Darum gehts
- Büvetta Tarasp in Scuol soll für 18 Millionen CHF restauriert werden
- Lucius-Quelle gilt als stärkste Mineralquelle Europas seit 19. Jahrhundert
- Stimmberechtigte von Scuol entscheiden am 19. April über Sicherungsprojekt
Die Büvetta Tarasp in Scuol GR ist einer der bekanntesten Lost Places der Schweiz. Die Trinkhalle mit Baujahr 1875 liegt am Ufer des Inn. In der Büvetta sprudeln die beiden Mineralquellen Lucius und Emerita. Sie sind die reichhaltigsten Mineralquellen im Unterengadin, Lucius gar die stärkste Europas. Das hat sie im 19. Jahrhundert zu einem mondänen Treffpunkt der Reichen und Schönen gemacht. Sie sind dort aus ganz Europa für Trinkkuren zusammengekommen. Dabei tranken sie Mineralwasser in genau festgelegten Mengen und in fixen Zeitabständen.
Doch die Blütezeit des Bädertourismus ist längst vorbei. Mit dem Niedergang der Kurkultur verlor auch die Büvetta ihre Bedeutung. Jahrzehntelang stand das Gebäude leer. Wind und Wetter nagen an der einst prächtigen Fassade, drinnen verfällt die Einrichtung langsam. Seit 2006 ist der Zugang zum historischen Gebäude wegen Steinschlaggefahr verboten. Lost-Place-Fans lassen sich davon aber nicht abhalten. Sie erkunden das prächtige Gebäude mit dem morbiden Charme – und teilen ihre Fotos in den sozialen Medien.
Seit Jahren gibt es Bestrebungen, die Büvetta zu neuem Leben zu erwecken. Jetzt kommt Bewegung in die Sache, wie die «Südostschweiz» berichtet. Die Büvetta soll originalgetreu restauriert werden. Und dann für Veranstaltungen, Seminare und Mineralwasser-Degustationen genutzt werden. Sie soll wieder zahlungskräftige Touristen anlocken und nicht nur Urbexer. Die Kosten: 18 Millionen Franken. Zuerst muss dafür aber das Gebäude gesichert werden. Mit Netzen und Verankerungen zum Schutz vor Steinschlag, einer Stabilisierung des Flussufers und der Sanierung der Quellfassungen. Am 19. April befinden die Stimmberechtigten von Scuol über das Projekt.
Immer wieder tauchen Investoren auf, die verlassene Gebäude wachküssen wollen. Längst nicht immer ist deren Ansinnen aber erfolgreich, wie ein Blick auf die folgenden Beispiele zeigt.
Raststätte Mia Colpa in Hinterrhein GR
Auch im Restaurant Mia Colpa an der Autobahn A13 gehen nur noch Ruinen-Touristen ein und aus. Vor über 20 Jahren wurde in der Liegenschaft am Nordportal des San-Bernardino-Tunnels zum letzten Mal ein Kaffee serviert. Dabei liegt die Raststätte perfekt. Drei Millionen Autos fahren jährlich an der Beiz vorbei.
Das leerstehende Restaurant in Hinterrhein GR mit 900 Quadratmetern Fläche ist seit Jahren auf dem Immobilienportal Homegate ausgeschrieben – zur Miete, Preis auf Anfrage. Es gibt sogar ein fixfertiges 20-Millionen-Projekt für die heruntergewirtschaftete Liegenschaft. Die Tessiner Immobilienfirma Seta aus Lugano, die das Gebäude vermieten will, schreibt vollmundig von den Möglichkeiten an einem «strategischen und absolut einzigartigen Standort». Das Restaurant biete eine «hervorragende Sichtbarkeit für jedes Geschäfts- und Gastronomieprojekt».
Es tut sich aber nichts. Das dürfte auch noch eine Weile so bleiben. Umbaupläne für ein Restaurant mit Snackbar und E-Ladestationen werden mittlerweile durch eine Neueinstufung als Lawinengefahrenzone erschwert. Die Gemeinde prüft nun, welche Nutzungen überhaupt noch möglich sind.
Historisches Geisterhotel in S-chanf GR
Es gibt aber auch positive Beispiele. So wird in S-chanf GR das historische Hotel Scaletta renoviert. Es stand 14 Jahre lang leer, drohte, zu verlottern. Jetzt wird es für 14,5 Millionen Franken saniert. Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem 16. Jahrhundert soll wiederbelebt werden. Und im Winter 2026/27 mit 36 Zimmern eröffnen.
Das Haus hat künftig auch ein Restaurant mit Sonnenterrasse und flexible Räume für Veranstaltungen, so die Vision. Das Projekt ist wichtig für die ganze Region. Schon während der zweijährigen Bauzeit entstehen 20 Arbeitsplätze. 95 Prozent der Finanzierung sind gesichert. Betrieben wird das Hotel später von der Schweizer Reisekasse Reka.
Geister-Raststätte am Walensee
Die Geschichte der Geister-Raststätte an der A3 in Obstalden GL am Walensee ist ein Drama, das kein Ende zu nehmen scheint. Seit 2003 ist sie geschlossen. Ihr Zustand ist desolat, der Zerfall deutlich sichtbar. Das tut Heinz Peter Moravcik (85) im Herzen weh. 2013 kaufte der Österreicher die Raststätte für 800'000 Franken, weil er sich in sie verliebt hatte. Er hegte grosse Pläne, die aber alle scheiterten – auch wegen Widerständen der Behörden.
Mittlerweile hat der langjährige Besitzer nur noch einen Wunsch: «Ich möchte endlich eine Lösung finden für mein Lebenswerk und noch zu Lebzeiten damit abschliessen können», sagte Moravcik Mitte Dezember zu Blick. Er ist schwer krebskrank, hat nicht mehr lange zu leben. Die Zeit drängt also. Darum macht er nun Druck: auf den Kanton Glarus.