Darum gehts
- Chinesische Autobauer wie Xpeng planen Produktion in Europa, Gespräche laufen schon
- Xpeng verkaufte 2025 weltweit 430'000 Autos, Ziel 2026: 600'000
- BYD interessiert an VWs Gläserner Manufaktur, 1349 Autos 2025 in Schweiz verkauft
Chinesische Autobauer erobern Europa. BYD, MG und Co. verkaufen in Deutschland, Frankreich, Italien und in der Schweiz so viele Autos wie noch nie. Die Zulassungszahlen zeigen steil nach oben. Doch die Chinesen geben sich damit nicht zufrieden. Sie wollen mehr. Und sind auch scharf darauf, ihre Autos in Europa zu produzieren. Näher beim europäischen Kunden.
Neustes Beispiel ist Xpeng. 430'000 Autos hat der chinesische Elektroauto-Hersteller 2025 verkauft. 2026 sollen es bereits 600'000 sein. Jetzt sucht Xpeng nach Produktionsstandorten mitten in Europa. Auch, um Zölle auf Importe aus China zu umgehen. Das Xpeng-Management tritt dabei selbstbewusst auf – und schaut sich auch Werke von Volkswagen an.
Breitseite gegen die Konkurrenz
Erste geheime Verhandlungen laufen. «Wir sprechen darüber, ob es hier in Europa einen geeigneten Standort gibt», gibt sich Elvis Cheng, Xpeng-Geschäftsführer für Nordosteuropa, gegenüber der «Financial Times» zugeknöpft. Kann sich dann aber eine Breitseite gegen die hochgelobte deutsche Konkurrenz doch nicht verkneifen: Einige Fabriken bezeichnet er abschätzig als «etwas alt».
Dabei sind Volkswagen und Xpeng eigentlich Partner. Man kennt sich gut und arbeitet zusammen. 2023 stieg VW in China mit 700 Millionen Dollar bei Xpeng ein. Die Wolfsburger sicherten sich fünf Prozent. Mit dem elektrischen Crossover VW ID.Unyx 08 läuft das erste gemeinsam entwickelte Fahrzeug vom Band. Ein zweites Modell wurde eben erst vorgestellt. Xpeng will sein Europageschäft bis 2027 massiv ausweiten und baut ein eigenes Händlernetz sowie Servicepunkte in Deutschland, den nordischen Ländern und den Benelux-Staaten auf.
BYD interessiert sich für Gläserne Manufaktur
Für Volkswagen kommen Investitionen aus China im richtigen Moment. Der deutsche Autobauer steckt in einer tiefen Krise. Nach einem Gewinnrückgang auf 6,9 Milliarden Euro im Jahr 2025 plant der Konzern drastische Einschnitte. Bis 2030 sollen in Deutschland 50'000 Arbeitsplätze abgebaut werden, kündigt CEO Oliver Blume (57) an. Im Zuge eines grossen Sparprogramms wollen die Deutschen die Zahl der Modelle senken und die Fabriken besser auslasten.
Auch Tesla-Konkurrent BYD, der im ersten Quartal 2025 in der Schweiz so richtig Gas gegeben und 1349 Autos verkauft hat, ist scharf auf einen VW-Standort. Und zwar einen prestigeträchtigen: Die chinesische Nummer 1 interessiert sich für die Gläserne Manufaktur in Dresden (D), wo einst VWs Luxusmodell Phaeton hergestellt wurde.
Wie in solchen Fällen üblich, sagen beide Seiten nichts zu den wilden Gerüchten. BYD wäre mit einer Produktion in Deutschland aber grad doppelt geholfen: Sie würde helfen, EU-Zölle zu umgehen. Zudem könnten sich die Chinesen mit dem Gütesiegel «Made in Germany» schmücken.