Traum vom Eigenheim platzt
Bei städtischen Mietern macht sich Frust breit

In den Schweizer Städten ist die Sehnsucht nach einem Häuschen auf dem Land gross. Besonders junge Mieterinnen und Mieter in den Zentren wohnen nicht dort, wo sie gerne würden, zeigt eine neue Studie. Sind die Babyboomer schuld?
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Der Traum vom Eigenheim ist bei den Schweizerinnen und Schweizern immer noch präsent.
Foto: SVEN THOMANN

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Über 70 Prozent der 25- bis 40-Jährigen träumen von Eigenheim
  • Durchschnittliches Kaufalter für Eigenheim liegt mittlerweile über 40 Jahren
  • Schweiz hat 300’000 unterbelegte Einfamilienhäuser auf grossen Parzellen
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Michael HotzTeamlead Wirtschafts-Desk

Den stetig steigenden Immo-Preisen zum Trotz: Herr und Frau Schweizer träumen weiterhin vom eigenen Haus. Besonders stark ausgeprägt ist dieser Wohntraum bei den Jungen. Über 70 Prozent der 25- bis 40-Jährigen wünschen sich ein Eigenheim, wie aus der Wohntraumstudie 2026 von Moneypark und Helvetia hervorgeht.

Wunsch und Wirklichkeit gehen aber immer weiter auseinander. Junge Menschen können sich das Einfamilienhaus mit Gärtli einfach nicht mehr leisten. Das durchschnittliche Kaufalter liegt mittlerweile bei über 40 Jahren. Langjährige Hausbesitzer profitieren von den tiefen Zinsen und bleiben deshalb auch im höheren Alter, wenn die Kinder längst ausgezogen sind, in ihren vier Wänden wohnen.

Städter träumen vom Haus auf dem Land

Bei jenen, die weiterhin vom Eigenheim träumen, macht sich nun zunehmend Frust breit – insbesondere in den Schweizer Städten. Denn auch der Wunsch nach einem freistehenden Einfamilienhaus lebt auf dem Land weiter. 37 Prozent der Städter wünschen sich laut Studie eine andere Wohnumgebung. Gerade die Mieterinnen und Mieter sind unzufrieden: Zwei Drittel geben in der Umfrage an, dass ihre Wohnung nicht ihrem bevorzugten Immobilientyp entspricht. Zum Vergleich: Bei den Einfamilienhaus-Besitzern liegt der Wert bei 11 Prozent.

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Die Moneypark-Studie zeigt: Bei jungen Mieterinnen und Mietern, die heute in der Stadt leben, macht sich zunehmend Frust über die eigene Wohnsituation breit. Sie sehnen sich nach einem Haus auf dem Land – nur wird dieser Traum für sie immer unerreichbarer. «Die Wohnpräferenzen und die tatsächliche Entwicklung laufen in der Schweiz auseinander: Viele Menschen würden lieber ländlicher wohnen, ziehen aber wegen Arbeitsplätzen, Infrastruktur und sozialem Umfeld in die Zentren. So erleben wir weniger eine Landflucht als eine anhaltende Verstädterung», sagt Moneypark-CEO Lukas Vogt zu den Ergebnissen.

Bund nimmt Hüsli der Babyboomer ins Visier

Weil viele ihren Eigenheim-Traum nicht mehr bezahlen können, ist zuletzt eine Generation in den Fokus gerückt: die Babyboomer. Sie besitzen einen grossen Teil der Einfamilienhäuser. Viele wohnen heute allein oder zu zweit in Häusern, die einst für Familien gebaut wurden. Gegenüber Blick sprach das Bundesamt für Wohnungswesen im April von «rund 300’000 Einfamilienhäusern auf grosszügigen Parzellen, die häufig unterbelegt sind und von einer zunehmend älteren Bewohnerschaft bewohnt werden». Viele dieser Häuser seien «kaum für ein selbständiges Wohnen im Alter geeignet» – wegen ihrer Grösse, der hohen Unterhaltskosten, fehlender Barrierefreiheit oder der schlechten Anbindung an Läden und den öffentlichen Verkehr.

Die Behörden wollen jetzt wissen, was sich aus den Einfamilienhausquartieren herausholen lässt. Eine nationale Studie, mitfinanziert vom Bundesamt, soll das Entwicklungspotenzial systematisch untersuchen. Sie ist Teil eines grösseren Projekts, das von der Beratungsfirma Wüest Partner angestossen worden ist. Beteiligt sind auch die Kantone Bern und Baselland sowie die Ortschaften Burgdorf BE, Thun BE und Binningen BL. 

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