Darum gehts
- Italiens Strände teils ausgebucht, Schweizer weichen wegen Flugunsicherheiten auf Autos aus
- Saisonliege mit Schirm kostet bis zu 3000 Euro in Portonovo
- 30'000 Lido-Betreiber von EU-Strand-Reform bis Juni 2027 betroffen
Der Sommer steht vor der Tür: Im südlichen Nachbarland Italien rechnet das Tourismusgewerbe mit einem riesigen Touristenansturm. Die dortigen Badestrände sind auch bei Schweizerinnen und Schweizern sehr beliebt. Die drohende Kerosinknappheit und die damit verbundenen Unsicherheiten im Flugverkehr dürften heuer noch mehr Schweizer Gäste im Auto in den Süden treiben. An einigen Stränden droht dabei ein skurriles Bild.
Denn die Strandliegen, die zur Saisonvermietung bereitstehen, sind vielerorts schon komplett vergriffen. Trotzdem – oder gerade deshalb – kann man unter der Woche halb leere Strände antreffen. In der Bucht von Portonovo an der Adria sind die Saisonliegen bereits restlos ausgebucht, wie die «Bild» berichtet. Dabei kostet die Kombo aus zwei festen Liegen samt Sonnenschirm zwischen 1200 und 3000 Euro pro Saison. Es gibt sogar Wartelisten.
Stabile Umsätze für Anbieter
Auch in Riccione an der Adriaküste sind die Saisonabos vergeben. Lokale Familien sollen ihre Plätze häufig auf Jahrzehnte hin reservieren. Weitere Beispiele sind Forte dei Marmi und Viareggio in der Toskana, wo die Saisonliegen ebenfalls praktisch weg sind.
Einige Betreiber der sogenannten Lidos, wie die Strandabschnitte in Italien genannt werden, vergeben 60 bis 70 Prozent ihrer Liegen mit einem Saisonabo. Damit können sie die Umsätze sicher einplanen, da sie deutlich weniger wetterabhängig sind. Ein weiterer Effekt davon ist jedoch, dass es unter der Woche vorkommen kann, dass Tagesgäste auf eine Liege chancenlos sind, obwohl die Hälfte der Plätze unbelegt ist. Tagesliegen kosten an den meisten Stränden zwischen 30 und 50 Euro.
Zweiklassengesellschaft und Strand-Reform
Wobei sich an den italienischen Stränden verstärkt eine Zweiklassengesellschaft bildet. Während die günstigen Anbieter die Preise nur moderat anheben, geht es im exklusiven Segment seit Jahren steil nach oben. Besonders teuer wird es in namhaften Strandclubs. An den bekanntesten Adressen in Apulien müssen in der Hauptsaison pro Tag teilweise über 1000 Euro hingelegt werden. Auch in Portonovo stieg der maximale Saisonpreis um 500 Euro. Dieser gilt für exklusive Plätze wie in der ersten Reihe.
Als Preistreiber wird auch die EU-Strand-Reform genannt: Spätestens bis Juni 2027 muss Italien sämtliche bisherigen Strandkonzessionen neu ausschreiben – auf Druck der EU. Grundlage ist die sogenannte EU‑Bolkestein‑Direktive aus dem Jahr 2006. Diese soll mehr Wettbewerb im Binnenmarkt schaffen. In Italien betrifft das rund 30’000 Lido‑Betreiber – und damit Familienbetriebe, die seit Jahrzehnten die Bezahlstrände führen.
Für viele könnte das bedeuten: Ihr langjähriger Lido wird künftig von einem anderen, teils internationalen Anbieter geführt.