorgen für Ärger in Darmstadt, Halle und Basel
- Anwohner klagen über Vibrationen, Lärm und Schäden an Gebäuden
- Stadler investiert in gummigefederte Räder, Testfahrten starten im Juli 2026
In Darmstadt (D) und in Halle (D) gehen die Emotionen hoch wegen der neuen Tina-Trams von Stadler Rail. Anwohner beklagen sich seit Monaten über Vibrationen und Lärm der Niederflur-Fahrzeuge. Wenn ein Tram vorbeifährt, zittern Teller, Heizkörper vibrieren, an Schlaf ist nicht zu denken. Das nervt die Menschen, die an einer Tramlinie wohnen. Eine Bürgerinitiative hat in Darmstadt ein Nachtfahrverbot und ein Tempolimit gefordert.
Noch schlimmer rumpelts in Halle. Anwohnerinnen und Anwohner haben inzwischen genug vom Tina-Tram, wie das «St. Galler Tagblatt» berichtet. Sie fordern einen sofortigen Stopp der Testfahrten. Bewohner berichten von spürbaren Erschütterungen in ihren Wohnungen, herabfallenden Möbelteilen und Rissen im Mauerwerk. Einige beklagen sich gar über unerträgliche gesundheitliche Belastungen.
In Basel «Erdbeben-Drämmli» genannt
Der gleiche Tram-Typ ist auch in Basel unterwegs. Seit der Einführung vor anderthalb Jahren klagen Anwohner in Basel über Lärm, Vibrationen und Erschütterungen. Die Basel haben den Tina-Trams (Tina steht für «Total integrierter Niederflurantrieb») deshalb den wenig schmeichelhaften Übernamen «Erdbeben-Drämmli» verpasst. Der Handlungsbedarf ist erkannt – Stadler und die BLT Baselland Transport unternehmen den nächsten Rettungsversuch.
Konkret: Ein Tina-Tram wird mit neuen, gummigefederten Rädern ausgestattet, wie Stadler Rail mitteilt. «Dies hat im Zusammenspiel von Rad und Schiene eine stärker dämpfende Wirkung», schreibt der Schienenfahrzeugbauer von Peter Spuhler (67) mit Sitz in Bussnang TG. Mehrere «regelmässige Messungen im Stadtgebiet» würden die Wirksamkeit dieser Massnahme überprüfen. Anfang Juli beginnen erste Testfahrten mit dem umgebauten Tram.
Stadler übernimmt die Kosten
Beim Lärm vermeldet Stadler bereits erste Erfolge. Dank zusätzlicher Dämpfungselemente, Anpassungen an den Radprofilen und Optimierungen bei Bremsen und Verkleidungen seien die Fahrzeuge heute nur noch halb so laut wie zu Beginn, teilt das Thurgauer Unternehmen mit. Die komplette Tina-Flotte wurde inzwischen lärmsaniert.
Die Kosten für die Nachbesserungen übernimmt Stadler selbst. Falls die neuen Gummiräder funktionieren, rüstet der Hersteller bestehende Fahrzeuge nach. Und liefert Tina-Trams künftig bereits ab Werk mit den neuen Rädern aus. Nicht überall gibt es Probleme, wie Stadler betont. Etwa in den Städten Den Haag (NL), Rostock (D) und Gera (D) fahren die Tina-Trams weitgehend problemlos. Lärm und Vibrationen treten «in historisch gewachsenen Tramnetzen mit engen Kurven, Weichen und unterschiedlichen Unterbauten» auf, wie Stadler schreibt. In Darmstadt, Halle und Basel kann man ein Lied davon singen.