«Vorschlag ist viel zu teuer»
Bankiervereinigung und UBS lehnen Regulierungsvorschlag vom Bund ab

Die Schweizerische Bankiervereinigung kritisiert die vom Bundesrat vorgeschlagene UBS-Regulierung. Auch die Grossbank selbst zerpflückt den Vorschlag in einer 33-seitigen Stellungnahme. Er sei viel zu teuer und schade der Schweizer Volkswirtschaft, heisst es darin.
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Die Schweizerische Bankiervereinigungl lehnt die vom Bundesrat vorgeschlagenen UBS-Regulierungsmassnahmen ab.
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Keystone-SDADie Schweizer Nachrichtenagentur

Die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) lehnt die vom Bundesrat vorgeschlagene UBS-Regulierung ab. Sie fordert stattdessen verhältnismässige und international abgestimmte Regeln. 

Der vorgesehene Vollabzug ausländischer Beteiligungen vom harten Kernkapital CET1 würde – vor allem in Kombination mit weiteren Kapitalmassnahmen des Gesamtpakets – die bereits strengen Anforderungen der Schweiz zusätzlich und leichtfertig verschärfen, teilte die Branchenorganisation am Montag mit.

Es brauche jetzt eine Gesamtsicht auf alle geplanten Kapitalmassnahmen: «Eine verantwortungsvolle Regulierung setzt eine umfassende Analyse aller Massnahmen und ihrer Wechselwirkungen voraus», lässt sich Roman Studer, CEO der SBVg, in einer Mitteilung zitieren. «Nur mit einer Gesamtsicht lassen sich Doppelspurigkeiten, Fehlanreize und unnötige Belastungen vermeiden.»

Auch UBS lehnt Vorschlag vehement ab

Ins gleiche Horn bläst auch die UBS selbst, die noch am selben Tag ein 33-seitiges Statement zum Vorschlag publizierte: In ihrer Stellungnahme schreibt die Grossbank, der Vorschlag sei viel zu teuer, schade der Schweizer Volkswirtschaft und sei nicht die richtige Antwort auf den CS-Untergang.

Die UBS «lehnt den vollständigen Abzug ausländischer Tochtergesellschaften vom harten Kernkapital (CET1) ab, da dieser weder verhältnismässig noch international abgestimmt und auch nicht zielgerichtet wäre», heisst es. Der Vorschlag des Bundesrats führe zu massiven Mehrkosten und gefährde die Fortführung des erfolgreichen Geschäftsmodells.

Dieser würde laut den Angaben bei der Bank zu einem zusätzlichen harten Kernkapitalbedarf von circa 23 Milliarden US-Dollar führen. Das würde hohe Kosten verursachen – nicht nur für die Bank, sondern für den gesamten Finanzplatz, Haushalte und Unternehmen. Die Bank müsste die Zusatzkosten teilweise mit erhöhten Preisen auf Krediten und Dienstleistungen in der Schweiz kompensieren. Die Schweizer Volkswirtschaft würde somit in den Augen der UBS geschwächt.

Derweil hätte das bereits bestehende Regime – konsequent angewendet – die Credit Suisse viel früher zu strukturellen Anpassungen gezwungen. «Die Credit-Suisse-Krise war primär das Resultat einer nicht nachhaltigen Strategie und ungenügender Profitabilität der Bank, eines mangelnden Risikomanagements, einer unangemessenen Kultur und einer schwachen Governance.»

Bankiervereinigung pocht auf Standortnachteil

Der Bundesrat halte zwar fest, dass faktisch nur die UBS direkt von der vorgeschlagenen Kapitalverschärfung betroffen wäre, so die Bankiervereinigung. Die massive Massnahme hätte jedoch weitreichende Folgen: Sie würde zu höheren Kosten und möglichen Einschränkungen bei internationalen und nationalen Bankdienstleistungen führen und das Auslandsgeschäft für Banken in der Schweiz verteuern. Dadurch entstünde ein struktureller Standortnachteil, der nicht nur international tätige Banken betreffe, sondern den gesamten Finanzplatz schwäche und die Schweizer Realwirtschaft belaste.

Es sollten nach Ansicht der Bankiervereinigung «tragfähige» Alternativen zur vorgeschlagenen Maximalvariante geprüft werden. «Der faktische Ausschluss einer wesentlichen Kapitalkomponente in der Eigenmittelunterlegung für ausländische Beteiligungen ist unverständlich», heisst es in der Stellungnahme. Nach heutigem Recht gelten sowohl hartes Kernkapital CET1 als auch AT1 als Kapital, das Verluste absorbieren kann. Der geplante Ausschluss von AT1 sei sachlich nicht nachvollziehbar.

«Unverhältnismässiger Sonderweg»

Und auch der Verband Economiesuisse stellt sich deutlich gegen die vom Bundesrat vorgeschlagene vollständige Kapitalunterlegung der UBS-Auslandstöchter. Es handle sich um einen «unverhältnismässigen Sonderweg», schreibt der Wirtschaftsdachverband in einem Communiqué. 

Der Vorschlag würde die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes schwächen, ist sich auch Economiesuisse einig: «Für einen stark international ausgerichteten Finanzplatz mit globaler Strahlkraft wäre ein Alleingang dieser Tragweite gefährlich.»

Der Vorschlag steht für den Wirtschaftsverband zudem im Widerspruch zum PUK-Bericht. So hätten bei der CS-Krise die Auslandseinheiten der gescheiterten Grossbank keine ursächliche Rolle gespielt. Die Probleme hätten im Managementversagen und in einem Vertrauensverlust gelegen, der schliesslich in einer Liquiditätskrise mündete.

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