Wegzug aus der Schweiz?
Ermotti redet gegenüber Analysten von Konsequenzen

UBS-Chef Sergio Ermotti verschärft nach starken Quartalszahlen den Ton gegen strengere Eigenkapitalvorschriften. Mit den jüngsten Aussagen erhöht der UBS-Chef den Druck auf die Politik.
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Sergio Ermotti spricht gegenüber Analysten von Konsequenzen.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Die UBS übertrifft im dritten Quartal die Vorjahreswerte, die CS-Integration ist fortgeschritten
  • Der Ständerat will Auslandsbeteiligungen der UBS zu 90 Prozent mit hartem Kernkapital unterlegen
  • Ermotti sagt, die UBS prüfe langfristige Folgen für ihre Wettbewerbsfähigkeit aus der Schweiz
Sven Schumann
Sven SchumannRedaktor Wirtschaft

Eigentlich kann UBS-Chef Sergio Ermotti (66) zufrieden sein: Das Geschäft der UBS läuft gut. Am Mittwoch hat die Grossbank ihre Zahlen für das dritte Quartal veröffentlicht. Sowohl beim Ertrag als auch beim Vorsteuerergebnis übertrifft sie ihr Vorjahresergebnis. Auch die Grossbaustelle der letzten Jahre – die Integration der Credit Suisse – befindet sich auf der Zielgeraden. Bald kann sich die Bank wieder vollständig auf ihr Tagesgeschäft konzentrieren.

Doch trotz der guten Nachrichten hat Ermotti nicht nur Grund zur Freude. Die strengen Eigenkapitalvorschriften des Bundes stossen dem UBS-CEO sauer auf. In einer Telefonkonferenz mit Analysten wählte der Top-Banker markige Worte, wie Bloomberg berichtet. «Wir prüfen die langfristigen Konsequenzen für unsere Wettbewerbsfähigkeit von der Schweiz aus», sagte Ermotti laut der Nachrichtenagentur. Zwar schätze die UBS die Schweiz. «Doch ein Schweizer Pass reicht heutzutage nicht mehr aus», so Ermotti weiter. Und: «Das Ergebnis im Ständerat vom September ist sehr beunruhigend.»

«Entscheidender Wendepunkt»

Damit verstärkt der UBS-Chef den Ton gegenüber der Politik. Im November 2025 bezeichnete der Tessiner die Wegzugs-Gerüchte noch als «Bullshit». Die Pläne für schärfere Eigenkapitalvorschriften kritisieren Ermotti und auch UBS-Präsident Colm Kelleher (69) aber seit Beginn der Debatte. Zu strenge Eigenkapitalvorschriften für ausländische Tochtergesellschaften seien eine Belastung für die UBS und den Schweizer Wirtschaftsstandort, so die Argumentation der UBS-Spitze.

Gleichzeitig sickerten in den letzten Wochen immer wieder Gerüchte durch, dass sich die UBS mit Grossbanken im Ausland über eine Fusion oder Übernahme unterhalte. Die letzte Schweizer Grossbank soll dafür mehrere Notfallpläne ausgearbeitet haben.

Kommunikation verschärft sich

Von den Drohgebärden vom Paradeplatz zeigte sich das hiesige Parlament bisher unbeeindruckt: Im September entschied der Ständerat, dass die Grossbank ihre Ausland-Töchter zu 90 Prozent mit hartem Kernkapital unterlegen muss. Laschere Vorschriften fanden hingegen keine Mehrheit.

Will die Grossbank strenge Regulierungsvorschriften abwenden, muss sie in den kommenden Wochen den Nationalrat überzeugen, dass er den Ständerats-Entscheid noch kippt. Das dürfte nicht einfach sein: Der Nationalrat ist tendenziell weniger bankenfreundlich als der Ständerat. Ob es Ermotti mit solch markigen Worten gelingt, die grosse Parlamentskammer zu weniger strengen Eigenkapital-Regeln zu bewegen?

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