Darum gehts
- Ab dem 9. September verbindet das private Bahnunternehmen European Sleeper Zürich mit Brüssel
- Tickets gibts bereits ab 27,30 Franken
- Reisende müssen dafür aber längere Fahrten mit vielen Stopps in Kauf nehmen
Reisen per Nachtzug werden beliebter. Und die Nachfrage dürfte in Zeiten von steigenden Flugticketpreisen weiter steigen. Darauf setzt das niederländische Bahn-Start-up European Sleeper. Das 2023 gegründete Unternehmen nimmt dieses Jahr zwei neue Nachtzug-Strecken aufs Programm – eine davon führt durch die Schweiz, wie dieses in einer Mitteilung verkündet. Zuerst hat der «Tages-Anzeiger» darüber berichtet.
Ab dem 9. September können Passagiere vom Zürcher Hauptbahnhof bis in die belgische Hauptstadt Brüssel reisen. Die Strecke wird dreimal wöchentlich bedient – immer sonntags, mittwochs, und freitags. Der Zug verlässt Zürich um 22.48 Uhr, Brüssel erreicht man um 11.10 Uhr am nächsten Morgen. Beim neuen Angebot handelt es sich aber nicht um eine Direktverbindung: Zwischen den Endstationen Brüssel und Mailand (I) gibt es mehrere Zwischenstopps, auch in der Schweiz: Neben Zürich hält der Zug unter anderem in Göschenen UR und Bellinzona, Lugano und Chiasso im Tessin.
Tickets günstiger als Fliegen
Der Ticketverkauf lief bereits am vergangenen Dienstag an. Dabei zeigt sich: European Sleeper setzt auf Kampfpreise. Die billigste Reisekasse in einem Sitzwagen gibts für 29.90 Euro, was 27.30 Franken entspricht. Eine Fahrt im Schlafwagen startet bei 50 Euro, also 45.50 Franken. Für mehr Service – beispielsweise inkludiertem Frühstück – zahlt man maximal 120 Euro. Tickets für Flüge ab Zürich in Richtung Belgien starten nicht selten bei 100 Franken.
Dafür gibt es aber Abstriche bei der Reisedauer oder dem Niveau der Waggons. Wegen der vielen Stopps ist man auch deutlich länger unterwegs als beispielsweise in den Nightjet-Zügen der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die auch ab Zürich verkehren. Zum Vergleich: Der Nachtzug von European Sleeper braucht von Zürich nach Brüssel gut 12,5 Stunden. Die ÖBB bringt Zürcher in 11,5 Stunden ins weiter entfernte Amsterdam. Zudem setzen die Niederländer auf Wagen mit älteren Baujahren.
Finanzierung ohne Subventionen
Das genossenschaftlich organisierte Bahnunternehmen betreibt den Zug ganz ohne staatliche Subventionen. Genau diese sorgten zuletzt bei einer geplanten Nachtzug-Verbindung der SBB in der Schweizer Politik für Gesprächsstoff. Diesen April hätte die neue Strecke ab Basel via Kopenhagen (Dänemark) ins südschwedische Malmö den Betrieb aufnehmen sollen. Die Vorfreude war gross, viele erwarben ihre Tickets bereits vorab.
Umso grösser war dann die Enttäuschung: Der Nationalrat sprach sich gegen die erforderlichen Subventionen von 10 Millionen Franken aus – und zog dem Projekt damit den Stecker.