Topfavorit Aleksandar Ivanovic – wirklich?
Was von der Spekulation um Ermottis Nachfolge zu halten ist

Im April 2027 verlässt Sergio Ermotti laut der «Financial Times» die UBS. Die britische Wirtschaftszeitung gibt einem der bekannten Nachfolge-Kandidaten ein besonderes Gewicht. Zu Unrecht.
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Und tschüss? Vermutlich im Laufe des nächsten Jahres dürfte UBS-Chef Sergio Ermotti gehen. Um später als Präsident wiederzukommen.
Foto: Keystone

Darum gehts

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Holger Alich
Handelszeitung

Die «Financial Times» hat am Dienstag der Debatte um die Nachfolge von UBS-Chef Sergio Ermotti ein neues Kapitel beigefügt. Das Pflichtblatt der Bankszene will erfahren haben, dass Ermotti im April des nächsten Jahres den Staffelstab weiterreichen will. Und nennt Kandidatinnen und Kandidaten für seine Nachfolge. Was ist davon zu halten?

Artikel aus der «Handelszeitung»

Dieser Artikel wurde erstmals im Angebot von handelszeitung.ch veröffentlicht. Weitere spannende Artikel findest du unter www.handelszeitung.ch.

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Ermottis vermutetes Abgangsdatum ist nicht neu. Er selbst hat immer gesagt, dass er nach erfolgreicher Integration der Credit Suisse, die dieses Jahr geschafft sein soll, den CEO-Job abgeben wolle. Ein Datum im Frühjahr nächsten Jahres vor der Generalversammlung, die meist im April stattfindet, ist daher naheliegend. Sollten aber auf den letzten Metern noch Probleme auftauchen, sei auch nicht ausgeschlossen, dass Ermotti noch länger bleibe, heisst es.

Skepsis gegenüber dem angeblichen Frontrunner

Interessant ist, wen die FT von den Nachfolge-Kandidaten hervorhebt: Sie nennt als Ersten den aktuellen Chef des Assetmanagements, Aleksandar Ivanovic. Dies hat bei vielen Medien zur Interpretation geführt, der Schweizer sei der Frontrunner in Sachen Ermotti-Nachfolge.

Tatsächlich schreibt die FT aber, Ivanovic sei nur «einer der Exekutiven, die am wahrscheinlichsten Ermotti nachfolgen.» Und zählt dann die weiteren üblichen Verdächtigen auf, wie die beiden Co-Chefs der Vermögensverwaltung, Iqbal Khan und Rob Karofksy, sowie die neue COO Bea Martin. 

In Bankenkreisen gilt Ivanovic mitnichten als der aussichtsreichste CEO-Kandidat. Denn er leitet nur die kleinste Sparte der Bank und ist erst seit März 2024 Mitglied der Geschäftsleitung. Operative Erfahrung in der Kernsparte, der Vermögensverwaltung für reiche Privatleute, hat er nicht. Und seine Investmentbanking-Erfahrung ist schon einige Jahre her.

UBS-Präsident Colm Kelleher betont stets, dass der oder die neue CEO mehrere Geschäftsbereiche der Bank kennen müsse. Vor allem Kenntnisse im Investmentbanking gelten als Schlüssel, um die komplexe Grossbank steuern zu können.

In diesem Kontext fällt auf, dass der Verwaltungsrat mehrmals Aspiranten wie Iqbal Khan, Bea Martin und Rob Karofsky Zusatzjobs gegeben hat, Ivanovic bisher aber nicht. Der Co-Leiter der Vermögensverwaltung Iqbal Khan zum Beispiel wurde auch Präsident der Region Asien. Dank diesem Zusatzjob hat er zudem die Oberaufsicht über das dortige Investmentbanking. Und Bea Martin wurde erst im Januar zur COO befördert. Die gebürtige Spanierin hat sich um den geräuschlosen Abbau der CS-Investmentbank Anerkennung verschafft. Kurzum: Das Rennen um den Topjob bei der UBS ist noch lange nicht gelaufen.

Ermotti würde gern UBS-Präsident werden

Klar ist auch: Ermotti will gehen, um später als UBS-Präsident zurückzukommen. Beim «Bilanz»-Talk im vergangenen September hat Präsident Colm Kelleher erklärt, dass er sich «freuen» würde, wenn Ermotti ihn unter den richtigen Umständen als Präsident beerben würde. Dazu zähle «eine angemessene Cooling-off-Periode». Sollte Ermotti dann tatsächlich im April 2027 gehen, könnte er 2028 als Verwaltungsrat zurückkehren, um später Kellehers Präsidentschaft zu übernehmen. Dank der erfolgreichen Integration der CS ist er bei den Grossinvestoren wie Cevian beliebt; sie würden es gerne sehen, wenn Ermotti der UBS erhalten bleibt.

Aus Ermottis Umfeld verlautet indes eine Einschränkung: Sollte der Bundesrat im Parlament mit den Plänen zur massiven Erhöhung der Eigenmittelanforderungen für die UBS durchkommen, dürfte er keine Lust auf das Präsidentenamt haben. Denn in dem Fall müsste die Bank ihre Struktur und Strategie anpassen – die Wachstumspläne im US-Geschäft liessen sich so vermutlich kaum umsetzen. Für solch eine Schrumpfkur stünde Ermotti nicht zur Verfügung, heisst es.

CEO und VRP sollen nicht beide Schweizer sein

Zwischen dem Job des CEO und des Bankpräsidenten gibt es zudem eine Wechselwirkung. Kelleher hat ebenfalls erklärt, er halte es für «absolut unerlässlich, eine Kombination aus Schweizern und Nicht-Schweizern im Vorsitz und als CEO zu haben», um dem internationalen Charakter des Geschäfts gerecht zu werden. Sollte Ermotti tatsächlich neuer UBS-Präsident werden, blieben als CEO-Aspiranten dann eigentlich nur COO Bea Martin und der Leiter der US-Vermögensverwaltung, Rob Karofsky, übrig.

Sicher scheint lediglich: Es wird ein interner Kandidat werden. Die UBS ist gut aufgestellt, es gibt keinen Grund für eine externe Berufung, um die Strategie der Bank umzubauen.

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