Darum gehts
- Zwei kritische PHP-Sicherheitslücken führten zu weltweiten Ausfällen im Netz
- Für betroffene Unternehmen und KMU drohen Umsatzausfälle, im schlimmsten Fall sogar Millionenschäden
- Cybersecurity-Experte Nicolas Mayencourt erklärt, dass gerade kleinere Betriebe gefährdet sind
Eine weltweite Cyber-Warnung macht das Internet unsicher: Am Mittwoch gingen unzählige Webseiten vom Netz – auch in der Schweiz. Auslöser sind zwei kritische Sicherheitslücken in PHP. Die Programmiersprache kommt bei einem Grossteil aller Websites zum Einsatz.
Die Gefahr: Über die Lücken können Cyber-Kriminelle ohne Passwort eine Website übernehmen, Daten abgreifen oder Schadsoftwares einschleusen. Erschwerend kam hinzu, dass bereits Details durchsickerten, bevor ein Sicherheitsupdate verfügbar war. Als Reaktion schalteten Schweizer Host-Anbieter sämtliche Webhostings und Server ab – darunter Cyon aus Basel. Über 100'000 Kunden-Websites waren plötzlich offline. Gleich reagierte der Software-Lieferant Bexio, wie das Portal «Inside Paradeplatz» berichtet. Zu den Kunden des St. Galler IT-Unternehmens zählen vor allem KMU. So waren am Mittwoch auch deren Seiten für Stunden down.
Der Vorfall zeigt: Eine Sicherheitslücke kann für Firmen schnell zum wirtschaftlichen Albtraum werden. Bleibt die Website offline, steht oft auch das Geschäft still. Onlineshops können etwa keine Bestellungen mehr entgegennehmen, Dienstleister keine Buchungen. Das geht ins Geld!
Im schlimmsten Fall droht der Konkurs
«Sicherheitslücken kosten immer», weiss auch Nicolas Mayencourt (49), Gründer und CEO der Berner Cybersicherheitsfirma Dreamlab Technologies. «Im besten Fall tragen die Firmen nur die Kosten eines Notfallupdates und von kleinen Software-Aktualisierungen», sagt der IT-Experte zu Blick. Anders sieht es aus, wenn die Webpräsenz stunden- oder gar tagelang offline bleibt: «Dann drohen Umsatzeinbussen.»
Noch gravierender werde es, wenn Cyberkriminelle die Schwachstelle tatsächlich ausnutzen, in die Systeme eindringen und das Unternehmen erpressen. «Da geht es schnell in die Millionen», warnt Mayencourt. Die Folgen können gravierend sein: «Leider gab es auch schon existenzbedrohende Situationen und gar Konkurse wegen Ransomware-Attacken in der Schweiz.»
KMU besonders anfällig
Besonders gefährdet sind kleinere und mittlere Unternehmen. Sie haben oft weder eine eigene IT-Abteilung noch die nötigen Ressourcen, um rasch auf neue Bedrohungen reagieren zu können. «Schweizer KMU sind besonders gefordert und nicht immer gut vorbereitet», weiss Mayencourt.
Für ihn ist deshalb klar: Firmen dürfen das Thema Cybersicherheit nicht weiter auf die lange Bank schieben. KMU stecken da im Dilemma: Investitionen in die IT-Sicherheit belasten das Budget. Wer hingegen spart, riskiert bei einem Angriff laut Mayencourt noch viel höhere Kosten.
Die gute Nachricht: Wirksamer Schutz muss kein Vermögen kosten. «Grundsätzliche Cybersecurity-Massnahmen sind meistens nicht einmal besonders kostspielig», erklärt der Experte. Entscheidend sei, dass Unternehmen ihre IT-Systeme von Anfang an sicher aufbauen und grundlegende Schutzmassnahmen konsequent umsetzen.
Dazu gehört etwa, die Software stets auf dem neuesten Stand zu halten und Sicherheitsupdates im Ernstfall sofort installieren zu können. Ebenso wichtig seien regelmässige Backups, die offline aufbewahrt werden, sowie eine Zwei-Faktor-Authentifizierung für den Zugang zu wichtigen Systemen. «So lässt sich verhindern, dass sich Angreifer nach einem erfolgreichen Eindringen ungehindert im gesamten Firmennetzwerk ausbreiten können.»