Darum gehts
- Das ehemalige Einkaufszentrum Centro Ovale in Chiasso TI steht seit 2015 leer
- Jegliche Umnutzungspläne scheiterten bisher
- Neuer Eigentümer hat zahlreiche offene Rechnungen: Strom- und Wasserabstellung droht
Wer mit dem Auto über Chiasso TI in die Italienferien reist, kennt den eiförmigen Betonbau: Das Centro Ovale war bei mit seiner spektakulären Architektur bei der Eröffnung im Jahr 2011 Hoffnungsträger der Region. Der ehemalige Shoppingtempel mit rund 11'000 Quadratmeter Fläche sollte Einkaufslustige aus der ganzen Südschweiz anlocken.
Mittlerweile ist das Centro Ovale zum Schandfleck mutiert. Die ambitionierten Pläne sind nicht aufgegangen, zu nah war der Standort am günstigeren Ausland. Seit Ende 2015 steht der Bau leer. Die «Handelszeitung» berichtete damals über die erste «Dead Mall» der Schweiz.
2023 kam Geistershoppi in neue Hände
Immer wieder gab es Umnutzungspläne für das Betongebäude, keiner davon ging je auf. Zuletzt weckte ein Eigentümerwechsel im Jahr 2023 neue Hoffnungen. Der Tessiner Unternehmer Andrea Righetto kaufte mit seiner Firma Illiar das leerstehende Geistershoppi. Bruno Arrigoni, damaliger und heutiger Bürgermeister von Chiasso, gab sich optimistisch: «Dem Gebäude könnte eine neue und vielversprechende Zukunft bevorstehen», sagte dieser in einer Rede.
Jetzt ist klar: Das Centro Ovale steht wohl definitiv vor dem Aus, wie die Tessiner Tageszeitung «La Regione» berichtet. Jegliche Zukunftspläne Righettos werden nicht mehr realisiert. Seine Firma befindet sich in Liquidation, wie dem Handelsregister zu entnehmen ist.
Und offenbar bleiben Righetto jetzt nicht mal mehr genug finanzielle Mittel, um den Unterhalt seines leeren Shoppingtempels zu bezahlen: Seit vergangenem Oktober seien Strom- und Wasserrechnungen nicht beglichen worden – trotz mehrfacher Mahnungen, wie die Zeitung schreibt. Die ausstehende Summe beläuft sich auf einige Tausend Franken.
Tessiner Unternehmer hatte grosse Pläne
Righetto wollte das Centro Ovale nach seinem Kauf von einem Shopping- in einen Gaming-Tempel verwandeln. In Chiasso sollte ein neues Zentrum für Videospiele und virtuelle Sportarten entstehen – mit dem hippen neuen Namen «Ellipticum».
Ausserdem war ein sogenanntes «Smart Hotel» geplant. Über welche Tech-Spielereien dieses verfügen sollte, war nie klar. Righetto versicherte damals aber gegenüber dem Bürgermeister, dass in- und ausländische Tech-Firmen grosses Interesse am Projekt zeigten.
Doch es kam anders: Wenige Monate später hat die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma Righettos Unternehmen auf eine Warnliste gesetzt. Gegen das Unternehmen und die beteiligte Einzelperson wurden «Ermittlungen wegen illegaler Aktivitäten eingeleitet», erklärte die Finma damals gegenüber dem Lokalmedium «Corriere del Ticino». Ausserdem seien die Beteiligten «ihren Meldepflichten gegenüber der Finma nicht nachgekommen» und hätten «falsche Angaben gemacht».
Centro Ovale wird wohl Strom und Wasser abgestellt
Wegen der sich häufenden Rechnungen verschickte die Wasserwerke SIBM (Servizio Approvvigionamento Idrico Basso Mendrisiotto) Ende Dezember 2025 schliesslich ein Schreiben, in dem es ankündigte, bald das Wasser abzustellen. Gleichzeitig hat die Behörde ein Betreibungsverfahren eingeleitet. Der Gemeinderat von Chiasso hat zudem am Dienstag entschieden, die Stromversorgung zu den beleuchteten Werbetafeln an der Aussenfassade des Centros zu kappen.
Eine fehlende Wasser- und Stromversorgung wäre für die Gemeinde ein Problem. Unter dem Centro Ovale befindet sich eine Tiefgarage, die teilweise im Besitz der Gemeinde ist. Sollten Wasser und Strom tatsächlich abgestellt werden, wäre sie nicht mehr nutzbar – und das Geistershoppi würde endgültig verkommen.