Stimmvolk lehnt Darlehen ab
1000-Franken-Haus in Bassersdorf ZH droht zu verkommen

Das denkmalgeschützte Centrumshüsli steht vor einer ungewissen Zukunft. Eigentlich sollte das Gebäude für symbolische 1000 Franken an einen Verein veräussert werden. An der Urne wurde aber ein Darlehen abgeschmettert. Vereinspräsident Christoph Füllemann ist enttäuscht.
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In Bassersdorf ZH sollte dieses Haus für 1000 Franken verkauft werden.
Foto: Screenshot Google Streetview

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Eine historische Liegenschaft in Bassersdorf ZH soll für 1000 Franken verkauft werden
  • Dafür braucht es ein Darlehen der politischen Gemeinde in Höhe von 500'000 Franken
  • Das Volk lehnte die Initiative knapp ab, jetzt steht das Centrumshüsli vor einer ungewissen Zukunft
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Ein solches Angebot findet man auf dem überhitzten Immobilienmarkt nicht alle Tage: In Bassersdorf im Zürcher Unterland steht ein Haus mit Baujahr 1840 zum Verkauf – für gerade einmal 1000 Franken. Ein gemeinnütziger Verein stand kurz davor, das Centrumshüsli zu übernehmen und daraus ein kulturelles Begegnungszentrum zu machen. Dann kam ihnen das Bassersdorfer Stimmvolk in die Quere, wie zuerst der «Zürcher Unterländer» berichtet hat. Die Zukunft der denkmalgeschützten Liegenschaft ist nun ungewisser denn je. Aber von vorn. 

Die reformierte Kirchgemeinde – derzeitige Besitzerin des Centrumshüslis – will sich seit längerem vom Objekt trennen. Weil sie es nicht mehr braucht, hat die Kirchgemeindeversammlung beschlossen, das charmante Häuschen zu verkaufen. Unter vier Bedingungen: Als Käufer kommt nur eine gemeinnützige Stiftung nach Schweizer Recht infrage. Das historische Haus darf nicht gewinnorientiert genutzt werden und muss öffentlich zugänglich sein. Ganz wichtig: Die Sanierungskosten von 1,1 Millionen Franken müssen gesichert sein. Und eigentlich sollte der Schnäppchenpreis von 1000 Franken nur bis Ende 2025 gelten. 

Verein sammelte Spenden für Umbau

Eine kleine Gruppe Freiwilliger gründete darum den gleichnamigen Verein Centrumshüsli und legte ein detailliertes Konzept vor: Ein Teil der Sanierungskosten wird mit Spenden gedeckt – diese belaufen sich Stand heute auf 682'000 Franken. Die übrigen 500'000 Franken sollten von der politischen Gemeinde zur Verfügung gestellt werden. Die Bassersdorfer Gemeindeversammlung stimmte schliesslich einem rückzahlbaren Darlehen in dieser Höhe zu.

Jedoch wurde ein ursprünglich geplantes öffentliches WC auf dem Areal aus dem Vorschlag gestrichen. Dieses hatte insbesondere der Gemeinderat ausdrücklich gefordert. Am vergangenen Abstimmungssonntag lehnten die Stimmberechtigten den Vorschlag jedoch mit 52,2 Prozent knapp ab – den Ausschlag gaben nur 151 Stimmen. Ein grosser Rückschlag für die engagierten Freiwilligen. 

Gemeinderat empfahl zur Ablehnung

Bei Christoph Füllemann (74), der sich seit über drei Jahren für die Erhaltung des Gebäudes einsetzt, ist die Enttäuschung gross: «Dass unser Projekt jetzt abgelehnt wurde, ist frustrierend. Wir haben sehr viel Zeit und Arbeit darin investiert», sagt der Pensionär im Gespräch mit Blick. Bei seinen arbeitstätigen Vereinsgspöndli sei dies umso mehr der Fall gewesen. Besonders enttäuscht zeigt sich Füllemann über die Haltung des Gemeinderats. Dieser hat im Abstimmungsbüchlein nämlich die Ablehnung der Vorlage empfohlen – weil keine öffentliche Toilette mehr vorgesehen war. «Den Zusammenhang verstehe ich nicht», sagt Füllemann dazu. «Dafür gibt es zwar einen Bedarf. Mit dem Projekt hat das meiner Meinung nach aber wenig zu tun.» 

Als alt Gemeinderat von Bassersdorf wisse er um das Gewicht solcher Abstimmungsempfehlungen: «Mir war klar: Dadurch steht unser Vorhaben vor einer grossen Hürde.» Doch bis zuletzt gab er die Hoffnung auf eine Annahme nicht auf. 

Verein debattiert über Weiterbestand

Was nun mit den über 600'000 Franken an Spenden passiert, stehe «noch in den Sternen», sagt Füllemann. «Den Grossteil machen Zahlungsversprechen von Stiftungen und Gewerblern aus – da sind noch keine Geldbeträge geflossen», erklärt er. Eines sei aber klar: Die Gönner würden transparent informiert, wie es weitergehe. Darüber will der Verein morgen Mittwoch entscheiden. Die Optionen: Den Verein auflösen oder einen neuen Anlauf mit privaten Spendern starten.

Und das Centrumshüsli? Die Gefahr eines Verfalls ist jetzt real. Schliesslich wurden andere denkmalgeschützte Objekte in der Region – unter anderem in Regensdorf, Steinmaur oder Bülach – letztlich zu Ruinen. Ob das Centrumshüsli vom gleichen Schicksal ereilt wird, kann auch Füllemann nicht beurteilen. Doch eines ist für ihn klar: «Ich hoffe, dass das Haus an dieser zentralen Lage für die Öffentlichkeit zugänglich wird. Das ist mein sehnlichster Wunsch.» 


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